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Wahlkampf in Amerika : Die Wahrheit über Amerikas illegale Immigranten

Illegale Einwanderung: Grenzkontrollen in Arizona Bild: Picture-Alliance

Das Thema Einwanderung schlägt auch in Amerika Wellen. Präsidentschaftskandidat Trump will deportieren und konfiszieren. Doch er geht gegen eine große Gruppe vor.

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          Donald Trump, der Geschäftsmann mit dem Ehrgeiz, Präsident der Vereinigten Staaten zu werden, punktet in den Umfragen vor allem mit einem Thema: die illegalen Mexikaner. Jede Woche trägt er eine neue Wendung dieses Themas in die Öffentlichkeit, jüngst verband die wieder deutlich steigende Zahl an Kapitalverbrechen in amerikanischen Großstädten mit illegaler Einwanderung.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Trumps Rhetorik und deren Erfolg hat den Effekt, dass andere republikanische Politiker mit den gleichen Ambitionen auf das höchste Amt in den Vereinigten Staaten plötzlich ebenfalls kritische Worte für die illegale Immigration suchen und finden. Kurz zuvor hatten konservative Strategen noch die Losung ausgegeben, die Republikaner müssten in ihren Kampagnen der neuen gewachsen Diversität der amerikanischen Gesellschaft Rechnung tragen. Das heißt, sie sollten vor allem die eingewanderten Lateinamerikaner umgarnen.

          Deportieren, konfiszieren

          Das ist nun zur echten Herausforderung für die Kandidaten geworden, weil sich gerade zeigt, dass Teile ihrer Basis es lieber hätten, wenn man die Immigranten mal so richtig zur Brust nimmt. Donald Trump will sämtliche Illegalen deportieren, wenn sie nicht schon vorher durch seine neue Abschreckungspolitik das Weite gesucht haben. Diese sieht unter anderem vor, dass die Überweisungen, die die die Illegalen den armen Familienmitgliedern in der Heimat zukommen lassen, konfisziert werden.

          Das Phänomen der illegalen Einwanderung ist tatsächlich nicht klein. Das Pew Research Center kalkuliert, dass zur Zeit rund elf Millionen illegale Einwanderer in den Vereinigten Staaten leben, etwa eine Million weniger als im Jahr des Maximums, 2007. Das entspricht 3,5 Prozent der Bevölkerung in den Vereinigten Staaten, die nach Trumps Willen weg müssen. Nicht dass die Regierung bisher her untätig gewesen wäre. Barack Obamas Behörden deportieren jedes Jahr rund 400.000 illegale Einwanderer, mehr als unter dem konservativen Vorgänger George W. Bush abgeschoben wurden. Barack Obamas Verordnung vom Herbst 201 verschont rund 4 Millionen der Illegalen, vor allem, weil sie schon lange in den Vereinigten Staaten leben.  

          Familien zerreißen

          Die Hälfte der Illegalen sind Mexikaner, ihr Anteil geht seit einigen Jahren zurück zu Gunsten von Asiaten und Bürgern aus Zentralamerika. Rund jeder zwanzigste Arbeitnehmer in den Vereinigten Staaten ist illegal: 8,1 Millionen Illegale arbeiten oder suchen einen Job. Die größten Anteile von Illegalen im Arbeitsmarkt haben Nevada, Texas und Kalifornien mit jeweils rund zehn Prozent. Trump, der Enkel deutsche Großeltern, will also ein Zehntel der Arbeiter diese drei großen Bundesstaaten heimschicken.

          Ferner ist über die Illegalen zu berichten, dass fast 90 Prozent schon länger als 5 Jahre im Land der unbegrenzten Möglichkeiten leben, mehr als 60 Prozent sind schon mehr als zehn Jahre in den Vereinigten Staaten, viele haben eigene Häuser. Zu den Detailproblemen gehört auch, dass rund 4,5 Millionen in den Vereinigten Staaten geborene Kinder mindestens ein illegales Elternteil haben. Die Kinder sind kraft ihrer Geburt legale Amerikaner. Die Verfassung begründet dieses Staatsbürgerrecht. Trump müsste also Familien zerreißen, wenn er mit seiner Deportationspolitik ernst machen würde. Da das Konservativen schwer zu verkaufen ist, will er statt dessen die Verfassung ändern und den amerikanischen Kindern ihre Staatsbürgerschaft entreißen.

          Mehr Staatsausgaben

          Bemerkenswert ist auch, dass der Kandidat, der in den meisten Umfragen vorne liegt, für seine Ausländerpolitik den Beamtenapparat deutlich vergrößern will, besonders was die Grenzbeamten betrifft. Gewöhnlich zetern Republikaner über die Bürokratie. Ferner verlangt Trumps Politik das Ausleuchten von Privatleuten, etwa wenn man deren Überweisungen in die Heimat konfiszieren will.

          Ökonomische Gründe für die abweisende Politik, die Trump auf den Weg bringen will, lassen sich schwer finden in einem Land, dessen Arbeitsmarktdaten sich von Monat zu Monat verbessern (Arbeitslosenquote von 5,3 Prozent). Politisch ist der Kurs auch riskant: Der konservative Kolumnist George Will weist darauf hin, dass jedes Jahr 900.000 Latinos das Wahlalter erreichen. Bisher wählt die Hälfte von ihnen nicht. Doch womöglich schafft es Trump doch, diesen Anteil erheblich zu verkleinern. Den Immigranten, auch den legalen, ist dieses Thema wichtig.

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