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Space X : Der zerplatzte Traum vom Internet für alle

Eine Space X Falcon 9-Rakete beim Start. Bild: AFP

Eine Explosion in Cap Caneveral bringt Mark Zuckerbergs schönsten Pläne durcheinander.

          2 Min.

          Mit der Falcon 9-Rakete der Firma SpaceX ist auch der Plan explodiert, die afrikanischen Staaten südlich der Sahara demnächst ins Internet zu bringen. Hinter der großen Idee steckt Facebook-Chefs und Gründer Mark Zuckerberg. Er hatte vor knapp drei Jahren die Initiative Internet.org ins Leben gerufen mit dem ambitionierten Ziel, der ganzen Menschheit Zugang zum Internet zu verschaffen. Zu diesem Zweck wurde  Space X, das Raumfahrtunternehmen des Tesla-Gründers Elon Musk, mit dem Auftrag betraut, den rund 95 Millionen Dollar teuren Satelliten in All zu transportieren. Es war der erste Satellit, den Facebook für diesen Zweck hatte entwickeln lassen.   

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Am Donnerstag um 9.07 Uhr in Cap Caneveral platzte der Traum. Die Rakete des Typs Falcon 9 explodierte bei einem Testlauf der Triebwerke. Die Explosion erschütterte meilenweit entfernte Gebäude, der dunkle Rauch wurde in vielen Kilometer Entfernung gesehen und war selbst auf Radarbilder sichtbar. Verletzt wurde nach Angaben von Space X niemand. Die regionalen Rettungsbehörden hatten schnell Entwarnung gegeben: Gefahr für die Menschen in der Umgebung habe nicht bestanden.

          Die Explosion zerstörte auch die Dramaturgie der privaten Reiseplanung des Mark Zuckerbergs. Der hatte sich in der vorherigen Woche den Segen vom Papst abgeholt, ihm eine Drohne geschenkt und ist nun in Afrika unterwegs, unter anderem, um den Start des Satelliten ins All mit afrikanische Politikern und Unternehmern zu zelebrieren. Der Flug ins All war für Samstag terminiert.

          Der Unternehmer postete auf Facebook, er sei zutiefst enttäuscht, dass das Scheitern des Raketenstarts „unseren Satelliten zerstört hat, der so vielen Entrepreneuren und dem Rest des Kontinents Anschluss gebracht hätte.

          Die von Zuckerberg vor zwei Jahren ins Leben gerufene Organisation Internet.org hat das ambitionierte Ziel, jene zwei Drittel der Weltbevölkerung ins Netz zu bringen, die noch keinen Zugang habe. Erste Versuche in Indien waren an politischen und rechtlichen Hindernissen gescheitert.

          Im aktuellen Projekt ist die französische Firma Eutelsat Partner von Facebook und damit ebenfalls Leidtragende des Fehlversuchs. Sie wollte den Satelliten für ihre Breitbandstrategie in Afrika nutzen und prognostiziert jetzt Einnahmeeinbußen in Höhe von bis zu 50 Millionen Dollar binnen der nächsten drei Geschäftsjahre.

          Die finanziellen Verluste durch die Explosion halten sich insofern in Grenzen, als das Ladegut in der Regel versichert ist. Für Space X wird es vermutlich trotzdem teuer, denn, wie aus der Website für Falcon 9 hervor geht, kostet der Service, Fracht oder einen Satelliten in All zu bringen, 62 Millionen Dollar, deren Zahlung hinfällig sein dürfte. Unklar ist, wie hoch die Rakete versichert ist. Auf jeden Fall war der Donnerstag für Elon Musk, auch finanziell betrachtet, ein wirklich mieser Tag. Denn ebenfalls gestern gingen die Kurse seiner Beteiligungsunternehmen Tesla und Solarcity, die er zu fusionieren trachtet, nach unten und Finanzmarktregulierer erließen die Auflage, dass er Teile seiner Aktien im Wert von 440 Millionen Dollar zu Sicherheit für private Kredite hinterlegen muss. Bloomberg bezifferte den Verlust für Musk auf 770 Millionen Dollar binnen 48 Stunden.                 

          Der Grund für die Explosion wird noch erforscht. Sie ereignete sich an einem Sauerstofftank, als die Rakete mit Treibstoff befüllt wurde. Falcon 9 –Raketen sind schon häufig ins All geflogen, mit Satelliten oder Material für die Internationale Raumstation. Das erklärte und von der amerikanischen Raumfahrtbehörde abgesegnete Ziel der Firma ist es, Menschen ins All zu bringen. Nun ist aber in Frage gestellt, ob Space X überhaupt seine nächsten Lieferaufträge erledigen kann. Denn das Kran-ähnliche Stahlgerüst, das die Raketen beim Flug ins All stützt, sah auf Fernsehbildern schwer verbogen aus. Und natürlich muss erst einmal geklärt werden, wo der Fehler liegt: In der Rakete oder in der Abschussrampe. In der Fehlersuche hat Space X Erfahrung. Nach vielen erfolgreichen Flügen war im Juni vergangenen Jahres eine Rakete zerbrochen.         

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