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Kreditkrise möglich : Chinas Zentralbank warnt vor Schulden

Der Chef der chinesischen Notenbank, Zhou Xiaochuan. Bild: EPA

Besonders Unternehmen hätten zu viele Kredite aufgenommen, sagt Chinas Zentralbankgouverneur Zhou Xiaochuan. Was bedeutet das für chinesische Investoren wie Deutsche-Bank-Aktionär HNA?

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          Am Rande des Treffens von Weltbank und Internationalem Währungsfonds hat der chinesische Zentralbankgouverneur Zhou Xiaochuan am Sonntag vor Chinas hoher Verschuldung gewarnt. „Das Hauptproblem ist, dass die Unternehmensschulden zu hoch sind“, sagte Zhou auf einer Veranstaltung, an der auch die Vorsitzende der amerikanischen Notenbank Federal Reserve und Japans Notenbankchef Haruhiko Kuroda teilnahmen.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          China müsse weitere Anstrengungen unternehmen, den Schuldenberg abzubauen und die Stabilität des Finanzsystems zu wahren, sagte Zhou. Währungsfonds und Weltbank hatten ebenso wie Rating-Agenturen in diesem Jahr wiederholt gewarnt, die hohe Gesamtverschuldung Chinas könne zu einer Finanzkrise führen. Sollten Kredite ausfallen, könne das einen Dominoeffekt haben.

          Am Mittwoch beginnt in Peking zum 19. Mal der alle fünf Jahre stattfindende Kongress der Kommunistischen Partei. Auf diesem will sich Parteichef und Präsident Xi Jinping als mächtiger und erfolgreicher Herrscher präsentieren, der alles im Griff hat – natürlich auch die Lage der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft.

          Zu viel Kredite an schwachbrüstige Staatsbetriebe

          Vor diesem Hintergrund bemühte sich in Person von Zhou die Zentralbank, die wie praktisch alle Institutionen in China Teil der Regierung ist, trotz Schuldenwarnung dennoch ein insgesamt versöhnliches Bild der Finanzstabilität im Heimatland zu geben.

          So habe Chinas Gesamtverschuldung im laufenden Jahr zum ersten Mal seit langer Zeit abgenommen, so Zhou. „Auch wenn es nur ein moderater Rückgang ist, hat der Trend doch gedreht.“ Diesem Befund zum Trotz warnte er dennoch weiter vor der Verschuldung der chinesischen Lokalregierungen, die über die Staatsbanken weiter Kredite in massiver Höhe an Staatskonzerne ausreichten, die nur geringe oder gar keine Gewinne erzielten. Diese zahlen aber hohe Steuern und halten Wirtschaftswachstum und Beschäftigung hoch.

          Privatunternehmen im Fokus der Regierung

          Tatsächlich hat Staats- und Parteichef Xi im Sommer persönlich in einer Konferenz zur Stabilität des Finanzsystems den Schuldenabbau verordnet. Dieser trifft allerdings bisher vornehmlich Unternehmen. Vor allem auf die hohen Investitionen privater Konzerne im Ausland hat es die chinesische Regierung abgesehen. Neben dem Unterhaltungs- und Immobilienkonzern Wanda, dem Beteiligungsunternehmen Fosun und dem Versicherer Anbang ist auch der einst als Fluglinie gestartete Mischkonzern HNA ins Visier der Regulatoren geraten.

          HNA ist mit einem Anteil von knapp 10 Prozent größter Aktionär der Deutschen Bank. In den vergangenen Monaten wurde immer öfter die finanzielle Stabilität des Unternehmens in Frage gestellt. Kritiker halten diesem auch eine intransparente Eigentümerstruktur vor. Deutsche-Bank-Vorstandschef John Cryan hat sich nach Aussage der Bank seit dem Einstieg der Chinesen bis heute nicht mit seinem größten Anteilseigner getroffen, was in Frankfurt und China für viele Irritationen gesorgt hat.

          DT. BANK

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          Chinas Regierung hat alle Macht, HNA im eigenen Land die Kredithähne zuzudrehen. Es gibt viele Anzeichen, dass Peking die Beteiligung an deutschen Banken nicht als primäres Ziel von Chinas Industrie- und Investitionspolitik ansieht und sich lieber auf den Kauf etwa von deutscher Technik im Bereich der vernetzten Industrieautomation konzentriert (Industrie 4.0). 

          In der vergangenen Woche hatte sich dies in einem weiteren Rückschlag für HNA in China gezeigt: Die Pekinger Versicherungsaufsicht untersagte der HNA-Tochtergesellschaft Bohai Life, in den kommenden sechs Monaten dem Mutterkonzern in jedweder Form Finanzhilfen zu zahlen.

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