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Streit um Rauchverbot : Das Raucherparadies Japan ist nicht mehr

Japan streitet um ein weitgehendes Rauchverbot. Bild: dpa

Japan streitet um ein weitgehendes Rauchverbot, um bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio die Touristen nicht zu verschrecken. Doch die regierenden Liberaldemokraten setzen auf eine freiheitliche Lösung.

          Japan galt einst als ein Paradies für Raucher. Diese Zeiten sind vorbei. In Tokio und in anderen Städten gibt es Rauchverbote auf der Straße, auch die Zahl der Raucherecken wird weniger. An der bei vielen Jugendlichen und Touristen beliebten großen Kreuzung in Shibuya gab es vor einigen Wochen Ärger, weil die mit hohen Schutzwänden abgetrennte Raucherzone nahe der Hachiko-Hundestatue auf einen weniger prominenten Platz an einer anderen Seite des Shibuya-Bahnhofs verlegt wurde. Klagen wurden laut, dass viele Jugendliche immer noch an dem alten Platz zur Zigarette griffen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Zahl der Raucher nimmt dabei seit Jahren ab. In den Medien wurde gerade eine neue Umfrage des Gesundheitsministerium bejubelt, wonach erstmals mit 19,8 Prozent weniger als 20 Prozent der Japaner regelmäßig zur Zigarette greifen.

          Das Land hat ein gespaltenes Verhältnis zum Nikotin. Das Gesundheitsministerium ficht dafür, das Rauchen einzuschränken. Das Finanzministerium dagegen profitiert von den Steuern auf Tabak. Vom Preis eines Päckchen Zigaretten für 440 Yen oder umgerechnet 3,5 Euro gehen 277 Yen oder 63 Prozent in die Staatskassen. Mehr als 2 Billionen Yen (16 Milliarden Euro) im Jahr streicht Finanzminister Taro Aso durch die Tabaksteuern im Jahr ein und darüber hinaus hält der Staat immer noch ein Drittel an Japan Tobacco - 32 Jahre nach der scheinbaren Privatisierung.

          Wirte fürchten Einbußen bei ihren Umsätzen

          Wie bei vielen politischen Vorhaben sollen nun die Olympischen Spiele in Tokio 2020 herhalten, um noch mehr Japaner vom Rauchen abzubringen und um das Passivrauchen einzuschränken. Das Gesundheitsministerium will zuvor ein generelles Rauchverbot in fast allen geschlossenen Räumen mit Ausnahme von privaten Wohnungen erreichen. Erst unter starkem Protest erklärte das Ministerium sich bereit, für kleine Bars eine Ausnahme machen zu wollen.

          Wirte und Gastronomieverbände stehen dennoch auf den Barrikaden und fürchten Einbußen bei ihren Umsätzen. Dabei finden sie große Unterstützung in der größten Regierungspartei der Liberaldemokraten (LDP). Rund 70 Prozent der LDP-Abgeordneten sind gegen das Rauchverbot. Die Liberaldemokraten plädieren für eine freiheitliche Lösung, nach der Bar und Restaurant nur verpflichtet werden sollen, am Eingang anzuzeigen, ob die Raucher- oder Nichtraucherlokale sind. Der Widerstand der LDP hat erst einmal dazu geführt, dass der Gesetzentwurf des Gesundheitsministeriums auf Eis liegt.

          Schon jetzt haben viele Cafés oft mit Glaswänden abgetrennte Bereiche eingerichtet, in denen geraucht werden darf, ohne die restliche Kundschaft zu belästigen. Diese freiwillige Lösung funktioniert eigentlich recht gut. In den beliebten Izakayas aber, der Mischung aus Bar und Restaurant, darf oft geraucht werden. Das führt zum Teil dazu, dass Raucher von der Straße in eine Bar gehen müssen, um rauchen zu dürfen. Oft genug sieht man aber zunehmend auch Raucher vor den Restauranteingängen herumstehen. Ein Gesetz gegen Passivrauchen fordert Restaurants und Unternehmen unverbindlich auf, Kunden und Arbeiter zu schützen.

          Japans Finanzminister Taro Aso, den die Tabaksteuereinnahmen erfreuen, ist ein bekennender und genießender Raucher. Der 76 Jahre alte LDP-Politiker lässt sich den Mund nicht verbieten und ist so immer wieder für eine öffentliche Aufregung gut. Aufsehen erregte seine Bemerkung, dass der Zusammenhang zwischen Nikotin und Lungenkrebs zu bezweifeln sei. Doch das Gesundheitsministerium veranschlagt die Zahl der Nikotintoten in Japan auf etwa 15.000 im Jahr. Ihnen gilt womöglich die andere Weisheit, die Aso einmal verkündigte. Danach würden die Gesundheitskosten deutlich denken, wenn die alten Leute sich einfach beeilen und sterben würden.

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