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Knappe Diamanten : Der Klunker wird teuer

Eine Diamantenmine von Rio Tinto in Canada Bild: dpa

Die Preise für Diamanten dürften deutlich zulegen. Die Nachfrage steigt in unsicheren Zeiten, die Vorkommen aber werden dünner.

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          Wachsende Engpässen bei der Förderung von Diamanten lassen deren Preise mittelfristig steigen. Weil die Betreiber von Diamantenminen über lange Jahre praktisch keine neuen Lagerstätten mehr fanden, bemühen sie sich, das Letzte aus den vorhandenen Bergwerken herauszuholen. Das aber wird immer schwieriger und damit teurer. Ab 2019 dürfte die Versorgung mit Diamanten schwinden, warnen Analysten. Damit erwartet die Branche steigende Preise.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Weltweit steigt die Nachfrage nach Edlem. Dazu trägt die Versorgung mit billigem Geld rund um die Erde genauso bei wie die Kaufkraft einer wachsenden Mittelschicht in Ländern wie China oder Indien. Deren Ansprüche steigen, ihr Einkommen steigt ebenso. Ist die Grundversorgung gesichert, das Auto gekauft, die Immobilie angezahlt, fließt Geld in Schmuck, der eine langfristige Perspektive bietet. Zugleich gelten Diamanten in Zeiten wachsender Unsicherheiten in China und Indien auch als relativ wertbeständige Anlage. In dieser Woche legten schon die Goldpreise wieder deutlich zu, weil die Krim- und die Ukraine-Krise Anleger in sicher erscheinende Werte treibt.

          Erste Versteigerungen von Diamanten in diesem Jahr sprechen eine deutliche Sprache. Der australisch-britische Rohstoffriese Rio Tinto hielt Auktionen in Antwerpen und in Israel ab. Beide schlossen mit Rekordergebnissen ab. „Wir sind wirklich hochzufrieden mit den Geboten, der weltweiten Herkunft der Bieter und dem Endergebnis. Es zeigt die starke Nachfrage“, sagt Patrick Coppens, Verkaufschef der Diamantensparte bei Rio Tinto.

          Immer mehr Minen untertage

          Analysten schätzen, die weltweite Ausbeute der Förderer werde in diesem Jahr noch um rund 3 Prozent auf 135 Millionen Karat im Gesamtwert von knapp 18 Milliarden Dollar zulegen. „Die weiterhin starke Nachfrage nach Diamanten in Amerika, und wachsender Appetit für diese Edelsteine in China und Indien treffen auf rückläufige Vorräte rund um die Welt und nur noch kleine Minen, die ausgehoben werden. Das dürfte eine deutlich sichtbare Lücke zwischen dem weltweiten Angebot und der Nachfrage ergeben, die wiederum zu wahrscheinlich starken Preisanstiegen ab 2018 führen wird“, warnt die Unternehmenesberatung Bain & Company jedoch schon heute. Ab 2019 erwartet Bain eine um jährlich 1,9 Prozent fallende Förderung. Hat sie den Vorhersagen nach knapp 170 Millionen Karat im Jahr 2018 erreicht, sinkt sie dann auf nur noch 153 Millionen Karat 2023. Die Nachfrage dürfte dagegen im Durchschnitt Jahr für Jahr um gut 5 Prozent zulegen.

          Die Bergwerke reagieren schon. Bislang werden Diamanten rund um die Welt vor allem im Tagebau gehoben. Mehr und mehr Minen aber sehen sich nun gezwungen, Stollen anzulegen, um den Aushub zu beschleunigen. Seit 1990 ist kein führendes Diamantenvorkommen mehr geöffnet worden. Die weltweit rund 30 arbeitenden Minen bleiben allmählich hinter den Hoffnungen zurück. Der Diamantenhändler DeBeers schätzt, dass allenfalls ein Prozent aller Suchen zu einem ertragreichen Vorkommen führt. „Ohne große neue Entdeckungen von Lagerstätten, dabei  konfrontiert mit den technischen und finanziellen Herausforderungen für neue Minen, wird die Versorgung in den nächsten Jahren unter Druck geraten“, warnt Olya Linde, Diamantenfachmann von Bain.

          Die neue Technik untertage ist wesentlich teurer als der Tagebau. Die Umwandlung der Bergwerke kostet Jahre. Noch ist auch völlig offen, ob sie größere Funde hervorbringt. Da die Finanzierung zugleich immer schwieriger wird, sitzen die Minenbetreiber in der Klemme. „Die Minen rund um die Erde werden immer älter und damit immer weniger produktiv. Wir müssen uns etwas Neues einfallen lassen, nur um allein den derzeitigen Produktionswert aufrecht zu erhalten“, sagt Stephen Lesser von DeBeers.

          Die Spirale, die nun in Gang kommt, wird auch durch die Vorsicht der Händler getrieben. Sie sehen sich angesichts der Gerüchte um die Engpässe gezwungen, derzeit wahrscheinlich noch preiswert gekaufte Diamanten zu horten. Das allein aber treibt die Preise in dem sehr schmalen Markt dann schon voran – und scheint die Prognosen nur zu bestätigen.

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