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Amerikas Steuerzahler : Das neue Steuersparmodell heißt Alpaka

Bild: ZB

Wer hätte das gedacht. Das Andenkamel erlebt eine Blüte in Amerika. Aber nicht wegen der Wolle.

          2 Min.

          Es ist Steuersaison in den Vereinigten Staaten. Die Steuerzahler sind gereizt. Bis zum 18. April müssen die Steuererklärungen abgeben sein. Das ist ein schöner Moment für Politiker, über Steuer zu reden. Der besorgte Senator Jeff Flake aus Arizona nahm deshalb den nahenden Termin zum Anlass, um über eine schwere Bedrohung für die öffentlichen Haushalte zu berichten: Alpakas.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Das sind domestizierte Kamele aus den Anden, die überwiegend der Wolle wegen gehalten werden. Knapp vier Millionen davon werden in Peru gehalten. Doch inzwischen finden sie auch in den Vereinigten Staaten reißenden Absatz. Aber nicht, wie Flake warnend hervorhebt, weil die Alpaka-Wolle eine Blüte in Amerika erführe. Nein, die Tiere sind nach Flakes Darstellung plumpe Steuersparmodelle.  

          Gewappnet mit ein paar buchhalterischen Kniffen wandelt der stolze Hausbesitzer sein Eigenheim steuerlich in eine Farm, in dem er ein Alpaka auf seinen Rasen stellt, den er dann besser Weide taufte, um die steuerlich relevante kommerzielle Komponente des Grünlands herauszustreichen. Durch Metamorphose wird der Gartenzaun ebenso wie Zuwege und Bewässerungssysteme fiskalisch relevant . Selbst die Lohnkosten für den Mann, der vom Rasen mäht, was das Alpaka nicht schafft, senken die Steuern.     

          Weil Besitzer für landwirtschaftliche Immobilien in einigen Regionen viel weniger Grundsteuern zahlen als für klassische Eigenheime, lohnt sich die Anschaffung doppelt. Das Alpaka, von schwärmerische Züchtern auch „Juwel der Anden“ genannt, hat den weiteren Vorzug, dass es so genügsam ist. Es braucht nicht viel. Sonst hätte es in den kargen Anden auch nicht lange Freude gehabt. Ein bisschen Gras, ein wenig Wasser und vielleicht ein Unterstand, in dem es nicht zu sehr zieht. Das ist es im Grunde schon. Außerdem sind Alpakas freundlich, gelehrsam und spucken seltener als generell vermutet. Man sieht es vorher, wenn sie ihr Kinn heben und ihre Ohren flach legen.

          Steuerliche Privilegien für Tierhalter

          Um kleine Unternehmer zu stützen, erlaubt der amerikanische Fiskus Komplettabschreibungen von Investitionsgütern. Wer also Alpakas für 10.000 Dollar kauft und gewöhnlich 33 Prozent seiner Nettoeinkünfte an Fiskus abführt, spart 3333 Dollar. Später verkauft man das Tier und es gibt steuerliche Privilegien für Tierhalter, die den Verkaufserlös steuerfrei stellen. Flake zitiert Berichte, denen zufolge Leute Alpakas kaufen, diese bei der Herde des Verkäufers lassen und nach längerer Zeit wieder verkaufen.     

          Alpaka-Züchter-Organisationen selbst begründen den Alpaka-Boom in den Vereinigten Staaten mit steuerlichen Anreizen. Flake zitiert aus einer Werbebroschüre mit der Überschrift: Lass Onkel Sam dir Alpakas kaufen. Der Senator schätzt, dass es 154.000 Alpakas in den Vereinigten Staaten gibt. Nicht viel im Vergleich zu acht Milliarden Hühnern, die jährlich in den Vereinigten Staaten vertilgt werden, aber doch beachtlich im Vergleich zu den achtziger Jahren, als man sie höchstens in Zoos antraf, um sie sogleich wieder zu vergessen. Denn viel machen sie nicht her.

          Flake hat den Verdacht, dass Steuern als Kaufargument auch deshalb so herausgestrichen werden, weil die Absatzkanäle für die Alpakawolle unterentwickelt scheint. Und gegessen werden Alpakas hierzulande nicht.

          In Washington wird unterdessen spekuliert, dass Präsident Donald Trump seine große Steuerreform erst einmal zurückgezogen hat, um sich weiter mit Fachleuten zu beraten. Alpakas haben dabei keine Rolle gespielt, wissen wir aus gesicherter Quelle.           

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