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Miami Marlins : Ein Baseballverein zwischen Politdynastien

Die Miami Marlins sind derzeit nicht gut unterwegs. Bild: AFP

Die Miami Marlins stehen zum Verkauf, und es gibt einen illustren Kreis von Interessenten. Ein früherer Erzrivale von Donald Trump könnte das Rennen machen.

          3 Min.

          Sportvereine sind in den Vereinigten Staaten Prestigeobjekte. Viele reiche Amerikaner, die sich ihren Namen ursprünglich auf ganz anderen Gebieten als im Sport gemacht haben, haben Teams aus den Profiligen des American Football, Basketball oder Baseball gekauft. Steve Ballmer, der früher Vorstandsvorsitzende des Softwarekonzerns Microsoft, zahlte vor knapp drei Jahren einen Milliardenbetrag für die Basketballmannschaft Los Angeles Clippers. Paul Allen, einer der Mitgründer von Microsoft, ist Eigentümer des Footballvereins Seattle Seahawks und des Basketballteams Portland Trail Blazers.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Im Moment steht die Baseballmannschaft Miami Marlins zum Verkauf, und im Bieterverfahren sind einige sehr illustre Namen aufgetaucht. Das Team zog Interesse von Mitgliedern der Familien Kushner, Bush und Romney an – allesamt einflussreiche Dynastien mit engen Verbindungen in die Politik. Derzeit scheint es so auszusehen, als ob die Bushs das Rennen machen würden. Angeblich nähert sich Jeb Bush, der sich erfolglos um die Kandidatur der Republikanischen Partei für die jüngsten amerikanischen Präsidentschaftswahlen bemüht hatte, einer Vereinbarung zum Kauf der Marlins. Medienberichten zufolge hat er sich mit dem früheren Baseball-Superstar Derek Jeter zusammengetan und will mit ihm und anderen Investoren 1,3 Milliarden Dollar für das Team zahlen. Wie es hieß, soll es schon ein vorläufiges Übernahmeabkommen geben.

          Glorreiche Zeiten lang vorbei

          Die Marlins gehören derzeit dem New Yorker Kunsthändler Jeffrey Loria. Er kaufte das Team 2002 für 158 Millionen Dollar, würde also bei dem nun zur Diskussion stehenden Preis seinen Einsatz vervielfachen können. Die Marlins gewannen ein Jahr nach der Übernahme die „World Series“, also die Meisterschaft der beiden amerikanischen Baseball-Ligen. Diese glorreichen Zeiten sind aber heute nur noch eine entfernte Erinnerung. Seit dem damaligen Triumph hat die Mannschaft nie wieder die Play-Off-Runden erreicht, in der die beiden Finalisten für die „World Series“ ermittelt werden. Die Marlins sind ein Verlustgeschäft und gehören seit einiger Zeit zu den Teams mit den niedrigsten Zuschauerzahlen im amerikanischen Baseball, obwohl sie erst 2012 ein brandneues Stadion bekommen haben.

          Dennoch fanden die Marlins eine ganze Reihe von Kaufinteressenten, womöglich weil nicht allzu oft eine Profimannschaft aus den großen amerikanischen Sportarten zur Disposition steht. Im Februar hieß es zunächst, die Familie von Jared Kushner, dem Schwiegersohn des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, sei dem Kauf des Teams nahe. Angeblich soll Jareds Bruder Joshua für die Familie eine führende Rolle in dem Bieterverfahren gespielt haben. Aber wenige Tage, nachdem das Interesse der Kushners bekannt wurde, gaben sie das Vorhaben auf. Sie bestätigten, Verhandlungen über den Kauf der Marlins geführt zu haben und begründeten ihren Rückzug mit Berichten, wonach Teameigentümer Loria von Trump zum amerikanischen Botschafter in Frankreich berufen werden sollte. Das klang, als ob sich die Familie keinen Interessenkonflikten aussetzen wollte. Bis heute ist freilich niemand für den Botschafterposten nominiert worden.

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          Aber auch nach dem Ausscheiden der Kushners blieben Interessenten mit politischen Verbindungen. Zum Beispiel eine Investorengruppe um Tagg Romney, den Sohn des 2012 unterlegenen Republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney. Zuletzt kristallisierte sich aber das Gespann mit Jeb Bush und Derek Jeter als Favorit heraus. Das Geschäft ist jedoch offenbar noch nicht ganz unter Dach und Fach. Es besteht wohl noch Unklarheit über die genaue Finanzierung. Bush und Jeter sind zwar beide sehr wohlhabend, allerdings wird erwartet, dass sie andere Investoren an Bord holen wollen, um einen großen Teil des Kaufpreises zu übernehmen.

          Jeb Bush war als aussichtsreichster Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner ins Rennen gegangen, fand aber keinen Zugang zu den Wählern. Ihm machten Attacken von Donald Trump zu schaffen, der ihn oft als Mann mit „niedriger Energie“ verspottete. Sollte er jetzt bei den Marlins zum Zuge kommen, würde er damit zumindest in gewisser Weise in die Fußstapfen seines älteren Bruders George W. Bush treten. Zwar blieb es Jeb verwehrt, wie sein Bruder Präsident zu werden. Aber auch George W. hatte einmal eine enge Verbindung zum Baseball. Bevor er in die Politik ging, war er Miteigentümer der Texas Rangers.

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