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Erholung setzt sich fort : China will die Börsenkurse steuern

Zum Wochenauftakt sind Chinas Börsenhändler entspannt, die Kursen steigen ein weiteres Mal wieder in die Höhe Bild: AP

Nach dem Chaos an den Aktienmärkten sucht China nach Schuldigen im In- und Ausland. Der Staat will einen Rettungsfonds einrichten, mit dem er dauerhaft in den Markt eingreifen kann.

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          Nachdem Chinas Regierung in der vergangenen Woche so heftig wie noch nie in den Aktienmarkt eingegriffen hat, steigen die Kurse am Montag weiter. Der Schanghaier Marktindex Composite legte am Vormittag chinesischer Zeit um 1,6 Prozent zu. Damit erholt sich der Index den dritten Handelstag nacheinander, nachdem bereits vergangenen Donnerstag und Freitag die Kurse wieder stark gestiegen waren, nachdem Chinas Regierung interveniert und unter anderem die Polizei zu Händlern geschickt hatte, die am Mittwoch noch auf fallende Kurse gewettet hatten.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Allerdings liefert der Index des Schanghaier Markts nach wie vor ein völlig verzerrtes Bild der Realität, weil nach wie vor 1045 Aktientitel vom Handel ausgeschlossen sind, 400 Aktien weniger als noch am Freitag. Die Staatspresse feiert jedoch die Erholung als „Beweis für die Überlegenheit unseres sozialistischen Systems“, wie das China Securities Journal schrieb.

          In China hat längst die Suche nach den „Schuldigen“ für das Börsendesaster begonnen, bei dem die Kurse bis Mitte Juni erst um 150 Prozent schnell angestiegen waren und dann ein Drittel ihres Werts verloren hatten, was auf dem Papier Kapital in Höhe von etwa 3 Billionen Euro vernichtet hatte. Neben den Leerverkäufern, für deren „bösartiges Verhalten“ bereits „Beweise“ vorliegen sollen, wie die Behörden am Sonntag mitteilten, hatte die Pekinger Börsenaufsicht – die selbst unter Druck steht – bereits zu Beginn der Krise die Bank Morgan Stanley als Verantwortliche für die Baisse ausgemacht, die ihren Kunden geraten hatte, China-Aktien zu verkaufen.

          Nun kommt in den Sozialen Medien des Landes zunehmend auch der Indexbetreiber MSCI unter Beschuss, der kurz vor Beginn der Baisse Anfang Juni wider Erwarten doch keine chinesischen Aktien in seinen Schwellenländerindex aufgenommen hatte. Der ehemalige Weltbank-Chef Robert Zoellick sagte am Sonntag bei einer Finanzmarktkonferenz in Schanghai, dass er es für sehr unwahrscheinlich halte, dass ausländische Kräfte hinter dem Platzen der Preisblase steckten angesichts der Tatsache, dass nur 1 bis 2 Prozent der Marktkapitalisierung der chinesischen Festlandsbörsen von Nicht-Chinesen gehalten werden.

          Grund für den Kurssturz seien vielmehr Panikverkäufe gewesen, so der frühere Weltbank-Präsident, der den Chinesen riet, ihre Kapitalmärkte in Zukunft stärker für ausländisches Kapital zu öffnen wie etwa amerikanische Pensionsfonds, die im Anlageverhalten rationaler agieren dürften als die Masse der chinesischen Kleinanleger, die im Rausch die Kurse vieler Aktien um 500 Prozent nach oben getrieben haben.

          Das dürfte allerdings ein frommer Wunsch bleiben: während Zoellick am Sonntag sprach, veröffentlichte die Börsenaufsicht in Peking den Plan für einen permanenten Rettungsfonds zur Steuerung der Börsenkurse durch Chinas Staat: dieser Fonds, zitiert die Zeitung „China Daily“ in ihrer Montagsausgabe Beamte der Börsenaufsicht, solle in den Markt eingreifen, wenn die Kurse „irrationales“ und „unvernünftige“ Bewegungen nach oben oder unten zeigten. Chinas Scheinparlament, der Nationale Volkskongress, soll das entsprechende Gesetz im Herbst verabschieden. Die Wahrscheinlichkeit freier Finanzmärkte in China wird kleiner.

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