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Sorge um Investitionen : China wendet sich gegen Grexit

Chinas Premierminister Li Keqiang: Friedenstifter für Europa? Bild: Reuters

Vor dem Referendum in Griechenland macht China Druck auf die Gläubiger: Das Land, das die Chinesen als Einfallstor nach Europa nutzen wollen, soll im Euro bleiben.

          Die chinesische Regierung hat weitere Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Gläubigern gefordert und betont, China wolle Griechenland weiter als Mitglied der Eurozone sehen. „Wir hoffen, dass die Gläubiger weiter mit Griechenland sprechen und versuchen so bald wie möglich eine angemessene Lösung der Krise zu erreichen“, sagte die Sprecherin des Außenministeriums am Mittwoch in Peking bei einer routinemäßig stattfindenden Pressekonferenz.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          China wolle eine geeinte Europäische Union und einen starken Euro. „Aus der Sicht Chinas hoffen wir, dass die EU und die Eurozone das Problem angemessen lösen und Griechenland in der Eurozone verbleiben kann“, sagte die Sprecherin. Dies entspreche den Interessen „aller Seiten“.

          Was für eine „konstruktive Rolle“?

          China werde dabei eine „konstruktive Rolle“ spielen. Das war auch die Aussage, die der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang vergangenen Montag bei einem Besuch in Brüssel gewählt hatte. Auf die Frage von Reportern, ob China etwa die griechischen Schulden direkt finanzieren wolle, hatte Li allgemein entgegnet, die Krise sei „im Prinzip eine innereuropäische Angelegenheit“.

          Die EU ist Chinas größter Handelspartner, umgekehrt rangiert das Reich der Mitte nach den Vereinigten Staaten an zweiter Stelle der wichtigsten Handelspartner der EU-Staaten. Künftig soll Europa in Chinas Vorhaben, die Schlagkraft der eigenen Wirtschaft stark zu erhöhen, eine noch weit größere Rolle spielen.

          „Unser Tor nach Europa“

          Griechenland steht dabei im Fokus. Die chinesische Staatsrederei Cosco hat im Hafen von Piräus zwei Containerterminals gepachtet und ist am Erwerb des Rests interessiert. Chinas Premier Li hat Griechenland „als unser Tor nach Europa“ bezeichnet; der Hafen, die Autobahnen und Eisenbahnstrecken sind wichtige Elemente in Chinas geplanter Wiederauflage einer maritimen „Seidenstraße“. Dieser Seeweg für Containerschiffe, beladen mit chinesischen Produkten aus Schanghai durch den Suez-Kanal nach Piräus, soll die zweigrößte Wirtschaft zur größten zu machen.

          Die jährlichen chinesischen Direktinvestitionen in EU-Staaten – worin sich etwa die Übernahme europäischer Unternehmen durch Chinesen ausdrückt – sind in der vergangenen Dekade von praktisch null auf 14 Milliarden Euro im Jahr 2014 gestiegen, wie eine Studie des Merics-Instituts zeigt. Und künftig will China in Europa noch viel mehr Kapital investieren.

          Kapital, aber kein Kredit, oder?

          Peking ist besorgt, dass die nicht enden wollende Krise in Griechenland diese Pläne und die bereits getätigten Investitionen beschädigen könnte. Die Staatszeitung „China Daily“ druckt in ihrer Donnerstagsausgabe eine Zeichnung von Premier Li, der einem leckgeschlagenen Boot mit den Schiffbrüchigen Jean-Claude Juncker und Alexis Tsipras Holzstücke zum Abdichten reicht. Das Blatt zitiert den Griechenland-Experten Chen Xin vom wichtigsten Think Tank Chinesische Akademie der Sozialwissenschaften, mit der Aussage, die chinesische Regierung könnte über den Internationalen Währungsfonds zusätzliches Kapital zur Rettung Griechenlands bereitstellen.

          Auf Rückfrage von FAZ.NET, ob es tatsächlich wahrscheinlich sei, dass China einspringe und Griechenland finanziere, verneint dies der Professor. Seine Aussage sei falsch dargestellt worden, er habe nur darauf hingewiesen, dass China im Jahr 2011 dem IWF zusätzliche Milliarden überwiesen habe, die indirekt auch an Griechenland geflossen seien. Deshalb sei China bereits an der Griechenland-Rettung beteiligt und habe Interesse an einem Verbleib des Landes im Euro.

          Es sei allerdings „noch zu früh“ darüber nachzudenken, ob China nun Milliarden an Griechenland indirekt oder direkt überweisen werde. Grundsätzlich habe sich an der Aussage des chinesischen Ministerpräsidenten vom Montag nichts geändert, wonach die Griechenland-Krise eine innereuropäische Angelegenheit sei.

          Und doch noch etwas Positives vom Grexit

          Die staatliche chinesische „Volkszeitung“, die als direktes Sprachrohr von Regierung und Kommunistischer Partei gilt, schreibt diesen Donnerstag in einem langen Leitartikel über die „Sorge des chinesischen Volks“, ein Grexit werde negative Auswirkungen auf Chinas Wirtschaft haben.

          Die Zeitung zitiert ebenfalls eine Reihe von chinesischen Politikwissenschaftlern und Ökonomen, die in Entgegnung zu dieser Sorge betonen, dass Griechenland bisher die „Schwäche der Eurozone“ darstelle und es „sehr wahrscheinlich sei“, dass das Land „die gesamte Eurozone herunterziehen“ werde, sollte sich Griechenland nicht reformieren. In der Folge könne auch die Weltwirtschaft leiden. Ein Grexit hingegen sei allerdings zu verkraften. Eine neue griechische Währung werde abwerten und zudem das Land günstiger für chinesische Touristen machen.

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