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Milliarden-Investitionen nötig : Chinas Kampf um saubere Luft

Chinas Bevölkerung trägt oft Masken in den Städten um sich vor Schadstoffen zu schützen Bild: AP

Die Luft in chinesischen Städten ist so dreckig wie selten. Die Bevölkerung setzt nun die Regierung unter Druck. Doch diese steckt in einem Dilemma: Tauscht sie Wachstum gegen bessere Luft?

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          200 Millionen Menschen haben jüngst in China im Internet eine Filmdokumentation über die Gefahren der hohen Umweltbelastung im Land angeschaut. „Under the dome“ heißt die 104 Minuten lange Anklage von Politik und Wirtschaft, die eine ehemalige Moderatorin des Staatsfernsehens CCTV namens Chai Jing nach eigenen Angaben selbst finanziert hat, aus Sorge um die Gesundheit ihres ungeborenen Kinds.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Für die Frage, ob den chinesischen Bürgern eine starke Wirtschaft wichtiger ist mit vielen Arbeitsplätzen, die Jahr für Jahr beträchtliche Gehaltssteigerungen aufwachsen, oder ob ihnen die Gesundheit ihrer Kinder und ihr eigenes Wohlergehen angesichts der grauen Himmel über Peking und Schanghai mehr am Herzen liegt, ist es unerheblich, ob die Fernsehmoderatorin den Film wirklich auf eigene Faust erstellt hat oder im Auftrag bestimmter Interessensgruppen in der Pekinger Regierung gehandelt hat. 200 Millionen Zuschauer sind 200 Millionen Zuschauer, und zusammen mit der Tatsache, dass die Behörden den Film wenige Tage nach Erscheinen gleich wieder verboten haben, lässt den Schluss zu: Chinas kaputte Umwelt ist die momentan größte Sorge der Bürger – und weil das die Regierung ängstigt, ist sie zum Handeln gezwungen.

          Als Anfang vergangenen März ganz China über die Umweltdokumentation sprach und den Mut der Autorin lobte, gab es jedoch auch bereits die ersten Stimmen, die warnten, wolle das Land den selbst erklärten „Krieg gegen die Umweltverschmutzung“ ernsthaft führen, komme dieser wie alle Kriege zu einem Preis. „Die Industrie zu reinigen, wird für die Chinesen teuer“, sagte damals der international renommierte Energieökonom Lin Boqiang von der Universität Xiamen. In der Folge kämen auf die Bürger ohne jeden Zweifel Mehrbelastungen zu – ob diese bereit seien, höhere Kosten zu zahlen in Form höherer Energiepreise und möglicherweise zumindest vorübergehend niedrigerem Wirtschaftswachstum, weil die Industrie auf die billige Kohleenergie verzichten muss, sei nicht sicher.

          Warnstufe Orange : Luftverschmutzung in Peking immer schlimmer

          Die Zahlen gehen auseinander...

          Jetzt hat die Zentralbank in Peking, die Teil der Regierung ist und weisungsgebunden, erstmals einen Preis für den Kampf gegen die Umweltbelastung genannt, und er ist höher als erwartet: 2 Billionen Yuan (300 Milliarden Euro) pro Jahr müsse China in den kommenden fünf Jahren ausgeben, um die Ziele zur Reduzierung der Umweltbelastung zu erreichen, die das Pekinger Umweltministerium ausgegeben hat, schreibt die Zentralbank in einem Bericht, also 10 Billionen Yuan insgesamt. Das ist weit mehr, als bisher geschätzt wurde: Ende 2013 hatte die Akademie für Umweltplanung die Kosten auf gerade mal 1,75 Billionen Yuan taxiert (262 Milliarden Euro) – allerdings nicht pro Jahr, sondern gestreckt auf 4 Jahre.

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