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Nordasien : Der ewige Hass

Japans Selbstverteidigungsarmee Bild: AP

Chinesen und Japaner halten nichts voneinander. Die Mehrheit der Chinesen rechnet sogar mit einem Krieg. Die Vietnamesen hat noch keiner befragt.

          2 Min.

          Am Donnerstag sorgt eine Umfrage in Asien für Aufsehen: Die Mehrheit der Chinesen hält es für möglich, dass ihr Land mit Japan in einen Krieg eintreten werde. Auch 29 Prozent der Japaner erwarten eine militärische Auseinandersetzung. Schon seit längerem herrscht auch in Delhi die Sicht vor, ein nächster Krieg würde mit China um Wasserressourcen geführt. Während China und Indien aber gerade die Annäherung probieren (siehe die heutige Ausgabe der F.A.Z.), schaukelt sich der Konflikt zwischen Japan und China immer wieder hoch.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Der in beiden Länder geführten Erhebung zufolge erwarten 53,4 Prozent der Chinesen einen Krieg mit Japan. Mehr als ein Fünftel von ihnen rechnet damit in den nächsten Jahren. Die Befragung wurde erst kürzlich durchgeführt – auf japanischer Seite von der Nicht-Regierungsorganisation Genron, in China von der staatlichen Zeitung China Daily. Befragt wurden eintausend volljährige Japaner und 1539 Chinesen in fünf großen Städten.

          Die Meinungsforscher fragten auch das Bild des jeweils anderen Volkes ab: 93 Prozent der Japaner antworteten, sie hätten einen unvorteilhaften Eindruck von den Chinesen. Dies ist der höchste Wert seit Beginn der Umfrage 2005. Im vergangenen Jahr hatte der Wert noch bei 91 Prozent gelegen. Als Ursache nannten die Japaner, dass Chinas Handeln internationalen Gesetzen widerspreche. 53 Prozent störten sich an Chinas Vorpreschen, um „Rohstoffe, Energie und Lebensmittel zu sichern“. 52 Prozent an der Kritik der Chinesen am japanischen Umgang mit dem Zweiten Weltkrieg und gut 50 Prozent an den Inselstreitigkeiten im Südchinesischen Meer.

          Ähnlich, nur aus der anderen Blickrichtung, scheinen die Chinesen zu empfinden: Dort stören sich 64 Prozent der Befragten an der Übernahme der Diaoyu/Senkaku-Inseln durch die Japaner, knapp 60 Prozent kritisieren, die Japaner zeigten angesichts der Kriegsgräuel keine Reue.

          China Daily: Der Ball liegt im Feld der Japaner

          China Daily kommentierte die Ergebnisse als „besorgniserregend“. Das Staatsblatt appellierte an die Politiker, ein Spitzentreffen abzuhalten, um die „sich verschlechternden Beziehungen umzukehren“. Allerdings liege „der Ball im Feld Japans“ – der erste Schritt müsse von den Japanern kommen: „Herr Abe muss den chinesischen Führern mit Taten zeigen, dass er es ernst meint, die Beziehungen zu verbessern“, fordert die Zeitung mit Blick auf den japanischen Ministerpräsidenten. Der hatte erst in der vergangenen Woche eine große Nähe zu Indiens Ministerpräsidenten Narendra Modi zur Schau gestellt, den wiederum Chinas Präsident Xi Jinping in der nächsten Woche in Delhi besuchen wird.

          Die schlechte Stimmung zwischen den beiden größten Wirtschaftsmächten Asiens ist nicht auf sie beschränkt. Vietnam beschwert sich, dass vietnamesische Fischer abermals von Chinesen behindert und geschlagen worden seien. Die Vorfälle hätten sich wieder vor den Paracel-Inseln im Südchinesischen Meer zugetragen, die beiden Länder beanspruchen. Peking wies – wie stets – die Vorwürfe zurück.

          Der bisherige Höhepunkt der Auseinandersetzungen der beiden Nachbarländer folgte auf das Ausbringen einer chinesischen Ölbohrinsel in den umstrittenen Gewässern im Mai. Proteste in Vietnam gegen China gerieten daraufhin außer Kontrolle und führten zur Zerstörung zahlreicher Fabriken in Vietnam, die die Demonstranten als chinesische Investitionen betrachteten. Drei Chinesen starben bei den Unruhen, hunderte von Fabriken wurden verwüstet. Im Juli zogen die Chinesen die Plattform ab. China hatte die Paracel-Inseln in einem kurzen Konflikt 1974 von Südvietnam erobert.

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