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Elektromobilität : Der Kampf um die Batterie

Ein Elektroauto der Firma Tesla beim Aufladen Bild: dpa

Apple arbeitet offenbar an einem Elektroauto. Der Erfolg der Fahrzeuge hängt an der Batterietechnik. So einfach ist das und doch so schwer.

          Was bis letzte Woche noch als gut fundierte Spekulation durch die Medien geisterte, reift jetzt zur Gewissheit.  Apple arbeitet an einem Auto, und zwar an einem mit elektrischem Antrieb. Der Batteriehersteller A123 Systems meint zu wissen, dass Apple ihm die Toptechniker abwirbt. Die Nachrichtenagentur Bloomberg meldet außerdem, dass Apple bereits 2020 mit der Produktion der Autos beginnen könnte und beruft sich dabei auf Insider.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Das sorgt für Streit: Der Spezialist für Elektroauto-Batterien reicht Klage bei einem Bundesgericht in Massachusetts ein. A123 Systems hat den Verdacht, dass Apple mit Hilfe der alten Kollegen eine eigene Sparte für Auto-Akkumulatoren aufbauen will. Die abgeworbenen Techniker verletzten Konkurrenzschutzklauseln, weil sie an vergleichbaren Projekten arbeiteten wie bei ihrem alten Arbeitgeber, lautet der Vorwurf.

          Alles prima außer die Batterie

          Batterien sind eine sehr ernsthafte Angelegenheit  für die Industrie. Denn im Moment ist alles prima an Elektroautos außer der Batterie. Wenn es nicht gelingt, sie deutlich billiger, und deutlich haltbarer zu machen und sie zugleich mit deutlich größerer Ladekapazität zu versehen, dann bleibt der Marktanteil für Elektroautos auf absehbare Zeit klein. Die Industrie sehnt sich nach einem großen Sprung in der Technik. Doch der Fortschritt ist ein schweres Geschäft.

          „Warum haben wir keinen Durchbruch bei Batterien“, fragte der Technikjournalist Kevin Bullis in der MIT Technology Review. Zahllose Durchbrüche seien von Start ups schon verkündet worden, hätten Geldgeber zum investieren bewogen. Doch geliefert hätten die Firmen nicht, sagt der Autor.

          Mit großen Erwartungen gestartet

          Ein gutes Beispiel ist A123 selbst. Die Firma, ein Spin off der Massachusetts Institute of  Technology (MIT) in Cambridge, ging 2009 mit höchsten Erwartungen an die Börse. Das Unternehmen prahlte schon damals damit, die Lithium-Ionen-Batterietechnik so weit weiter entwickelt zu haben, dass nun der Massentauglichkeit der Elektroautos nichts mehr im Wege stehe. Dank einiger Millionen von optimistischen Start-Up-Investoren, 350 Millionen Dollar an Subventionen aus dem Bundesstaat  Michigan und aus Washington und dem Börsengang sackte die Firma mehr als eine Milliarde Dollar ein. Drei Jahre später war der Spaß schon fast vorbei. Die Aktie, die Mal bei 25 Dollar stand, rutschte unter einen Dollar.

          A123 hatte leider vor allem auf Fisker gesetzt, das Elektroauto-Projekt des begnadeten dänischen Ingenieurs Hendrik Fisker, das 2008 und 2009 Furore machte und die fürs Marketing so wichtigen Hollywoodstars neugierig machte (Leonardo di Caprio fuhr den ersten Fisker). 2012 ging Fisker in die Insolvenz und seine Batteriezulieferer blieb auf ungenutzten Fabriken sitzen. Inzwischen sind Fisker und A123 in einem chinesischen Großkonzern wieder vereint: Wanxiang heißt er, er ist Chinas größte Autozulieferer.  Er hat große Ambitionen und will langfristig Tesla verdrängen. Dem aktuellen  juristischen Streit gibt das Engagement eine besondere Note. Ein chinesischer Konzern streitet mit Apple letztlich um geistiges Eigentum, das zum großen Teil mit amerikanischen Subventionen zur Stärkung des Standortes Michigan gegeben worden waren.

          Die Hoffnung stirbt zuletzt

          A123 ist nicht allein mit seinen Problemen. Ein anderer Star der Batterie-Entwicklung, Envia, betrat 2009 die Arena und überstand den ersten Rechtsstreit. Der Gründer Sujeet Kumar wurde verdächtigt, geistiges Eigentum seines früheren Arbeitgebers geklaut zu haben. Es ging um Batterietechnik. Bestens ausgestattet mit Subventionen aus Washington gelang es Envia, General Motors als Geldgeber und Kunden zu gewinnen.  Tatsächlich konnte Envia offenbar eine sehr viel versprechende Batterie in ihren Laboratorien zu entwickeln. Nur gelang es General Motors bisher schlecht, dieses Erfolgsprodukt  zu reproduzieren. Ein wichtiger Grund liegt darin, dass man, wie Technikexperte Kevin Bullis vermutet, noch nicht gut verstanden hat, was in den Batterien eigentlich genau passiert.

          Jüngst hat ein neues Batterie Start-Up auf sich Aufmerksam gemacht, Ambri heisst es. Die Gründer reden von einer technologischen Revolution. 50 Millionen Dollar an Wagniskapital haben Bill Gates, Total, Khosla Ventures und  KLP Enterprises schon beigesteuert. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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