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Eisenbahn-Wettbewerb : China startet Angriff auf Siemens

Eine Großfusion unter Chinas Eisenbahn-Unternehmen steht offenbar bevor. Bild: AFP

Gemeinsam sollen sie gegen westliche Anbieter in den Wettbewerb ziehen: Die zwei größten Bahnbauer Chinas stehen kurz vor der Fusion. So wollen sie fit werden für den milliardenschweren Bau von Hochgeschwindigkeitszügen in aller Welt.

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          Die Aktien der beiden börsennotierten Staatskonzerne sind bereits vom Handel ausgesetzt, die Unternehmensspitzen haben eine Erklärung „innerhalb von fünf Werktagen“ angekündigt: die beiden größten Eisenbahnhersteller der Welt namens CNR und CSR stehen offenbar kurz vor der Fusion – beide haben ihren Hauptsitz in Peking. Chinas Regierung wolle nur noch einen großen Bahnbauer im Land, meldet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Verweis auf nicht genannte Ministerialbeamte. Auch chinesische Staatsmedien berichten über die bevorstehende Fusion.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Der Grund für den Zusammenschluss ist industriepolitischer Natur: die Konzerne sollen sich nicht wie bisher mit Preiskämpfen gegenseitig das Leben schwer machen, sondern gemeinsam im Ausland um milliardenschwere Aufträge für den Bau von Zügen kämpfen, wünscht die Regierung – unter anderem gegen den deutschen Siemens-Konzern. Weil jedoch schon bisher sowohl bei CSR als auch CNR derselbe chinesische Staat das Sagen hatte, soll die Fusion wohl vor allem Signalwirkung entfalten: ein chinesischer „Champion“ soll her, ein weltweit schlagkräftiger Anbieter von Hochgeschwindigkeitszügen – nachdem der Zusammenschluss von Siemens und der französischen Alstom zu einem „europäischen Champion“ im Sommer gescheitert ist.

          Im eigenen chinesischen Reich soll das Bahnstreckennetz ohnehin schnell wachsen – aus Gründen besserer Verkehrsanbindung und um die zuletzt lahmende chinesische Konjunktur anzukurbeln. Vergangenen Dezember erhielten CNR und CSR den Zuschlag für den Bau von 258 Hochgeschwindigkeitszügen im Gesamtwert von gut 7 Milliarden Dollar.

          Aber auch auf seinen Auslandsreisen treibt Premier Li Keqiang die Expansion seiner staatlichen Zugindustrie schon lange mit Kraft voran – „unseren obersten Handlungsreisenden in Sachen Bahn“ nennen ihn die Staatsmedien. CSR und CNR haben auch dank Transtechnologietransfer aus Deutschland in Sachen Qualität zu ihren westlichen Wettbewerbern stark aufgeholt.

          Und besonders in Schwellenländern kommt gut an, dass Peking beim Verkauf der Züge zusätzlich gleich das passende Kreditpaket für die Finanzierung anbietet. Zusammen käme ein fusionierter Konzern auf einen Umsatz von 33,6 Milliarden Dollar, der summierte Gewinn nach Steuern beider Unternehmen läge bei 1,44 Milliarden Dollar. Gemeinsam beschäftigten CSR und CNR zum Ende vergangenen Jahres 173.000 Angestellte.

          Die einst dominierenden Bahnbauer wie Alstom, die kanadische Bombardier und den deutschen Siemens-Konzern haben die Chinesen bereits hinsichtlich des Volumens von der Weltspitze verdrängt. Man wolle der weltweit führende Anbieter von Eisenbahnausrüstung werden, bekundet CSR selbstbewusst, bisher die Nummer zwei hinter CNR, die in der Zeit vor Chinas Wirtschaftsreformen schon einmal in einem gemeinsamen Monopolunternehmen zusammengefasst waren. Auf dem europäischen Markt steht außer einem Auftrag für sechs Hochgeschwindigkeitszüge in Mazedonien noch nichts in den Orderbüchern. In Kalifornien bieten die Chinesen jedoch derzeit um einen Auftrag über 95 Hochgeschwindigkeitszüge. Die Vereinigten Staaten sind auch für Siemens ein wichtiger Markt.

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