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Dekadenz : Komatrinken in China

Bild: AFP

Die Führung in Peking bekämpft Verschwendung und Ausschweifungen. Doch nicht alle halten sich daran. Im Südosten des Landes haben sich auf einem Bankett zwei Kader zu Tode getrunken.

          2 Min.

          In einer seiner ersten Amtshandlungen hat Chinas Partei- und Staatschef Xi Jinping der Prasserei in den eigenen Reihen den Kampf angesagt. Es müsse Schluss sein mit exzessiven Gelagen, mit übertriebenen Geschenken, mit unnötigen Anschaffungen und Reisen auf Kosten der Partei oder des Staates, verfügte er. Denn sonst litten nicht nur die öffentlichen Kassen, sondern auch die ohnehin angeschlagene Glaubwürdigkeit des Systems.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Milliarden Yuan sind seitdem eingespart worden, Tausende Personen, die gegen die neue Linie verstießen, wurden verwarnt, entlassen, festgesetzt. Ganze Branchen wie die Luxusgastronomie oder die Hersteller teurer Schnäpse müssen schwere Rückgänge verkraften. Einige Fachleute führen sogar die Abschwächung des gesamten Wirtschaftswachstums auf Xis Kampagne zum Maßhalten zurück.

          Im Großen und Ganzen mag der Vorstoß fruchten, aber nach wie vor schlagen einige Kader über die Stränge. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua erst jetzt bekanntgab, sind im Sommer innerhalb weniger Woche in der Südostprovinz Fujian zwei Offizielle gestorben, weil sie das Feiern auf Staatskosten übertrieben hatten.

          Alkoholvergiftung am Banketttisch

          Ihre Vorgesetzten wurden deshalb kürzlich entlassen: zum einen der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Sanming, Chen Ruixi, zum anderen der Präsident einer lokalen Staatsbank, Lei Yansheng.

          Mitte August habe Lei einige Bankkunden zu einem Bankett eingeladen, „das mit öffentlichen Geldern bezahlt worden war und wo einer seiner Mitarbeiter plötzlich nach dem Trinken verstarb“, heißt es in der Meldung.

          Etwa drei Wochen später sei Vizebürgermeister Chen von einem Unternehmen zum Abendessen eingeladen worden, bei dem sich sein Untergebener zu Tode trank. Chen habe man entlassen müssen, weil er „einen schädigenden Einfluss auf die Gesellschaft ausübt“ und  – ganz konkret –, „weil er den Tod eines Kaders durch Alkoholvergiftung verursacht hat“.

          Diese Kausalität, ursächlich für die Tragödie verantwortlich zu sein, wird auch Lei unterstellt. Vermutlich bleibt es deshalb nicht bei den Untersuchungen der Disziplinarkommission der Kommunistischen Partei, es dürfte auch ein Strafverfahren folgen.

          China wendet Milliarden-Ausfall in letzter Minute ab

          Zu feiern gibt es derzeit wenig in China und Asien, jedenfalls für Anleger. Die Aktienkurse in Schanghai und Shenzhen fallen heute weiter, weil die Gewinne der Industrieunternehmen geringer steigen als erwartet. In Hongkong treten die Kurse auf der Stelle, die anderen Märkte Asiens notieren uneinheitlich.

          In China kommen Unsicherheiten über das Schattenbankenwesen hinzu. In einer Art Notoperation haben staatliche Stellen den  Ausfall eines Treuhandfonds (Trusts) in letzter Minute abgewendet. Das China Credit Trust Co. genannte Finanzprodukt hatte die Staatsbank ICBC, das größte Geldhaus der Welt, an Kunden durchgeleitet und verkauft.

          Als der Fonds drohte, eine Rückzahlungsfrist nicht einzuhalten, hatte sich die Bank gegenüber den Gläubigern zunächst für nicht zuständig erklärt. Dadurch bestand die Gefahr, dass die 3 Milliarden Yuan (360 Millionen Euro) umfassende Anlage notleidend hätte werden können. Das wurde jetzt abgewendet: Investoren können der neuesten Entwicklung zufolge über die ICBC ihre ursprüngliche Anlagesumme an nicht genannte Interessenten weiterverkaufen.

          Möglicherweise verbirgt sich hinter den Aufkäufern der Staat, der vermeiden will, dass am Markt für hochverzinsliche, aber intransparente und schlecht abgesicherte Investments eine Panik ausbricht. Denn Turbulenzen hier hätten ungeahnte Folgen für die chinesische Stabilität: Die Kredithöhe am Grauen Kapitalmarkt soll inzwischen die der Banken übertreffen.

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