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Großer Einfluss : Der Mann, vor dem Amerikas Handelspartner Angst haben

Der amerikanische Handelsbeauftragte Robert Lighthizer Bild: dpa

Donald Trumps Unterhändler für den Welthandel teilt dessen Überzeugungen, versteht allerdings sehr viel von der Materie.

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          Der Mann, den Präsident Donald Trump auserkoren hat, den Welthandel aus den Angeln zu heben, heißt Robert Lighthizer. Er ist als Leiter von US Trade Amerikas Chefunterhändler im Ministerrang und für alle Fragen des internationalen Handels zuständig. Aktuell nimmt der 70-jährige am Ministertreffen der Welthandelsorganisation WTO in Buenos Aires teil. Seinen Amtskollegen hat er schon einmal verdeutlicht, was er von der Organisation zur Regelung des internationalen Handels hält. Nicht viel. Die WTO verzettele sich in Rechtsstreitigkeiten, statt am Verhandlungstisch Fortschritte durchzusetzen. Zudem sei sie gegenüber reichen Schwellenländern zu nachgiebig, hat er öffentlich festgehalten. Das zielt auf China.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Im Weißen Haus hat Lighthizer inzwischen größten Einfluss gewonnen und Leichtgewichte wie den Ökonomieprofessor Peter Navarro aus Irvine/ Kalifornien marginalisiert. Auf Trumps Asienreise war er beständig an der Seite des Präsidenten, während der Chefberater für Wirtschaftsfragen, Gary Cohn, in Washington zurückbleiben musste, um sich der Steuerreform zu widmen.

          Schon unter Ronald Reagan Unterhändler

          Trump schätzt Insidern zufolge Lighthizers selbstbewusste, gelegentlich brüske Auftritte und die Tatsache, dass er sich von Schwergewichten des Weißen Hauses nicht einschüchtern lässt. Sehr hilfreich ist es, dass er Trumps Grundüberzeugung teilt: die Vereinigten Staaten haben sich über den Tisch haben ziehen lassen von ihren internationalen Handelspartnern und speziell von China mit verheerenden Wirkungen für die amerikanische Wirtschaft.

          Im Unterschied zum Präsidenten kennt er sich allerdings präzise in der Thematik aus. Er war schon unter Ronald Reagan Unterhändler für die großen Handelsthemen als zweiter Mann im US Trade Büro, danach arbeitete er 30 Jahr als Anwalt in internationalen Handelsfragen für Skadden, eine der renommiertesten Kanzleien auf dem Gebiet. Ein wichtiger Klient war das amerikanische Stahlkonsortium US Steel.

          Auf der von ihm autorisierten Website von US Trade heißt es, er sei als Anwalt bekannt für seinen Einsatz  für eine „America First“-Handelspolitik,  wie sie Präsident Donald Trump befürworte. Er habe in seiner Karriere Härte in der Durchsetzung amerikanischer Handelsgesetze gezeigt und sei für Amerikas Arbeiter, Landwirte, Industriebetriebe und Unternehmen. Er hat bei all seinem Patriotismus allerdings auch vor gut 25 Jahren eine chinesische Industriegruppe als Anwalt in einem Disput um Ventilatoren vertreten. Auch die brasilianische Regierung hat er einmal vertreten, als es um Ethanol-Importe ging.

          Über Anhänger des Freihandels pflegt Lighthizer sich lustig zu machen. Sie folgten utopischen Träumen und ihrem Ideal mit einer Passion, die den französischen Robespierre bedächtig aussehen lasse, schrieb er in einer elegant-polemischen Zeitungskolumne. Freihändler hätten China den Weg zur Supermacht gebahnt, sie sähen selbst Positives darin, wenn Amerika sich den Launen anti-amerikanischer Bürokraten der WTO beugen müsse. Er selbst nimmt das wachsende Handelsbilanzdefizit mit China als wichtigstes Argument, dass Amerika verliert. Das allerdings haben die meisten Ökonomen widerlegt oder relativiert.

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