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Öffentliche Gesundheit : Das süße Amerika

Amerikaner konsumieren im Schnitt 30 Teelöffel Zucker mit den ganz alltäglichen Nahrungsmitteln aus dem Supermarkt. Bild: Reuters

Amerikaner essen zu viel Zucker. Das sagen die Wissenschaftler seit Jahren. Jetzt steht es erstmals konkret in einem Regierungsbericht. Die Industrie ist sauer.

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          Die amerikanische Regierung hat vor wenigen Tage auf 559 Seiten Ernährungsrichtlinien veröffentlicht, die den Amerikanern Hinweise zum gesunden Essen geben sollen.  Das macht sie alle fünf Jahre. Normalbürger nehmen sie nicht weiter zur Kenntnis. Relevanz bekommen sie aber, weil viele Schulen angehalten sind, sie zu befolgen. Viele junge Amerikaner bekommen inzwischen nicht nur das Mittagessen von der Schule, sondern auch Frühstück und kleine Zwischenmahlzeiten.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Die Richtlinien sind nicht die Quintessenz dessen, was die amerikanischen Spitzenforscher über gesunde Ernährung sagen. Sie sind, wie der Mediziner David Katz von der Yale Universität es formuliert, das, was Politiker den Bürgern von den  Erkenntnissen der Wissenschaft mitteilen wollen.  Katz  formuliert es noch schärfer: Es sind Richtlinien, in denen die öffentliche Gesundheit und die Interessen der Ernährungsindustrie ausbalanciert würden.

          Das erklärt eine gewisse Vagheit der Richtlinien. Doch diesmal wurden sie in einem zentralen Aspekt ziemlich konkret. Die Amerikaner sollen nicht mehr als zehn Prozent ihrer Kalorien in Form von Zucker aufnehmen, sagen die Autoren.  Dem gerecht zu werden, ist eine echte Herausforderungen in den Vereinigten Staaten. Ein Amerikaner, der nicht mehr als 2000 Kalorien am Tag zu sich nehmen will, dürfte umgerechnet 12 Teelöffel Zucker zu sich nehmen. Amerikaner konsumieren aber im Schnitt 30 Teelöffel Zucker, den sie nicht  als Pulver aufnehmen, sondern mit den ganz alltäglichen Nahrungsmitteln.

          Nicht nur die üblichen verdächtigen Lebensmittel wie Süßigkeiten, Kuchen oder Cola enthalten Zucker, hier steckt Zucker in den Frühstücksflocken, im Vollkornbrot, in Salatdressings und selbst in sauren Gurkengläsern. In Bohnengerichten findet sich Zucker, in den meisten Würsten, im Frühstücksschinken und in vielen Snacks, die Amerikaner ihren Kindern als Pausenbrotersatz mitgeben.  Fertiggerichte ohne Zucker sind selten zu finden in Amerikas Supermärkten.

          Der Zucker, der hier vor allem Verwendung findet, ist der so genannten High Fructose Cornsyrup, ein aus Mais gewonnener Fruchtzucker. Er hat den klassischen Rohr- und Rübenzucker zurückgedrängt, selbst die amerikanische Coca Cola wird mit diesem Fruchtzucker gesüßt. Ein Grund zur Entwarnung ist das nicht: Viele Wissenschaftler halten ihn noch gefährlicher als klassischen Zucker für die Gesundheit.

          Zur Allgegenwärtigkeit des Zuckers gesellt sich die gelegentlich hohe Dosis. In einer klassischen Cola-Dose stecken zehn Löffel Zucker, womit der gesunde Tagesbedarf gedeckt ist. Der Interessenverband der Zuckerindustrie hat die Richtlinien-Empfehlung Zucker auf zehn Prozent des täglichen Kalorienbedarfs zu beschränken als unwissenschaftlich zurückgewiesen. Sein Wort hatte bisher Gewicht in Washington. Die verschiedenen Lobbyorganisationen der Zuckerwirtschaft gehören laut der Lobby-Watch-Organisation Open Secret zu den wichtigsten Geldgebern der politischen Parteien und einzelner Politiker. Für dieses Jahr kommen schon drei Millionen Dollar zusammen.

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