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Wachstumssorgen : Chinas Industrie verliert Schwung

Bild: dpa

China macht der Welt Sorgen. Denn das Wirtschaftswachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt verliert an Zugkraft. Hilft die Zentralbank ein weiteres Mal?

          Die Aktivität der Hersteller in China verlangsamt sich überraschend. Mehrere Erhebungen weisen darauf hin, dass die Industrie in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt nicht mehr die Dynamik der vergangenen Monate besitzt. Die Folgen der Einschätzung erreichten am Donnerstagmorgen schnell die ganze Welt: Der Außenwert des australische Dollars sank am Mittag in Sydney um einen halben amerikanischen Cent. Australien ist der wichtigste Lieferant Chinas für Rohstoffe wie Erz oder Kohle. Auch die Kurse der Aktien in China und der Außenwert des Yuan gaben nach. Der Shanghai Composite Index gab zum Mittag in China 0,9 Prozent nach. Der Regionalindex MSCI Asia Pacific büßte in Tokio 0,4 Prozent ein.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Der Index der Einkaufsmanager (PMI), den die Bank HSBC und Markit Economics erheben, fiel nach einer vorläufigen Einschätzung im August auf 50,3. Im Juli hatte er noch mit 51,7 auf dem höchsten Stand in eineinhalb Jahren notiert. Bei Umfragen hatten Analysten auch für den August mit Werte gut jenseits der 51 gerechnet. Jeder Wert oberhalb der 50 steht für weiteres Wachstum. Bei einem Wert unter der Schallmauer schrumpft die Industrie.

          So niedrig wie heute notierte der PMI zuletzt im Mai dieses Jahres. Auch ein eigener Index, der die Aufträge misst, fiel. Er notiert im August mit 51,3 auf dem tiefsten Stand in einem Vierteljahr. Andere Indikatoren wie die Kreditvergabe, der Ausstoß der Industrie und die Investitionen deuten ebenfalls auf eine schwächere Konjunktur hin. Auch der Grad der Beschäftigung fiel schneller als noch im Juli. Auf diesen Gradmesser schaut Peking besonders genau aus Furcht vor sozialen Verwerfungen.

          Deshalb spekulierten erste Analysten am Donnerstagmorgen in Asien nun über weitere Konjunkturspritzen der chinesischen Zentralbank. Damit wolle die Regierung die Wirtschaft anheizen, die angepeilte Wachstumsrate von 7,5 Prozent und einen weitgehend stabilen Arbeitsmarkt in diesem Jahr sichern. „Die Daten zeigen, dass sich die Volkswirtschaft weiter erholt, aber die Erholung verliert an Kraft. Wir denken, dass mehr Unterstützung notwendig ist, um die Erholung widerstandsfähig zu machen“, sagte Qu Hongbin, China-Volkswirt bei der Bank HSBC.

          Jian Chang von der Bank Barclays verwies auf das Dilemma der Regierung: „Angesichts der Korrektur im Immobilienmarkt und Unsicherheiten im Export glauben wir weiterhin, dass die Regierung einen Ausgleich finden muss zwischen dem Tolerieren niedrigerer Wachstumsraten und weiteren Konjunkturhilfen.“ Die Regierung in Peking hatte vergangene Woche erklärt: „Chinas wirtschaftliche Lage verbessert sich alle in allem, aber es bleiben noch viele Unsicherheitsfaktoren und die Risiken bleiben relativ hoch.“

          Auch wenn vieles auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik hinweist, warnen einige vor diesem Schritt: Ratingagenturen haben gerade darauf hingewiesen, dass billigeres Geld die Blase am Häusermarkt nur weiter anheizen werde. Goldman Sachs hatte am Donnerstag gewarnt: „Eine weitere Lockerung würde schrittweise immer weniger bringen, aber auf Kosten der finanziellen Stabilität kommen. Wir erwarten keine großflächige Lockerung oder einen niedrigeren Leitzins in diesem Jahr.“

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