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Einfluss in Asien : Chinas bedrohliche Umarmung

Der chinesische Präsident Xi Jinping streckt den Arm weit nach Asien aus. Bild: dpa

Peking will möglichst weite Teile Asiens in den eigenen Einflussbereich integrieren. Der Mischung aus billigem Geld, Infrastrukturprojekten und diplomatischen Offerten kann sich kaum ein Land entziehen. Ein Überblick.

          3 Min.

          Mit aller Macht treibt China seinen Vorstoß in Asien voran. Rückschläge, wie die Prüfung chinesischer Projekte durch die neue Regierung in Sri Lanka oder das kühlere Klima in Burma (Myanmar), scheinen die Chinesen nur weiter anzutreiben.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Mehr und mehr schält sich ein deutliches Bild heraus: China versucht, möglichst weite Teile Asiens in den chinesischen Einflussbereich zu integrieren. Die Methoden dafür sind vielfältig: Sie reichen von der Inbesitznahme der Inseln im Südchinesischen Meer über den Bau von Infrastruktur in Indonesien, Thailand oder Pakistan oder Entwicklungshilfe etwa in Nepal bis zu multilateralen Ansätzen wie der Gründung der Asiatischen Infrastrukturbank (AIIB) oder dem Konzept der neuen Seidenstraße. Einzelprojekte werden über Staatsbanken finanziert, erfahrene staatliche Baukonzerne Chinas führen sie aus. Japan, Chinas wichtigstes Gegengewicht in Asien, hat dem trotz hoher Investitionen in den Nachbarländern wenig entgegenzusetzen.

          Schlaglichter dieser Tage erhellen den Ansatz Chinas:

          • In Pakistan wird Chinas Präsident Xi Jinping am Montag einen Plan im Volumen von 46 Milliarden Dollar zum Aufbau der Infrastruktur präsentieren. China will sich damit nicht nur den Zugang zum Arabischen Meer sichern, sondern auch Pakistan stabilisieren. Denn China fürchtet, das muslimische Unruheherde aus Pakistan und Afghanistan über seine Grenzen abstrahlen.
          • Bei seinem Besuch des Asien-Afrika-Gipfels in Indonesiens Hauptstadt Jakarta im Anschluss sucht Xi besonders die Nähe zum neuen indonesischen Präsidenten, Joko Widodo. Bei ihrem Treffen in Peking offerierten die Chinesen der größten Volkswirtschaft Südostasiens ein Investitionspaket über 63 Milliarden Dollar, vor allem in Infrastruktur. Dazu zählt auch der Bau einer Hochgeschwindigkeitsbahn zwischen Jakarta und Bandung. Gesichert wird dies überwiegend von chinesischen Staatsbanken, ausgeführt von chinesischen Baukonzernen.
          • Der von Amerika gesteuerte Widerstand gegen die chinesisch geführte AIIB ist längst zusammengeschmolzen. Asien kommt an einer Beteiligung genauso wenig herum wie die Länder Europas oder die klassischen Verbündeten Amerikas in der Pazifikregion wie Australien. Auf der anderen Seite nehmen sich die Chinesen heraus, Taiwans Beitrittsgesuch abzulehnen.
          • In der Nähe der Spratly-Inseln im Südchinesischen Meer baut China nun eine erste Landebahn. Sie soll lang genug sein, um Kampfflugzeuge, Transportmaschinen und Aufklärungsflugzeugen Start und Landung zu ermöglichen. Die Amerikaner fürchten nun, China werde Radar und Raketen auf den von ihm reklamierten Inseln stationieren, und daraufhin einseitig eine Luftverteidigungszone ausweisen, wie schon 2013 über dem Ostchinesischen Meer.
          • In Nepal wird die staatliche chinesische Three Gorges International Corp einen Staudamm bauen, dessen Kraftwerk am Seti Fluss 750 Megawatt Energie liefern soll. Das entspricht in etwa derjenigen Menge, die ein Kohlekraftwerk bringt, und reichte aus, um eine westliche Großstadt zu versorgen. In Planung ist auch der Bau einer Hochgeschwindigkeitsbahn vom chinesisch besetzten Tibet nach Nepal.
          • In Südostasiens zweitgrößter Volkswirtschaft, dem von Generälen geführten Thailand, bauen die Chinesen Hochgeschwindigkeitsbahnstrecken, die Südchina über Laos mit dem thailändischen Tiefseehafen Map Ta Phut in der Industriezone Rayong verbinden. Die Telefongesellschaft China Telecom beteiligt sich an thailändischen Telefonanbietern, der chinesische Volkswagenpartner SAIC will in Rayong Automobile der Marke MG für Südostasien bauen.

          Stück für Stück formt sich so ein Bild Asiens, in dem die Einflusszone Pekings bis in den Vorhof Arabiens reicht. Indien, Japan und Australien, die Philippinen und Vietnam wehren sich in unterschiedlichem Maße gegen die Mischung aus Umarmung und Bedrohung. Amerika als „Leitwolf“ mit großen Interessen in der Pazifikregion kommt kaum über deutliche Stellungnahmen hinaus und ist zunehmend im Präsidentschaftswahlkampf gefangen.

          Die  Ambivalenz der Länder der Region zeigt sich besonders am Beispiel Australiens: China ist der größte Handelspartner, der größte ausländische Investor und ein stabilisierender Faktor im heimischen Immobilienmarkt. Vor diesem Hintergrund fällt es Canberra zunehmend schwer, sich als traditioneller Bündnispartner Amerikas gegen den chinesischen Einfluss zu wehren. Spätestens im November dieses Jahres, beim Gipfel der Pazifikanrainerländer im philippinischen Manila, werden die Gegensätze offen zu Tage treten.

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