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Wahlkampf in Amerika : Donald Trump wettert gegen Amazon-Chef

Kritisiert die monopolistische Stellung von Amazon: Der Präsidentschaftskandidat Donald Trump. Bild: AP

Der Präsidentschaftsanwärter ist schlecht auf den Amazon-Vorstandsvorsitzenden Jeff Bezos zu sprechen. Die von ihm erworbene Zeitung „Washington Post“ diene Bezos nur dazu, die Steuern bei Amazon niedrig zu halten, der Onlinekonzern nutze seine Monopolstellung aus. Bezos nimmt es bislang mit Humor.

          Am Dienstag war die Hauptversammlung des amerikanischen Online-Händlers Amazon.com in dessen Heimatstadt Seattle. Dabei spielte auch Donald Trump eine Rolle, der umstrittene Präsidentschaftsanwärter der republikanischen Partei. Eine Gruppe namens Ultraviolet, die sich für Frauenrechte einsetzt, ließ zu dem Anlass ein Flugzeug in den Himmel von Seattle aufsteigen und dort ein Transparent hinter sich herziehen. Darauf stand: „Shareholders to Amazon: #DumpTrump“. Das war als Appell an den Online-Händler gedacht, Lizenzartikel wie Krawatten aus dem Sortiment zu nehmen, die unter Trumps Namen verkauft werden. Die Begründung: „Donald Trump hat immer wieder rassistische, sexistische und ausländerfeindliche Attacken gegen ganze Gruppen von Menschen gestartet, zu Gewalt und Gehässigkeit gegenüber politischen Feinden ermutigt und eine Kultur der Gewalt gegen Frauen gepflegt.“ Amazon sollte sich von so etwas distanzieren anstatt davon zu profitieren, empört sich die Gruppe. Sie vertritt nach eigenen Angaben 1500 Aktionäre des Unternehmens.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Freilich sind Amazon und Trump keineswegs Verbündete, wie es die Aktion der Organisation nahelegen könnte. Trump hat nun schon wiederholt gegen den Amazon-Vorstandsvorsitzenden Jeff Bezos geschossen und ihn wegen seiner Verbindung zur Zeitung „Washington Post“ attackiert, die er vor knapp drei Jahren für 250 Millionen Dollar gekauft hat. Bezos erwarb die Zeitung persönlich und nicht für Amazon. Im Dezember twitterte Trump, die „Washington Post“ verliere ein Vermögen und diene Bezos nur dazu, die Steuern bei Amazon niedrig zu halten. Er schickte noch einen Seitenhieb hinterher, als er hinzufügte, Amazon mache selbst keinen Gewinn.

          Bezos nahm das erst einmal mit Humor und schrieb in einem seiner wenigen Twitter-Einträge, nun sei er also „endlich“ von Trump heruntergemacht worden. Er fügte hinzu, er werde Trump einen Sitz in einer Rakete von Blue Origin reservieren, dem Weltraumunternehmen, das er neben Amazon führt. Mit einem sogenannten „Hashtag“ ließ er noch einen giftigen Zusatz folgen: „#sendDonaldtospace“, also „Schickt Donald ins All“.

          „Lächerliche Fragen“ an Donal Trump

          Vor wenigen Tagen hat Trump eine neue Runde in seinem Gefecht mit dem Amazon-Chef eingeläutet. In einem Interview mit dem der republikanischen Partei wohlgesonnenen Fernsehsender Fox wurde er auf ein Buchprojekt der „Washington Post“ angesprochen, das ihn offenbar sehr ärgert. Die Zeitung will im August ein Buch mit dem Titel „Trump revealed“ („Trump enthüllt“) veröffentlichen, und der herausgebende Verlag verspricht, das Werk werde die „gründlichste Untersuchung“ von Trumps öffentlichem und privatem Leben sein, die es jemals gegeben habe. Mehr als zwei Dutzend Mitarbeiter der Zeitung unter der Führung ihres Herausgebers Martin Baron sollen an dem Buchprojekt arbeiten.

          Trump beklagte sich in dem Interview, dass er stündlich Anrufe von Redakteuren der Zeitung bekomme, die ihm „lächerliche Fragen“ stellten. Und dann ging er einmal mehr persönlich auf Bezos los. Der Amazon-Chef halte sich die Zeitung als ein „Spielzeug“. Er setze sie als Druckmittel gegenüber Politikern ein, um mit Amazon in den Genuss niedriger Steuersätze zu kommen. Und es gehe Bezos nicht nur um Steuern. Er instrumentalisiere die Zeitung auch, um nicht ins Visier von Kartellbehörden zu geraten. Amazon sei ein Monopol und habe „ein riesiges Kartellproblem“. Was genau er damit meinte, ließ er freilich offen, und er beschränkte sich auf den vagen Hinweis: „Amazon kontrolliert so viel von dem, was sie tun.“

          Tatsächlich gab es schon Gruppen, die Amazon wettbewerbswidriges Verhalten vorgeworfen haben. Zum Beispiel Buchautoren, die das Justizministerium zu kartellrechtlichen Ermittlungen gegen Amazon aufforderten, weil sie meinen, das Unternehmen nutze seine Marktmacht aus. Die Kartellbehörden sind diesem Ansinnen bislang allerdings nicht gefolgt. Und so groß und mächtig Amazon im Online-Handel ohne Zweifel ist: Der Konzern sieht sich hier noch immer einer Reihe von Wettbewerbern gegenüber, nicht zuletzt dem gemessen am Umsatz deutlich größeren Handelsgiganten Wal-Mart, der mit aller Macht versucht, sein Online-Geschäft auszuweiten. Amazon-Chef Bezos scheint jedenfalls nicht alarmiert zu sein. Er hat sich zu der neuerlichen Attacke von Trump bisher nicht geäußert.

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