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Braiding : Die Freiheit des Haare-Flechtens

Braiding steht für uralte afrikanische Methoden des Haare-Flechtens, nicht nur bei Menschen. Bild: dpa

Braiding steht für uralte afrikanische Methoden des Haare-Flechtens. In Amerika sind die  Haarkünstler zu einem Lehrstück über freies Unternehmertum geworden.

          Achan Agit flüchtete aus dem Sudan im Jahr 2001. Sie fand Aufnahme in den Vereinigten Staaten. In Kansas City, Missouri, begann sie in einem Friseursalon die Haare der afro-amerikanischen Kunden kunstvoll zu flechten. Braiding heißt die Methode, die in Afrika eine mehrere tausend Jahre alte Geschichte hat. Die Kunst wird dort von Generation zu Generation mündlich weiter gegeben.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Achan Agit war schon als Fünfjährige in das Braiding eingewiesen worden. Als sie in Kansas City  genug Englisch gelernt hatte, sah sie die Chance, einen eigenen Braiding-Salon zu eröffnen. Sie sparte Geld und zog nach Iowa, um den Plan in die Tat umzusetzen. Dort musste sie feststellen, dass die Regierung des Bundesstaates  Braiding-Salons nur lizenzierte, wenn die Kandidatin zuvor für rund 22.000 Dollar 2100 Stunden an einer Kosmetik-Schule absolvierte und ein Examen bestanden hatte.

          Die Absurdität dieser Auflage ist offenkundig. Denn die Kosmetikschulen lehren kein Braiding. Und mit Kosmetik hat die Dienstleistung wenig zu tun. Denn beim Braiding wird keine Chemie verwendet, und auch keine Schere. Die Haare werden noch nicht einmal gewaschen. Es ist reines afrikanisches Kunsthandwerk am Haar.

          Schwere Existenzgründung

          Achan Agit deklarierte ihren Salon als Einzelhandelsgeschäft, begann aber trotzdem Haare zu flechten. Später arbeitete sie von zuhause aus in ständiger Sorge vor den Behörden. Achin Agit ist kein Einzelfall. Nach letzten Angaben der Nichtregierungsorganisation „Institute of Justice“ haben noch 21 Bundesstaaten vergleichbare Auflagen für die Unternehmensgründung, weitere zehn  Bundesstaaten  machen eine Geschäftsgründung nur unerheblich leichter.

          Amerikas Ökonomen zermartern sich seit einiger Zeit den Kopf darüber, warum die amerikanische Wirtschaft nach der schweren Krise von 2008 so schwer in Schwung gekommen ist. Eine Erklärung lautet, dass der Staat den Bürgern die Existenzgründung erschwert durch  Auflagen. Das bereits genannte „Institute of Justice“ hat im Jahr 2012 eine Studie vorgelegt, der zufolge im Jahr 1950 lediglich einer von 20 amerikanischen Beschäftigten eine staatliche Lizenz für seine Tätigkeit brauchte, heute sind sechs von 20.

          Hindernis Berufslizenz

          Viele Studien zeigen, dass die Lizenzen nicht zu einer erhöhten Qualität der Produkte und Dienstleistungen führten: Die Verbraucher zahlten mehr Geld ohne zu profitieren. Die volkswirtschaftliche Abteilung des Weißen Hauses schätzt, dass 1100 Berufe mindestens in einem Bundesstaat eine Lizenz als Voraussetzung der Ausübung haben, aber nur 60 Berufe in sämtlichen Bundesstaaten reglementiert sind. Nur ein Bundesstaat verlangt etwa eine Lizenz für Floristen, ohne dass die Blumengebinde in den anderen Bundesstaaten auf den Hund gekommen wären. Fitnesstrainer, Tiermasseure, Inneneinrichter, Fremdenführer und selbst Leute, die anderen dabei helfen, eine Berufslizenz zu ergattern, benötigen ein Lizenz.

          Die Unterschiede zwischen den Bundesstaaten erschwert die Berufsausübung für eine Gruppe ganz besonders: die Militärangehörigen. Sie müssen häufig mit ihren Partnern im Militärdienst umziehen. Ein Drittel von ihnen ist nach Schätzungen des Weißen Hauses in reglementierten Berufen beschäftigt. Jedes Mal, wenn die Soldatenfamilien den Bundesstaat wechseln, droht eine neue teure bürokratische Prozedur zu Anerkennung der Lizenz. Michelle Obama, die Frau des Präsidenten hat sich dieses Problems angenommen und fordert die Bundesstaaten auf, die Anerkennung von Arbeitserlaubnissen zu erleichtern.

          Auch an anderen Fronten gibt es Fortschritte. Iowas Gouverneur hat kürzlich ein Gesetz unterzeichnet, das in Zukunft Haarkünstler wie Achan Agit ohne Lizenz arbeiten lässt. Sie ließ daraufhin eine Klage, zu der sie vom „Institute of Justice“ ermuntert worden war, fallen. Einen ähnlichen Erfolg hat die Organisation mit Klienten in Mississippi erzielt. Dort half der Hinweis, dass Tätowierer, die naturgemäß mit Blut, Nadeln und chemischen Substanzen operieren,  unbehelligt wirken durften. Der Versuch der texanischen Regierung Augenbrauenzupfern das Berufsleben mit hohen Auflagen zu erschweren, wurde vom Obersten Gericht des Bundesstaates  beendet.      

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