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Ferne Galaxien : Mit dem weltgrößten Teleskop sucht China nach Leben im Weltraum

Das mit 500 Metern Durchmesser größte Radioteleskop der Erde steht in China. Bild: Reuters

Ein 500 Meter Durchmesser starkes Observatorium soll ferne Galaxien erforschen – und zumindest in der Theorie „Aliens“ aufspüren. Für den Bau des chinesischen „Himmelsauges“ wurden 10.000 Menschen umgesiedelt.

          China ist das Land der Superlative. Die längste Seebrücke, die längste Eisenbahnstrecke, der längste Glassteig über eine gähnende Schlucht hinweg – kaum etwas gefällt der Führung des Milliardenvolkes, das bevölkerungsreichste der Welt, besser als Rekorde. Nun reiht sich der nächste ein: am Sonntag wurde in der südwestlichen Provinz Guizhou das mit 500 Metern Durchmesser größte Radioteleskop der Erde in Betrieb genommen.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Die als „Five-hundred-meter Aperture Spherical Telescope“ bezeichnete Anlage, abgekürzt mit dem Akronym „Fast“, steht in einer Bergregion, in der amtlichen Angabe zufolge für den fünfjährigen Bau zwischen 8000 und 10.000 Menschen umgesiedelt worden sind. 1,2 Milliarden Yuan hat das Teleskop gekostet, umgerechnet etwa 160 Millionen Euro. Es trägt den Spitznamen „Himmelsauge“.

          Diejenigen, die ihm Platz machen und ihre Heimat verlassen mussten, sollen nach Berichten chinesischer Medien eine Entschädigung in Form von Bargeld oder neuen Häusern erhalten haben. Teilt man das genannte Budget des Ausgleichsfonds von knapp 270 Millionen Dollar allerdings durch die Zahl der Betroffenen, fiele demnach die Entschädigung pro Kopf mit 27.000 bis 33.750 Dollar recht bescheiden aus.

          Das Teleskop soll der Erforschung des Weltraums dienen und in fernen Galaxien und Sternensystemen nach Signalen suchen – und nach außerirdischem Leben, wie die Nachrichtenagenturen in einer dramatischen Zuspitzung vermelden. Gegenüber dem staatlichen Fernsehsender CCTV drückten das beteiligte Wissenschaftler etwas nüchterner aus: das Ziel des Teleskop sei es, die „Gesetze der Entwicklung des Universums“ zu erforschen. Auf Nachfrage, ob so auch ferne Zivilisationen im Weltraum entdeckt werden könnten, sagte ein Astronom, dies sei in der Theorie möglich. Einem CCTV-Bericht zufolge hat das Teleskop bei einem Testlauf ein Funksignal empfangen, das von einem Neutronenstern stamme, der 1351 Lichtjahre von der Erde entfernt gewesen sei.

          Die Anlage löst das Arecibo Observatory in Puerto Rico als größtes Radioteleskop der Welt ab. Das Observatorium in China, das aus 4450 Panelen besteht, soll entfernte Pulsare beobachten - schnell rotierende Neutronensterne, die als Produkte von Supernova-Explosionen gelten.

          China investiert seit Jahren massiv in sein Weltraumprogramm. Das Programm unter Leitung des Militärs umfasst auch Pläne für eine eigene Weltraumstation und eine Mondlandung.

           

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