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IWF-Woche : Dramatik vor der Jahrestagung

Warnende Worte der IWF-Vorsitzenden Christine Lagarde: Die Weltwirtschaft steht an einem Wendepunkt. Bild: dpa

Die Aufwertung des Dollars kommt den Europäern und den Japanern gerade recht. Die entscheidende Frage ist aber, wann den Amerikanern der Dollar zu hart wird.

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          Es ist IWF-Woche in Washington. Am Wochenende treffen die Finanzminister und Notenbankgouverneure nicht nur der großen Industrie- und Schwellenländer (G-20), sondern auch die mehr als 180 Mitgliedstaaten des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank kommen in Washington zusammen. Die Themen der Debatten liegen auf dem Tisch. Zwei Wochen nach dem Treffen im australischen Cairns werden die G-20-Finanzminister sich noch nicht viel Neues zu sagen haben. Vermutlich wird auch in Washington mal wieder der transatlantische Streit das Bild beherrschen, ob eine solide Finanzpolitik oder mehr schuldenfinanzierte Staatsausgaben gut für das Wachstum und geboten sind.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Zum Ritual vor der Jahrestagung der internationalen Finanzinstitutionen, die vor 70 Jahren im amerikanischen Bretton Woods aus der Taufe gehoben wurden, gehört dabei ein wenig Dramatik. So betonte die IWF-Vorsitzende Christine Lagarde in der Vorhang-öffne-Dich-Rede vergangene Woche, dass die Weltwirtschaft an einem Wendepunkt stehe an dem sich entscheide, ob die Welt in eine Zeit dauerhaft schwachen Wachstums hineinrutsche oder ob die Regierungen die Kraft aufbrächten, durch entschiedene Strukturreformen die Weltwirtschaft auf einen höheren Wachstumspfad zu lenken. Eine ähnliche Warnung hätte Lagarde auch schon bei der Frühjahrstagung aussprechen können und sie wäre ähnlich zeitlos gewesen. Wenig überraschend ist, dass der IWF schuldenfinanzierte Investitionen in Infrastruktur etwa in Deutschland fordert. Überraschender ist das zunehmende Gewicht, das die IWF-Ökonomen zugleich Strukturreformen zur Verbesserung der Angebotsseite zumessen.

          Zweigeteilte Wirtschaft

          Klarer und vorerst relevanter ist eine andere Tendenz. Am Dienstag wird der Weltwirtschaftsausblick des IWF eine zweigeteilte Entwicklung unter den Industriestaaten bestätigen, die seit der Finanzkrise selten so akzentuiert war. Die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten und im Vereinigten Königreich läuft gut, im Euroraum sieht es dagegen schwierig aus. Diese Wachstumsdiskrepanz spiegelt sich in der Geldpolitik, die in Großbritannien und in Amerika auf Straffung hinausläuft, im Euroraum dagegen auf eine weitere Lockerung.

          Hierin liegt der Grund für die laufende Aufwertung des Dollar und die rasante Abwertung des Euro, der zuletzt knapp über 1,25 Dollar gehandelt wurde. Seit Anfang September hat er 5 Prozent und seit Anfang Mai 10 Prozent verloren. Gegenüber dem Yen hat der Dollar noch mehr aufgewertet. Die extrem gute Entwicklung am amerikanischen Arbeitsmarkt hatte Ende der Woche die Dollar-Aufwertung noch beschleunigt.

          Den Geldpolitikern in Kontinentaleuropa und in Japan kommen die Abwertungen ihrer Währungen gerade recht, weil sie die Geldentwertung beschleunigen wollen. Die spannende Frage aber wird sein, wann den Amerikanern der Dollar zu hart wird. Angesichts des Unwillens, im G-20-Kreis oder auf der IWF-Tagung offen Wechselkurse zu thematisieren, wird man in dieser Woche zwischen den Zeilen lesen müssen. Ein anderer Indikator wird sein, wie sehr in der beginnenden Bilanzsaison an der Wall Street die Ergebnisse durch den starken Dollar getrübt werden.

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