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Elektroautos von BYD und Geely : China revolutioniert die Londoner Taxis

Bild: dpa

Die Einführung alternativer Antriebe in der Volksrepublik kommt nicht voran. Deshalb ändert die Regierung ihre Förderpolitik. Bis das greift, setzen die chinesischen Elektroauto-Hersteller BYD und Geely auf den Taximarkt in England.

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          Es kommt nicht oft vor, dass China mit seinen Regierungsplänen derart deutlich scheitert wie im Falle der Elektromobilität. Eigentlich sollten auf dem größten Neuwagenmarkt der Welt schon im kommenden Jahr eine halbe Million Autos mit Strom- oder Hybridantrieben unterwegs sein. Fünf Jahre später war sogar eine Verzehnfachung auf 5 Millionen Einheiten vorgesehen.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          In Wirklichkeit aber sind die Alternativfahrzeuge in der Volkrepublik mindestens ebenso schwer loszuschlagen wie im Rest der Welt. Zwar ist der Verkauf 2013 um ein Drittel gestiegen. Aber die erreichte Zahl von nicht einmal 18.000 Fahrzeugen liegt meilenweit von allen Zielen entfernt: Der Anteil am Gesamtverkauf aller Personenwagen stagniert seit 2012 bei nicht einmal 0,07 Prozent.

          Deshalb hat die Zentralregierung jetzt eine radikale Veränderung der Förderpolitik beschlossen. Statt, wie zunächst geplant, die üppigen Kaufbeihilfen in diesem und im nächsten Jahr um 10 und 20 Prozent zu beschneiden, fallen die Kürzungen nur halb so hoch aus.

          Außerdem wurden zwölf neue Förderregionen eingerichtet, um den Absatz der neuen Antriebstechnik zu unterstützen. Dazu gehören unter anderem die drei smog-geplagten Großstädte Shenyang, Changchun und Harbin in Nordostchina. Somit kommen jetzt insgesamt 40 urbane Zentren in den Genuss spezieller Subventionen.

          BYD liefert als erster E-Busse und E-Taxis nach London

          Chinas Citys könnten sich ein Beispiel an einer europäischen Großstadt nehmen, die früher als die dreckigste Metropole der Welt galt: London. Nicht nur haben die Engländer den Smog und die Staus in den Griff bekommen, sie sind auch dabei, die Innenstadt von Abgasen zu befreien. Weil Taxis mehr als ein Drittel dazu beitragen, hat die Stadtregierung beschlossen, dass in vier Jahren über Londons Straßen nur noch Taxis mit emissionsfreien Antrieben fahren dürfen.
          Interessanter Weise sind ausgerechnet die Chinesen die Vorreiter bei der Umstellung in der britischen Kapitale. Der Batterie- und Autohersteller BYD aus Shenzhen nördlich von Hongkong führt in dieser Woche in London die erste Taxiflotte mit Stromfahrzeugen ein. Nachdem BYD vor zwei Monaten schon Elektrobusse an die Stadt ausgeliefert hat, stellt man dem Taxiunternehmen Thriev nunmehr 20 E-Taxis zur Verfügung.

          Weitere Auslieferungen seien geplant, teilt BYD mit, das derlei moderne Taxis bereits nach Kolumbien und Hongkong verkauft hat und Gleiches auch in Singapur vorhat. In London nutzt die Flotte ein Netz an Ladestationen von British Gas.

          BYD kommt damit nicht nur Nissan zuvor, dem bisher erfolgreichsten Hersteller von Elektroautos, sondern auch einer weiteren chinesischen Konkurrenz: dem Autokonzern Geely aus Hangzhou südlich  von Schanghai. Denn Geely hat die London Taxi Company LTC erworben, welche die legendären schwarzen „Cabs“ herstellt.

          Chinas Export und Yellens Optimismus beflügeln die Kurse in Asien

          LTC muss und will ebenfalls elektrische Fahrzeuge einsetzen, ist aber noch nicht ganz so weit wie BYD. Ein weiterer Wettbewerber heißt Metrocab/Ecotive, gehört zur Frazer-Nash-Gruppe und hat in London einige Testfahrzeuge laufen.

          BYD exportiert seine E-Fahrzeuge nach England. Ganz generell entwickelt sich die Ausfuhr Chinas, der größten Handelsmacht der Welt, wieder besser. Zollangaben vom Mittwoch zufolge sind sowohl der Import als aus der Export im Januar im Jahresvergleich um 10 Prozent gestiegen. Das war weit mehr als erwartet.

          Nicht zuletzt deshalb klettern heute die Aktienkurse in Asien. Der Regionalindex MSCI Asia Pacific gewinnt mehr als einen Prozent hinzu, somit geht es seit sechs Tagen aufwärts. Die Stimmung hellt auch auf, dass sich die neue amerikanische Notenbankgouverneurin Janet Yellen positiv über die Lage in den Vereinigten Staaten geäußert hat.
          Wenn es Amerika und China, den beiden führenden Wirtschaftsnationen, wieder besser geht, dann besteht auch Hoffnung für die Weltwirtschaft – und für die Anleger.

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