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Wahl in Amerika : Ein Wahlappell von Bill Gates

Bill Gates Bild: AFP

Der Microsoft-Mitgründer hat eine Botschaft für die Präsidentschaftskandidaten: Ohne Regierung keine Innovationen. Das wird nicht jeder im Silicon Valley gerne hören.

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          Bill Gates hatte nicht immer das beste Verhältnis zur Politik. Ende der neunziger Jahre lieferte er sich zum Beispiel mit dem von ihm gegründeten Softwarekonzern Microsoft einen spektakulären Kartellstreit mit der amerikanischen Regierung, dabei drohte seinem Unternehmen zwischenzeitlich sogar die Zerschlagung. Heute pflegt der reichste Mensch der Welt einen viel entspannteren Umgang mit Politikern, ja er sucht sogar ihre Nähe.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Nach seinem weitgehenden Rückzug bei Microsoft konzentriert er sich auf eine von ihm und seiner Frau Melinda geführte wohltätige Stiftung. Dabei steht er in ständigem Kontakt mit Politikern, die er wie eine Art Lobbyist für die Anliegen der Organisation einzunehmen versucht.

          Welche Bedeutung Gates der Politik zumisst, hat er nun auch in einem Appell an die beiden amerikanischen Präsidentschaftskandidaten aufgeschrieben, den er auf seiner Internetseite veröffentlicht hat. Ohne Hillary Clinton und Donald Trump beim Namen zu nennen, monierte er, dass die Bewerber bislang noch nicht im Detail darüber gesprochen hätten, wie die politische Führung Innovationen unterstützen kann. Gates argumentiert, dass ohne Mithilfe der Regierung größere Innovationen nicht möglich sind.

          Das ist eine bemerkenswerte Feststellung für jemanden, der als Self-Made-Milliardär gilt, der seinen Reichtum aus eigener Kraft geschaffen hat. Gates spricht damit auch etwas an, das in der Technologiebranche im Silicon Valley gerne unterschlagen wird, die ihren Erfolg gerne als direktes Ergebnis ihres ganz speziellen Erfindergeistes darstellt. Gates schreibt: „Ich habe manche Leute sagen gehört, lebensverändernde Innovationen kämen ausschließlich aus dem Privatsektor. Aber Innovation startet mit der Unterstützung der Regierung für die Forschungslabore und Universitäten.“

          Regierung spielt im Silicon Valley eine große Rolle

          Tatsächlich hat das Silicon Valley seinen Aufstieg in hohem Maße der amerikanischen Regierung zu verdanken. Sie war es, die der Region mit Militärausgaben entscheidende Anschubhilfe gab. Viele Unternehmen kamen anfangs nur mit Forschungsgeldern und Aufträgen der Regierung über die Runden. Erst die Verbreitung privater Wagniskapitalgesellschaften in den siebziger Jahren machte die Branche unabhängiger vom Staatstropf. Trotzdem spielt die Regierung noch heute eine große Rolle in der Region, etwa mit den vielen hier ansässigen staatlich finanzierten Forschungsinstituten. Gates führt als Beispiel für Impulse der Regierung das 1961 vom amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy vorgegebene Ziel an, innerhalb eines Jahrzehnts einen Menschen auf den Mond zu bringen. Dies habe sowohl im privaten als auch im öffentlichen Bereich Innovationskraft freigesetzt.

          Gates gibt auch zu, dass er in seiner Karriere selbst vom Engagement der amerikanischen Regierung profitiert habe. Sie habe mit ihrer Forschung die Mikrochip-Revolution und das Internet möglich gemacht. Daher sei es kein Wunder, dass heute die führenden Hardware- und Softwareunternehmen aus den Vereinigten Staaten stammten.

          Wenn es nach dem Microsoft-Mitgründer geht, sollte sich die kommende amerikanische Regierung vier Ziele setzen, die mit Innovationen erreicht werden könnten: Die Bereitstellung erschwinglicher Energie, ohne den Klimawandel voranzutreiben; die Entwicklung eines Impfstoffes gegen den HI-Virus und von Heilmitteln für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer; das Verhindern künftiger Epidemien, die noch infektiöser als Ebola und noch tödlicher als Zika sein könnten; die Bereitstellung neuer Instrumente, die allen Schülern eine Weltklasseerziehung ermöglichen.

          Was Gates in seinem Appell freilich vermeidet, ist eine konkrete Wahlempfehlung. Er hat in der Vergangenheit durchblicken lassen, dass er eher auf der Seite von Clinton steht, ohne das aber so deutlich zu artikulieren. In einem Interview mit der Gesundheitspublikation „Stat News“ sagte er unlängst, Clinton habe bei Gesundheitsthemen mehr Erfahrung, und er spielte auf kontroverse Äußerungen von Trump zu Nebenwirkungen von Impfstoffen an, die ihm Sorgen machten. Es verträgt sich zudem überhaupt nicht mit der Philosophie von Gates, dass Trump Klimawandel als Unfug abgetan hat. Trotzdem gab sich Gates in dem Interview diplomatisch: „Wir gehen an jede neue Regierung mit einer positiven und offenen Einstellung heran.“

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