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Teure Tierchen : Chinas Panda-Diplomatie

Zoos sind die Institutionen, die alles ausbaden müssen. Das Vergnügen ist für die Tierschützer groß, für Zoomanager allerdings eher ambivalent wegen der substantiellen Kosten, die neben der Leasingrate anfallen. Der Große Panda ist anspruchsvoll. Der Zoo von Toronto hat für seine neue Panda-Anlage 14 Millionen Dollar ausgegeben. Dazu kommt, dass die Pandas gnadenlose Vielfraße sind. Ihre Hauptnahrung ist Bambus. Der wächst nicht überall und oft nicht schnell genug, um den Hunger der Tiere zu stillen. Der schottische Zoo in Edinburgh führt seinen Bambus aus Holland ein, der Zoo in Toronto bekommt mehrmals in der Woche Lieferungen vom Zoo in Memphis, Tennessee. Denn die Tiere präferieren Frischware. Es sind unglaubliche Mengen, die ein einzelner Panda so am Tag verschlingt: Zwischen 60 und 90 Kilogramm am Tag sind möglich. Mehre Zoos, darunter Washington,  haben zeitweise Landbesitzer um Bambusspenden gebeten, um die Kosten zu drücken. In Washington wächst Bambus wild und ziemlich schnell.

Wählerische Feinschmecker

Für die Bären wird er handverlesen und mit der Hand geerntet. Zoo-Pandas sind wählerisch, essen gelegentlich auch Zuckerrohr oder Süßkartoffeln, ohne das Budget nennenswert zu entlasten. Die Feinschmecker in Washington habe eine Vorliebe für gefrorenes Obst am Stil entwickelt.

Vom Management des Zoo in Atlanta kommt die wenige Jahre alte Schätzung,  dass drei  Pandas jenseits der Leihgebühr  Jahreskosten von 500.000 Dollar produzierten. Sie seien damit fünfmal so teuer wie Elefanten, die nächstteuersten Geschöpfe im Tiergarten. Dem Zoo von Washington hat eine Millionen-Großspende des Private Equity-Investors David Rubenstein geholfen, die Kosten zu decken. Der Zoo gewährt freien Eintritt, weshalb vom großen Besucherinteresse für Pandas kaum Kapital schlagen kann.    

Pandas können einen Zoo ruinieren, sagt ein Insider. Die andere Seite des Geschäfts ist, dass China die Einnahmen nutzt, um Pandareservate und Züchtungsprogramme zu finanzieren, um die bedrohten Tiere zu bewahren. Die Hervorbringung von Panda-Nachwuchs, ist das Ziel, dem sich im Grunde alle Panda-Zoos verschrieben haben. Dafür werden die Panda-Pfleger regelmäßig nach China geflogen, um die Tricks bei der künstlichen Befruchtung zu lernen und Sperma mitzubringen. Der Zoo in Memphis hatte sich das kritisches Material noch FedEx bringen lassen, aber Washington hat einen eigenen Kurier geschickt. Angesichts der zwei bis drei fruchtbaren Tage von Mei Xiang wollte man nicht riskieren, den Einsatz zu verpassen.  Der Aufwand hat sich offenbar gelohnt. Die Zwillinge sind da.  Ohne Hilfe gelingt die Vermehrung fast nie in den Zoos: Die Pandabären sind nicht nur Vielfraße, sie sind auch Sexmuffel,und somit  eine Art Al Bundy der Tierwelt.          

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