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Trumponomics : Die unbeliebte Steuerreform

Das Capitol in Washington. Bild: dpa

Donald Trump will Amerika mittels Steuerreform wieder groß machen. Die Amerikaner glauben aber nicht an die versprochenen positiven Effekte.

          Als Ronald Reagan 1986 die große Steuerreform durch den Kongress brachte, stimmten gerade einmal zwölf demokratische Abgeordnete dagegen.  Große Namen der demokratischen Partei wie der ehemalige Vizepräsident  Joe Biden, Ted Kennedy, Al Gore oder John Kerry votierten als Abgeordnete mit den Republikanern für die Reform.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Sie konnten kaum anders. Ronald Reagan hatte bei seiner Wiederwahl 1984 mit dem Versprechen einer großen Steuerreform knapp 60 Prozent der Stimmen und 49 Bundesstaaten gewonnen.  Die Amerikaner hatten mit großer Mehrheit  Reagans erster  Steuersenkung von 1981 erwartungsvoll entgegen gesehen und befürworteten mit kleinerem Vorsprung die Steuersenkung von 1986.

          Ziemlich genau 31 Jahre später muss sich Präsident Donald Trump mit deutlich schlechteren Zahlen und einem polarisierten Kongress herumschlagen.  Gerade ein Viertel der Amerikaner ist für die Steuerreform, die die Republikaner vorgelegt haben.  Gut 52 Prozent aber sind dagegen, hat eine repräsentative November- Umfrage der Universität von Quinnipiac ergeben, die auf einer Linie  mit den früheren Ergebnissen liegt.  

          Mittelt man die Umfragen von fünf unterschiedlichen Instituten findet man ungefähr ein Drittel der Amerikaner, die die Steuerreform befürworten. 46 Prozent sind dagegen.

          Nur für die Reichen

          Kein großes Gesetzesvorhaben der letzten 50 Jahre   hatte in den Vereinigten Staaten so schlechte Zustimmungswerte  wie diese Steuerreform. Selbst Barack Obamas umstrittene Gesundheitsreform Obamacare wurde positiver bewertet. Sogar einige Steuererhöhungs-Pläne fanden mehr Unterstützung. Abgesehen von republikanischen Parteimitgliedern sind nahezu alle Gruppen der Gesellschaft mehrheitlich dagegen. 

          Die Menschen glauben in der Mehrheit nicht, dass ihnen die Reform persönlich zu gute kommt und die Volkswirtschaft nennenswert beflügelt.  Vielmehr erwarten knapp 60 Prozent, dass  Steuersenkungen vor allem den Besserverdienenden zu Gute kommen.

          Millenials machen Kummer

          Eine Entwicklung dürfte den Republikanern besonders große Sorgen machen. Und unter den Millennials (18 bis 29 Jahre)  schneidet die Steuerreform besonders schlecht ab, hat eine Umfrage des  Instituts im  Herbst ergeben.  Zwei Drittel beurteilen die Steuerreform negativ.  Diese stellen aber inzwischen bei Wahlen die größte  Altersgruppe, sagt John Della Volpe, der an Harvard-Universität Direktor des Demoskopie-Instituts ist. 

          Was die Motive für dieses negative Votum sind, ist nicht eindeutig. Gerade  Millennials verlieren ihr Vertrauen in klassische Institutionen wie Parteien, den Kongress oder Kirche, und selbst die Marktwirtschaft an sich findet deutlich weniger   Zustimmung als früher.  Sie können dem erklärten Sozialisten Bernie Sanders etwas abgewinnen, befürworten mehrheitlich eine allgemeine gesetzliche Krankenversicherung und ein größere Rolle des Staates.        

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