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Manipulierte Wolken : Die Stunde der Regenmacher

Landwirtschaft im amerikanischen Bundesstaat Idaho Bild: AP

Schon seit Ende der 1940er Jahre werden in Amerika Wolken manipuliert, damit sie abregnen. Jüngste Forschungen bestätigen nun, dass es ziemlich gut funktionieren kann. Jetzt ist die Bahn frei fürs große Geschäft.

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          Im November 1946 entdeckte der autodidaktische Forscher Vincent Joseph Schaefer in einem Labor der Firma General Electric durch Zufall, wie man Wolken zum abschneien bringen könnte: Man musste nur unterkühlte Wassertropfen der Wolke mit Trockeneis in Verbindung bringen. Die Tropfen wandelten sich zu Eiskristallen, bildeten Schneeflocken und gingen nieder. Nach mehreren Labortests wagte Schaefer den großen Feldversuch. Ein Flugzeug impfte Wolken mit Trockeneis. Es wurde ein spektakulärer Erfolg. Aus dem ganzen Land erreichten den Forscher Briefe von Leuten, die mit seiner Methode Regen machen wollten.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Wenige Zeit später boten erste Unternehmen ihre Dienste an. Seit damals werden fast überall in der Welt Wolken manipuliert mit unterschiedlichen Zielen: Um Niederschlag zu provozieren, um schwere Hagelschauer zu verhindern oder um dafür zu sorgen, dass es an den wichtigsten Tagen des Jahres nicht regnet. Die Welt war 2008 Zeuge der olympischen Sommerspiele in Peking. Die Sonne lachte fast beständig über der chinesischen Hauptstadt. Dafür hatten Wolkenexperten gesorgt. Sie hatten die Regenwolken im Großraum Peking mit dem gelblichen Salz Silberjodid beschossen. Von Flugzeugen und Generatoren aus wurden die Wolken besprüht. Um die Silberjodidtröpfchen sammelte sich das Wasser in den Wolken. Sie wuchsen zu größeren Tropfen und fielen. Die Wolke regnete ab. Peking fing die Regenwolken ab und machte sie unschädlich, bevor sie die Olympiastadien benetzen konnten.

          In den Vereinigten Staaten werden allein in elf Bundesstaaten mit staatlichen und kommunalen Mitteln Wolken zum Abschneien oder Abregnen manipuliert. Aber auch Großbauern und die Betreiber von Skigebieten engagieren kommerzielle Dienstleister, um Regen oder Schnee zu bekommen.

          Bei alle der Erfahrung, die die Praktiker über die Jahrzehnte mit dem „Impfen“ der Wolken gemacht haben, blieb stets die Ungewissheit. Was bringen die Methoden wirklich? In North-Dakota hatte das Wolkenimpfen kritische Bauern auf den Plan gerufen, die den Regenmachern unterstellten, die Dürre zu verstärken. Es fehlte der physikalische Beweis, dass das Manipulieren der Wolken wirklich effektiv ist, es herrschte Unklarheit über die Wirkungskette.

          Doch die Zweifel sterben seit eine Gruppe der Universität von Boulder/Colorado um die deutsche Professorin und Wolkenexpertin Katja Friedrich die Ergebnisse eines aufwendigen Experiments in den Bergen im südwestlichen Teil des Bundesstaates Idaho veröffentlichte. Die Forscher warteten darauf, dass die Wolken standen. Dann schickten sie ein Flugzeug hoch, das Silberjodid auf Wolken abließ. Ein zweites Flugzeug maß den Effekt. Die Forscher sahen auf dem Radar, wie sich entlang der Fluglinie dickere Tropfen bildeten, die in der Verbindung mit dem Silberjodid zu Eiskristallen gefroren. Die Kristalle fügten sich zu Schneeflocken zusammen, die nach einigen Stunden herunterschneiten. Die Messungen zeichneten die ganze Wirkungskette nach, berichtete Katja Friedrich. „Wir haben gezeigt, dass es funktioniert“.

          Einer, der Interesse an diesen Ergebnissen hat, ist Shaun Parkinson, Meteorologe der Energiegesellschaft Idaho Power. Seine Firma hat das Experiment unterstützt. Das Unternehmen gewinnt knapp die Hälfte des Stroms aus Wasserkraft und deshalb ein kommerzielles Interesse daran, dass die Staubecken gut gefüllt sind. Nach einer langen trockenen Phase war ein Miteigentümer der Firma mit der Idee gekommen, Idaho Power solle nach dem Vorbild aus Kaliforniens Wolken manipulieren. Nach kleinen Anfängen 2003 hat Idaho Power drei Flugzeuge und 54 Generatoren im Gebirge, die Silberjodid in die Wolken schießen mit gutem Erfolg. Shaun Parkinson, der das Projekt leitet, kalkuliert, dass Idaho Power Dank des Wolkenimpfens jedes Jahr zwölf Prozent mehr Niederschlag hat. Das Programm kostet jährlich drei Millionen Dollar, doch der Staat und Landwirte, die auf Beregnung ihrer Felder angewiesen sind, tragen einen Teil.

          Das Interesse an der Technik wächst. Kein Wunder: „Der Mittlere Westen rennt von einer Dürre zur nächsten“, sagt die Professorin Friedrich. Doch wenn die Trockenheit erst einmal da ist, dann ist es zu spät. Wenn keine Wolken sind, kann man sie auch nicht stimulieren, sagt Sullivan. Die Methode diene eher dem langfristigen Wassermanagement: Man füllt die Reservoirs, wenn die Wolken es erlauben.

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