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Reiches Indien : Schöner Wohnen in Indien

Mukesch Ambanis Wohnturm „Antilia“ in Mumbai Bild: AFP

Viele Inder leben auf der Straße. Zwei aber besitzen Häuser, die zu den fünf teuersten der Welt zählen. Durch den Aktienboom haben die Milliardäre nun seit Freitag viel gewonnen. Sie können die Bäder neu kacheln lassen.

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          Mehr als 800 Millionen Inder wohnen in Hütten, hausen in Slums, schlafen auf der Straße. Hunderte von Millionen haben keinen Stromanschluss, kein frisches Wasser, keine Toilette. Einigen im Volk der 1,2 Milliarden Menschen allerdings geht es besser. Deutlich besser.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          So besitzt der reichste Mann Indiens, der Erbe und Industriemilliardär Mukesh Ambani weiterhin das teuerste Haus der Welt. Der Miteigentümer und Vorsitzende des Verwaltungsrates des Konglomerates Reliance Industries hat sich in Bombay (Mumbai) den Wohnturm Antilia bauen lassen. Charmanterweise steht der genau dort, wo Ambani einst in vergleichsweise kleinen Verhältnissen aufgewachsen ist. Der Blick aus einem der 27 Stockwerke fällt in die eine Richtung auf das Meer. In die andere kann man über die bunten Dächer und Plastikplanen des Slums Dharavi hinwegschauen.

          Der Bau von Antilia hat geschätzt zwischen 1 und 2 Milliarden Dollar gekostet. Dafür hat Ambani einiges bekommen: Der Wohnturm hat sechs Parkdecks, drei Hubschrauberlandeflächen – die so umstritten waren, dass die Stadtregierung sie lange nicht zur Benutzung frei gegeben hat – und braucht angeblich 600 Mitarbeiter, um am Laufen gehalten zu werden. Das amerikanische Wirtschaftsmagazin „Forbes“ vergleicht Antilia mit dem Neubau des World Trade Centers in New York: Die Nummer 7 dort besitzt 52 Stockwerke, eine Geschossfläche, die viermal so groß ist wie diejenige, auf der Ambani lebt, und hat 2 Milliarden Dollar gekostet. Sollte sich der indische Milliardär von seinen amerikanischen Architekten über’s Ohr haben hauen lassen?

          Stahlbaron kauft Ecclestone

          Auch die Nummer zwei der reichen Inder spart nicht, wenn es um’s Wohnen geht. Vielleicht, weil auch Stahlbaron Lakshmi Mittal aus kleinen Verhältnissen stammt und sehr groß geworden ist. Lage, Lage Lage zählt auch für Milliardäre. Seine beiden Villen in Londons „Milliardärs-Zeile“ liegen an Stelle fünf und 18 der teuersten Häuser der Welt. Allerdings will Mittal angeblich eines der beiden Refugien losschlagen: 2008 hatte er die Immobilie in Kensington Palace Gardens für umgerechnet 222 Millionen Dollar vom Hedge-Fund-Milliardär Noam Gottesman erworben.

          Dagegen war Villa Nummer zwei ein Schnäppchen: Mittal kaufte sie 2004 für 90 Millionen Dollar von Formel-1-Impressario Bernie Ecclestone. Der braucht auf längere Zeit sowieso keine Bleibe mehr, wenn die Richter ihn bald hinter Schwedische Gardinen ziehen lassen. Weil er so günstig kaufte, ließ Mittal es danach so richtig krachen: Für viele Millionen renovierte er das Ex-Ecclestone-Anwesen und stattete die Bäder unter anderem mit dem gleichen Marmor aus, der schon für den Bau des Taj Mahal im indischen Agra genutzt wurde. Es sei ihm gegönnt – besteht Mittals Welt ja sonst fast nur aus Stahl. Praktischerweise kam mit dem Marmor aus Indien zugleich der passende Name auf: Taj Mittal wurde die Villa getauft. Das klingt doch anders als Antilia!

          Angeblich wohnt Ambani übrigens gar nicht gerne in seinem Turm, denn der habe das falsche Karma. Möglicherweise aber kann er das ändern: Denn seit Freitag ist wieder Geld in der Kasse, um beispielsweise den gleichen Marmor zu bestellen, den schon Freund Mittal kaufte. In der Hoffnung, Ambanis Reliance-Konzern werde extrem von einem Wahlsieg Narendra Modis in Indien profitieren, hat die Aktie in der Börsenrallye seit vergangenem Freitag fast 10 Prozent an Wert gewonnen. Das macht für die Ambani-Familie einen Zuwachs von knapp 129 Milliarden Rupien oder 1,6 Milliarden Euro aus. Da geht doch noch was.

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