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Debatte Trump gegen Clinton : Hält China seine Währung künstlich niedrig?

Jeden Morgen legt die nicht politisch unabhängige Zentralbank in Peking den Referenzkurs des Yuan zum Dollar fest. Bild: dpa

In der Fernsehdebatte zur Wahl in Amerika behauptet Donald Trump, China manipuliere seine Währung, um seinen Exporten zu helfen. Mit dieser Klage ist der Kandidat etwas spät dran.

          China hat in der gerade zu Ende gegangenen ersten Fernsehdebatte zwischen den Kandidaten für die amerikanische Präsidentschaftswahl eine bedeutende Rolle gespielt. „Unsere Jobs verlassen unser Land“, mit diesem Satz eröffnete Donald Trump sein Eingangsstatement, und schoss sich danach unmittelbar auf ein Land ein, das er während seines gesamten Wahlkampfes von Anfang an als Hauptverantwortlichen für die Probleme der amerikanischen Wirtschaft gemacht hat: „Schauen Sie sich an, was China unserem Land antut. Sie werten ihre Währung ab, und niemand in unserer Regierung kämpft dagegen an. Sie benutzen unser Land als Sparschwein, um China wieder aufzubauen.“

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Der entscheidende Grund, warum in den vergangenen Jahren viele Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe in Amerika verloren gegangen sind, ist laut Trump also die Abwertung der chinesischen Währung Renminbi, die auch Yuan genannt wird. Trump nennt China nicht explizit einen „Währungsmanipulator“, impliziert aber, dass China sich wie ein solcher verhalte: den Wert seiner Währung mithilfe von groß angelegten Yuan-Verkäufen gegenüber dem Dollar zu schwächen, um damit die Exportprodukte der heimischen Industrie auf dem Weltmarkt günstiger zu machen und so das heimische Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Trifft diese Behauptung Donald Trumps zu?

          Dass China seine Währung manipuliert, steht außer Zweifel. Jeden Morgen legt die nicht politisch unabhängige Zentralbank in Peking den Referenzkurs des Yuan zum Dollar fest. Die Zentralbanker behaupten, seit Ende vergangenen Jahres spielten dabei neben dem Dollar auch der Stand anderer Währungen eine Rolle, zum Beispiel der Euro. Auch richte man sich danach, was der „Markt“ am Vortag „gefordert“ habe: weil der Yuan-Kurs jeden Tag um eine Bandbreite von zwei Prozent im Plus- oder Minusbereich schwanken darf, sendet der Markt damit ein „Signal“, was Peking gelobt, am kommenden Morgen bei seinem „Fix“ des Yuan zu berücksichtigen. Damit will die chinesische Regierung der Welt signalisieren, dass es grundsätzlich bereit ist, seine Währung zu liberalisieren, was eine Voraussetzung dafür war, dass der Yuan mit Beginn des kommenden Oktobers an in den Korb der Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds aufgenommen wird und in der Folge als offizielle Reservewährung gilt.

          Überraschende Währungsabwertung im August

          Die Frage, die sich der Kritik Donald Trumps an Chinas Währungspolitik anschließt, dreht sich also weniger darum, ob China den Yuan manipuliert. Vielmehr geht es darum, ob es den Yuan tatsächlich künstlich niedrig hält, wie Trump behauptet, um chinesische Exportprodukte günstiger zu machen.

          Tatsächlich hat die chinesische Notenbank im August des vergangenen Jahres eine überraschende Währungsabwertung von ungefähr drei Prozent vorgenommen. Der Schritt wurde erst nach einer Weile begründet: damit, dass man jetzt mehr auf den „Markt“ hören wolle, der eben nach einer Abwertung verlange, weil es Chinas Wirtschaft längst nicht mehr so gut geht wie in früheren Jahren. Seit dem überraschenden Abwertungsschritt, der weltweit die Finanzmärkte in Turbulenzen geführt hatte, geht der Vorwurf der künstlichen Währungsabwertung an China allerdings fehl: Peking verkauft nicht etwa große Mengen Yuan, um dessen Wert zu drücken. Es tut das Gegenteil: es verkauft Dollar, um den Yuan vor einem weiteren Fall zu bewahren.

          Gegenüber dem Stand vor einem Jahr notiert der Yuan derzeit nur 2,6 Prozent niedriger gegenüber dem Dollar. Die chinesische Exportwirtschaft verzeichnet derzeit so heftige Einbrüche, dass die Währung eigentlich noch viel stärker hätte fallen müssen, würde allein der Markt ihren Wert bestimmen. Dass der Yuan nicht niedriger notiert, hat allein damit zu tun, dass die Pekinger Zentralbank nicht Yuan verkauft, sondern gekauft hat – mithilfe ihrer Reserven an Dollar, die in der Folge heftig geschrumpft sind. Innerhalb eines Jahres sind Chinas Fremdwährungsreserven um 10,5 Prozent zurückgegangen und liegen nun bei rund 3,2 Billionen Dollar. 

          Währungsabflüsse aus China verzeichnen historische Höchststände

          Dass China den Verfall seiner Währung aufhält, hat weniger mit Sympathie für die amerikanische Wirtschaft zu tun. Vielmehr will Peking verhindern, dass noch mehr Kapital aus dem Land fließt, wenn chinesische Unternehmer und reiche Privatleute befürchten müssen, dass der Wert ihrer in Yuan gehaltenen Vermögen sinkt, wenn die Währung weiter stark abwertet. In den vergangenen zwölf Monaten haben die Währungsabflüsse aus China historische Höchststände erreicht. Auf die vergangenen zwei Jahren hat die Pekinger Zentralbank sogar ungefähr ein Viertel ihrer Fremdwährungsreserven verbraucht, um den Yuan stabil zu halten.

          Dass China seine Währung nicht künstlich länger niedrig hält, hat im April auch das amerikanische Finanzministerium offiziell anerkannt. Wie in früheren Jahren nennt es Peking in seinen Berichten nicht explizit einen „Währungsmanipulator“, was Sanktionen gegen China ermöglicht hätte. In der Dekade zwischen 2005 und 2014 hat die Pekinger Zentralbank den Yuan sogar aufwerten lassen, wenngleich viele Beobachter meinen, die Aufwertungsschritte hätten auch ein wenig größer ausfallen dürfen angesichts der rasanten Geschwindigkeit, mit der die chinesische Wirtschaft in diesem Zeitraum gewachsen ist. Zwar wertete der Yuan gegenüber dem Dollar von 2005 bis 2008 um ein Fünftel auf. Der chinesische Außenhandelsüberschuss allerdings verdreifachte sich in diesem Zeitraum. Wer will, kann dies in der Tat als Währungsmanipulation ansehen, die es China ermöglicht hat, zur größten Exportwirtschaft der Welt aufzusteigen, was in der Tat amerikanische Arbeitsplätze gekostet hat. Heute ist Chinas Exportwirtschaft im Abstieg begriffen.

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