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Wall Street : Ende eines Scheidungsdramas

  • -Aktualisiert am

Ein Sorgerechtsstreit zwischen dem Investmentbanker Sage Kelly und seiner Frau hat die Wall Street in Atem gehalten. Bild: AP

Die Frau eines Investmentbankers hatte ihrem Mann und dessen Kollegen von der Wall-Street-Bank Jefferies krassen Drogenmissbrauch und Sexeskapaden vorgeworfen. Jetzt haben die Parteien ihren Sorgerechtsstreit beigelegt – und die Frau relativiert ihre Aussagen.

          Eidesstattliche Erklärungen in New York sind manchmal das Papier nicht wert, auf die sie gedruckt sind. In den vergangenen Wochen hatte ein Sorgerechtsstreit zwischen dem Investmentbanker Sage Kelly und seiner Frau die Wall Street in Atem gehalten. Christina Kelly hatte ihrem Mann, der die Gesundheitssparte der mittelgroßen Investmentbank Jefferies leitet, in einer 26 Seiten langen Erklärung ein Sammelsurium von Verfehlungen vorgeworfen. Es ging um Drogenexzesse mit Kollegen und um Gruppensex, zu dem sie sich genötigt sah, um einen wichtigen potentiellen Kunden ihres Mannes nicht zu enttäuschen. Für die New Yorker Boulevardzeitungen war das ein gefundenes Fressen. Jefferies geriet unter Druck. Sage Kelly, der wie alle anderen Beteiligten die Vorwürfe kategorisch abstritt, ließ sich beurlauben. Kunden von Jefferies begannen unangenehme Fragen zu stellen. Vorstandschef Rich Handler ging in die Offensive, forderte Kellys Kollegen zu einem freiwilligen Drogentest auf und meldete in einem offenen Brief, dass keiner der Angestellten bei den Tests durchgefallen sei.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Jetzt haben sich die Kellys gütlich geeinigt. Christina Kelly, die 7 Millionen Dollar und Unterhaltszahlungen gefordert hatte, entschuldigte sich in einer Mitteilung bei den Angestellten von Jefferies. Ihren Mann, dem sie eben noch den Missbrauch von Kokain, Ecstasy und halluzinogenen Pilzen vorgeworfen hatte, bezeichnete sie als „großartigen Vater, der unsere Kinder innig“ liebe. „Ein erheblicher Teil dessen, was in der Presse und anderen Medien in den vergangenen Wochen geschrieben wurde, ist ungenau, falsch oder übertrieben“, schrieb sie – obwohl die Quelle der haarsträubenden Geschichten ihre eigene eidesstattliche Erklärung war. „Die Darstellung von Fakten in Scheidungsverfahren hängt von subjektiven Ansichten ab“, fabulierte sie mit offensichtlicher Hilfe ihres Anwalts. Wenn Aussagen aus Scheidungsverfahren in die Öffentlichkeit gerieten, bestünde die Gefahr, dass das zu „falschen Eindrücken“ führe.

          Bei Jefferies scheint man trotz dieser durchschaubaren Ausflüchte keine weiteren Maßnahmen zu erwägen. Wahrscheinlich ist es wirklich das Klügste, weitere Schlagzeilen zu vermeiden. „Wir glauben, dass die Stellungnahme von Frau Kelly diese missliche Angelegenheit zum Abschluss bringt“, sagte ein Sprecher.

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