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Chinesisches Neujahrsfest : Die größte Völkerwanderung der Welt beginnt

Die Reisewelle zum bevorstehenden Frühlingsfest (Neujahrsfest) in China ist gigantisch. Bild: dpa

3 Milliarden Reisen machen die Chinesen während ihres Neujahrsfestes. Das erfordert eine logistische Meisterleistung.

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          In der Nacht zum Donnerstag ging es los. 342.000 Menschen verließen am ersten Tag der jährlich weltgrößten Völkerwanderung die drei größten Schanghaier Bahnhöfe – 70 Prozent mehr als an einem gewöhnlichen Werktag.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Erst am 16. Februar feiern die Chinesen ihren höchsten Feiertag im Jahr, das Frühlingsfest, bekannt auch als Chinesisches Neujahr. Dann beginnt nach dem Mondkalender das Jahr des Hunds.

          Nachhause zu ihren Familien fahren die Chinesen bereits jetzt, zwei Wochen zuvor. Die Bevölkerung in Chinas Millionenstädten ist entwurzelt. In Metropolen wie Schanghai sind 40 Prozent der Menschen Migranten, deren Angehörige oft weit entfernt in entlegenen Provinzen des riesigen Landes wohnen.

          282 Millionen beträgt die Zahl der Wanderarbeiter in China – jenen Menschen, die außerhalb des Bezirks, in dem sie registriert sind (der so genannte Hukou), einer Arbeit nachgehen. Dazu kommen noch einmal Dutzender Millionen Menschen, die zwar einen Hukou in Städten wie Peking besitzen, deren Familie aber trotzdem andernorts in China lebt.

          Sie alle wollen oder müssen in den Wochen um das Neujahrsfest daheim bei der Familie sein, schließlich sehen viele Eltern unter den Wanderarbeitern selbst ihre eigenen Kinder nur ein einziges Mal im Jahr. Diese wachsen nicht selten fast ihre gesamte Kindheit und Jugend bei den Großeltern auf, mitunter auch völlig allein. Kehren Vater und/oder Mutter über das Neujahrsfest heim, bleiben sie zum Teil einen ganzen Monat – und kehren in vielen Fällen danach gar nicht mehr in die glitzernden Städte an Chinas Ostküste zurück, deren Straßen während der Festtage wie leergefegt sind. Dann müssen sich dort Restaurants, Friseursalons, Hotels und Baustellenbetreiber neue Arbeitskräfte suchen.

          In diesem Jahr erwartet Chinas oberste Wirtschaftsplanungsbehörde, die Nationale Reform- und Entwicklungskommission (NDRC), 3 Milliarden Reisen zwischen der Zeit vom 1. Februar bis 12. März. Das entspricht etwa dem Ausmaß vom vergangenen Jahr. Bis zu 1330 zusätzliche Züge täglich werden nach Angabe des staatlichen Eisenbahnbetreibers China Railway Corporation eingesetzt, ein Plus von über einem Drittel.

          In jeder Nacht fahren 177 zusätzliche Hochgeschwindigkeitszüge, die 100.000 Menschen zusätzlich transportieren. Ob das reicht, die Nachfrage zu befriedigen, ist zweifelhaft: bereits jetzt sind die Züge fast komplett ausverkauft, die Preise für Tickets schießen in die Höhe.

          Das gilt noch mehr für Flugtickets, obwohl die Zahl der täglichen Flüge von 14.500 nach Angaben der Flugaufsicht auf rund 45.000 verdreifacht wird. Auch Fahrdienstleister wie Didi Chuxing, bei denen sich unterschiedliche Fahrgäste ein Auto teilen, verzeichnen einen Ansturm: 33 Millionen Kunden werden mit dem Dienst vor und nach den Festtagen in die Heimat und wieder zurück zur Arbeitsstätte fahren, erwartet das Unternehmen, drei Mal so viel wie in beiden Vorjahren zusammengerechnet.

          Busse allerdings bleiben nach wie vor das beliebteste Transportmittel – denn es ist das mit Abstand günstigste in China. Vier von fünf der reisenden Chinesen machen sich damit auf die oft lange Reise in die Heimat – und stehen manchmal tagelang im Stau.

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