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Eine Stadt in der Krise : Chinas Kampf gegen das Prassen trifft nun auch die Sex-Branche

Razzia wegen Verdacht auf Prostitution in einem Hotel in Dongguan Bild: REUTERS

Die chinesische Stadt Dongguan, die „Stadt der Sünde“, leidet gleich doppelt: Industriebetriebe wandern ab, und die Behörden gehen gegen das Nachtleben vor.

          Bis in die späten 1980er Jahre hinein war Dongguan östlich von Kanton eine verschlafene Agrarstadt. Heute ist sie Chinas anrüchigster Sündenpfuhl. Daran ist der rasante Aufstieg in der Öffnungspolitik schuld, als die logistisch günstig im Perlflussdelta gelegene Stadt zu einem der wichtigsten Exportstandorte Chinas und der ganzen Welt aufstieg.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Das ging jahrzehntelang gut, bis in der Finanz- und Wirtschaftskrise wichtige Märkte wegbrachen und Tausende Betriebe schließen mussten.

          Davon hat sich Dongguan nie richtig erholt. Zumal weitere Belastungen hinzugekommen sind: stark steigende Arbeitskosten und der von der Führung propagierte Strukturwandel weg von der Produktion einfacher Massengüter. Deshalb sind Dutzende Hersteller von Textilien, Schuhen, Spielzeugen, Möbeln oder Elektroartikel ins billigere Hinterland oder in die Nachbarländer abgewandert.

          Eigentlich wünscht sich Chinas Führung den Aufbau einer lukrativen Dienstleistungswirtschaft sowie einen steigenden Binnenkonsum. Die Art von Services, die in Dongguan prächtig gedeiht, ist aber gar nicht in ihrem Interesse. Dort florieren Prostitution, das Bar- und Massagewesen, Karaoke-Schuppen und wohl auch das illegale Glücksspiel.

          Dongguan leidet unter der Kampagne gegen Amoralität

          Seit Februar räumt die Stadtverwaltung deshalb im Nachtleben gehörig auf und hat 6000 Polizisten für Razzien eingesetzt. Rund 1000 Personen seien festgenommen worden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Unter der Aktion litten (Stunden)-Hotels genauso wie Taxifahrer und Einzelhändler. Das Vorgehen ist Teil einer Kampagne der neuen Führung gegen Verschwendung, Korruption und Amoralität, an deren Spitze sich Partei- und Staatschef Xi Jinping gesetzt hat.

          Der amtliche Pressedienst Xinhua hat ausgerechnet, dass die Schließung zweifelhafter Gewerbe die Unterhaltungsindustrie in Dongguan rund 50 Milliarden Yuan koste, etwa 6 Milliarden Euro. Das geplante Wachstumsziel der Stadt für 2014 sei wegen der Ausfälle in diesen Branchen sowie in der Industrie kaum noch einzuhalten.

          Auch die Stadtregierung leidet, denn Schätzungen zufolge stammen mehr als 10 Prozent ihrer Steuereinnahmen aus dem „Entertainment“. Lokalen Medien zufolge sind allein in Dongguans „Sexindustrie“ 300.000 Personen beschäftigt. „Ich hoffe, dass die Prostituierten zurückkommen“, sagte der Eigentümer eines Kosmetikgeschäfts gegenüber Reuters.
          Geld verdienen lässt sich heute auch an den asiatischen Aktienmärkten nicht. Praktisch überall geben die Indizes nach. In Japan und Korea geht es um 0,2 Prozent ins Minus, in Australien und Neuseeland um 0,1 Prozent. In den Karaoke-Bars von Dongguan und anderswo in Asien sind derzeit eher die leisen Töne angesagt.

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