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Ungleiche Verteilung : Das große Geld im College Football

Es geht um Millionen im amerikanischen College Football - aber nicht alle Beteiligten bekommen etwas vom großen Kuchen ab. Bild: AFP

Die wichtigsten Sportartikelhersteller haben alle mehrjährige Verträge in dreistelligen Millionenhöhe mit amerikanischen Universitätsmannschaften. Erstaunlich ist, wer das große Geld verdient und wer sogar leer ausgeht.

          Jüngst wurde bekannt, dass die amerikanische Sportartikelfirma Nike ihren Sponsoring-Vertrag mit der Ohio State Universität und speziell dem Buckeyes genannten Footballteam  um 15 Jahre verlängert hat. Dafür bezahlt Nike  252 Millionen Dollar in Sachwerten und in Bargeld (103 Millionen). Das ist viel Geld für das Universitätssports-Team einer öffentlichen Hochschule. Der Nike-Deal ist nur ein Einzelbeispiel. Die drei wichtigsten  Sportartikelhersteller Nike, Adidas und Under Armour haben alle mehrjährige Verträge in dreistelligen Millionenhöhe mit Universitätsmannschaften.            

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Und es sind bei weitern nicht die einzigen Einnahmen, die die Footballer für ihre Hochschulen einspielen. Der Fernsehsender ESPN zahlt dem Ligabetreiber die jährliche Summe von 470 Millionen Dollar, die nach einem Schlüssel auf die College-Clubs verteilt werden. So bekamen die beiden in dieser Woche zum großen Liga Finale angetretenen Clubs aus Alabama und Clemson je sechs Millionen Dollar von ihrer Liga für die außergewöhnliche Leistung, es bis ins Finale geschafft zu haben. Es ist der Lohn harter Arbeit.

          So ist es nicht verwunderlich, dass die Trainer und ihre Assistenten gut bezahlt werden. Sie werden allerdings sehr, sehr gut bezahlt für Universitätsangestellte: Der Cheftrainer vom im jüngsten Finale siegreichen Alabama Crimson Tide-Team verdient im Jahr etwas mehr als sieben Millionen Dollar, der Fitness-Coach streicht 600.000 Dollar ein. Die zehn bestverdienenden Footballtrainer an Universitäten verdienen laut einer Zusammenstellung von USA Today zwischen vier und sieben Millionen Dollar im Jahr. Auch für die Koordinatoren der Liga NCAA, die Dank des Footballs jedes Jahr eine Milliarde Dollar einnimmt, werden hohe Bezüge vermeldet. Eine einzige Gruppe aber arbeitet unentgeltlich: Die Spieler.

          Für sie gilt die Fiktion, dass sie aus reiner Liebe zum Sport und zur Ehre ihrer Alma Mater ihre Knochen hinhalten, was im Football im wahren Wortsinn gilt.  Spieleragent Donald Yee, dessen Agentur unter anderem Superstar Tom Brady vertritt, wird noch etwas konkreter: Im großen Ausmaß bringen junge schwarze Männer das Geld für die Liga und die Hochschulen herein. Sie stellen 6 von zehn College-Footballspielern. Die Mitglieder der Trainerteams und der Ligaadministration sind  überwiegend weiß.   Wer im College-Sport bezahlt wird, ist, so Yee, in der Regel weiß. Die Ungerechtigkeit, dass die Erbringer der Leistungen nicht entgolten werden, hat nach Yees Ansicht eine rassische Dimension.

          Eine Minderheit der Spieler schafft es in die Profiligen, die sich aus den Hochschulen die Talente holen. Dann werden auch sie reich. Eine große Mehrheit aber schafft es nicht. Zwar profitieren  viele schwarze Spieler von Stipendien, die ihnen Zutritt zu den oft teuren Colleges verschaffen. Doch die Vorteile bleiben oft theoretischer Natur. Von den Athleten wird verlangt, dass sie ihr Studium dem Training unterordnen. Sie werden laut Yee genötigt, interdisziplinäre Fächer zu nehmen. Die Stipendien hängen nicht von akademischen Leistungen ab, sondern von den Cheftrainern.

          Der Staragent Yee glaubt, dass das in seinen Augen höchst ungerechte System nur deshalb besteht, weil die Spieler ihre Machtposition nicht ausnutzen. Dass sie Macht haben, daran kann kein Zweifel bestehen: An der Universität von Missouri war es zu Protesten gekommen. Studenten wehrten sich gegen die angeblich rassistische Universitätsleitung. Als das Football-Team in den Streik trat, trat der Universitätspräsident zurück.

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