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ESM-Urteil : Aktien fester, Renten unter Druck

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes für den Euro-Rettungsschirm tendieren die Aktienmärkte freundlich, vor allem in Athen. Die Rendite der Bundesanleihe steigt dagegen deutlich.

          Nachdem das Bundesverfassungsgericht den Rettungsschirm ESM unter Auflagen genehmigt hat, klettert der Dax um 0,6 Prozent auf 7352 Punkte. Der marktbreite FAZ-Index gewinnt ebenso deutlich auf 1569 Zähler. Allerdings lagen beide Indizes schon deutlich stärker, nämlich mit mehr als 1 Prozent im Plus. Der Dax überschritt erstmals seit Juli 2011 kurzzeitig die Marke von 7400 Punkten.

          „Das ist ein Freibrief für die Euro-Rettung“, sagt Heino Ruland von Ruland Research. Der ESM werde umgesetzt, Spanien könne nun einen Hilfsantrag stellen. „Dann muss die Funktionalität bewiesen werden, indem der ESM bei Auktionen mitbietet“, so der Anlagestratege. Die EZB wiederum könne dann gleichzeitig am Sekundärmarkt Anleihen kaufen.

          Nach Dafürhalten der LBBW dürfte die Anweisung des Gerichts, sicherzustellen, dass die Haftung Deutschlands die Höhe von 190 Milliarden Euro nicht ohne vorherige Zustimmung des Bundestages überschreitet, nicht allzu restriktiv wirken. Schon bisher habe das deutsche Engagement im ESM an die Zustimmung des Bundestages gehangen.

          Griechische Banken an der Spitze

          Bankenwerte wurden nach dem Urteil zunächst weiter gekauft. Der FAZ Euro Banken Index stieg zunächst um bis zu 2,7 Prozent und legte im späteren Handelsverlauf noch um 0,8 Prozent zu. Vor allem die Commerbank-Aktie war gefragt: Ihr Kurs kletterte um bis zu 7,4 Prozent auf 1,578 Euro, kam dann aber deutlich zurück und erholte sich wieder.

          Der STXE Banks Index klettert um 1,3 Prozent. Größte Kursgewinner mit Aufschlägen von mehr als 11 bzw. knapp 18 Prozent sind die National Bank of Greece und die Piräus Bank. Deutliche Aufschläge verzeichnen auch die in Griechenland stark engagierten französischen Institute Credit Agricole und Natixis.

          In Athen steigt der ASE-Index um mehr als 4 Prozent auf 764 Punkte. Größter Kursgewinner ist mit einem Aufschlag von rund 25 Prozent die Aktie der Eurobank Ergasias.

          Rentenmarkt unter Druck

          Bundesanleihen stehen mit dem Urteil aus Karlsruhe unter Abgabedruck. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe steigt deutlich auf 1,61 Prozent. Auch die durchschnittliche Rendite der am Mittwoch versteigerten fünfjährigen Bundesobligation stieg um 0,3 Prozentpunkte auf 0,61 Prozent. Das Niveau ist trotz des deutlichen Anstiegs aber immer noch Rekordtief. 

          Die höhere Rendite sei Ausdruck der größeren Zuversicht, dass die Euro-Schuldenkrise entschärft werden kann, heißt es. Insofern sei der Anstieg der Renditen der Bundesanleihen als gutes Zeichen zu werten.

          Mit Verabschiedung des ESM und dem EZB-Beschluss zu Anleihenkäufen werde ein eindrucksvoller Schutzwall um den Euroraum errichtet. Dies werde den Eurostaaten wertvolle Zeit bringen, ihre ehrgeizigen Strukturreformen durchzuführen, schrieben die Analysten der italienischen Unicredit. Des weiteren werde dies die Zinsen auf ein fundamental gerechtfertigtes Niveau drücken. Dies komme Unternehmen und Konsumenten zugute.

          „Alles in allem sind die Auflagen durch das Bundesverfassungsgericht zur Inkraftsetzung des ESM überschaubar“, so Dirk Gojny, Leiter Research der National Bank. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes werde das Niedrigzinsumfeld jedoch nicht beenden.

          Nur ein erster Schritt

          Auch mit dem Einsatz des ESM werde letztlich nur Zeit gekauft. Die Konsolidierung der Staatshaushalte sowie die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit oder die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle für die besonders stark betroffenen Staaten werde noch Jahre in Anspruch nehmen. Für Gojny ist die finanzielle Feuerkraft des ESM insoweit beschränkt, da das BVerfG-Urteil die finanziellen Lasten beschränke und eine Erweiterung einer expliziten Zustimmung der deutschen Parlamente erfordert.

          Nachdem sich nun alle wesentlichen Akteure für die Rettung der Währungsunion in Stellung gebracht hätten, werde man sich nun wieder darauf konzentrieren, in welcher Höhe Unterstützung vor allem für Spanien notwendig werden werde, schreibt die LBBW. Ob Italien, dessen Anleihen in den letzten Handelstagen deutlich zulegen konnten, noch einmal in den Strudel der Schuldenkrise geraten werde, bleibe abzuwarten und hänge vor allem von den dort erzielten Reformfortschritten ab.

          Euro steigt weiter zum Dollar

          Der Euro baute seine Vortagsgewinn zum Dollar aus und stieg zum Dollar auf ein neues 4-Monats-Hoch bei 1,2915 Dollar, gab im weiteren aber ein wenig auf 1,2896 Dollar nach. Die Auflage des Verfassungsgerichts sei die mildeste Bedingung, die möglich gewesen sei, sagt Geoff Kendrick, Leiter der Londoner Abteilung für Europäische Währungsstrategie bei der japanischen Investmentbank Nomura. Das habe die Möglichkeit einer negativen Entwicklung beseitigt, daher reagiere der Euro deutlich positiv.

          In den Vereinigten Staaten beginnt im Tagesverlauf die zweitätige Sitzung der Notenbank Federal Reserve. Investoren rechnen größtenteils mit einer weiteren quantitativen Lockerung der Geldpolitik durch Anleihekäufe. „Der Markt diskontiert eine weitere Runde Gelddrucken durch die Fed”, sagte Derek Mumford, Direktor bei Rochford Capital in Sydney.

          Am Dienstag hatte der Euro 0,8 Prozent zum Greenback zugelegt. Belastung für den Dollar kam von der Warnung der Ratingagentur Moody’s Investors Service, die erstklassige Bonität der Vereinigten Staaten herunterzustufen. Moody’s forderte im Haushaltsgesetz die Aussicht auf einen glaubhaften Rückgang der amerikanischen Staatsschulden.

          Der Schweizer Franken war zum Euro bei 1,2096 Franken 0,2 Prozent schwächer. Der Yen gibt gegenüber dem Euro 0,6 Prozent ab auf 100,578 Yen.

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