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China : Spenderorgane nur noch von Freiwilligen

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Bild: Reuters

Bisher war es in China gängige Praxis, zum Tode verurteilten Verbrechern Leber oder Nieren zu entnehmen. Jetzt tritt eine neue Regel in Kraft, nach der Organe nur noch von freiwilligen Spendern kommen dürfen.

          Für menschliche Organe gab es in China über Jahrzehnte reichlich „Spender“ -  sie wurden exekutierten Verbrechern entnommen. Die lange geheimgehaltene Praxis war für Sicherheitsbehörden und Transplantationszentren ein gutes Geschäft. Während die zum Tode Verurteilten und deren Angehörige in der Sache nichts zu sagen hatten, konnten Gefängnisse, Krankenhäuser und einzelne Ärzte an den kostenlosen „Organen“, für die Patienten viel Geld zu zahlen bereit waren, verdienen. Patienten kamen selbst aus dem Ausland, um von dem „Angebot“ in China zu profitieren.

          Doch viel westliche Kritik und auch ein Umdenken in China selbst hat jetzt bewirkt, dass die umstrittene Praxis nach Jahren der Diskussion beendet werden soll. Zum Jahresanfang tritt eine neue Regelung in Kraft, nach der Organe nur noch von freiwilligen Spendern kommen dürfen. Das wird von Menschenrechtlern und Juristen, die schon lange ein Ende des unethischen Vorgehens fordern, als ein Durchbruch begrüßt. Auch die Gegner der Todesstrafe sind erleichtert über einen Fortschritt, denn in der Vergangenheit war der große Bedarf an Organen von Kritikern für die hohe Zahl der Hinrichtungen in China mit verantwortlich gemacht worden.

          Doch die neue Bestimmung lässt ein Hintertürchen offen: Nach der neuen Regelung dürfen zum Tode Verurteilte ihre Organe weiterhin „freiwillig“ spenden. Dies kommt nach Befürchtungen von Menschenrechtsorganisationen einer Verwässerung der Regelung gleich, da die verurteilten Gefangenen in einer Zwangslage sind und sie und ihre Familien leicht von den Sicherheitsbehörden unter Druck zu setzen wären.

          Ein Ende der Hinrichtungstransplantationen würde einen drastischen Rückgang der Transplantationen in China nach sich ziehen. Vor fünf Jahren wären noch 90 Prozent aller Organe von Exekutierten gekommen. Nach neuen Regelungen, die die Zustimmung der zum Tode Verurteilten und ihrer Familien notwendig machte, wurden es weniger. Im vergangenen Jahr kamen aber immer noch 40 Prozent der gespendeten Organe von Hingerichteten.

          Die Nachfrage nach Organen ist riesig, jedes Jahr werden nach offiziellen Angaben in China ungefähr 300.000 Organe benötigt. Doch freiwillige Spender gibt es wenige, im vergangen Jahr waren es nur 1500. Dafür wird die konfuzianische Tradition verantwortlich gemacht, die verlangt, dass der Körper unversehrt bleibt, aber auch die grassierende Korruption. Die Menschen wären vielleicht eher bereit, ihre Organe zu spenden, wenn sie sicher wären, dass mit ihrer Spende fair und gerecht umgegangen wird, heißt es bei der staatlichen Transplantationskommission. Sie hat jetzt eine nationale Datenbank eingerichtet, die die Transplantationen landesweit überwachen und lenken soll.

          In China wird die Todesstrafe für viele Vergehen verhängt, die Zahl der Hinrichtungen ist ein Staatsgeheimnis. Doch nach Justizreformen müssen Todesurteile seit einigen Jahren vom Obersten Gerichtshof überprüft und bestätigt werden. Dadurch ist nach Schätzungen der amerikanischen Gefangenenhilfsorganisation Dui Hua die Zahl der Hinrichtungen stark zurück gegangen. Dui Hua schätzt, dass die Zahl von 12.000 im Jahr 2002 auf 2400 im vergangenen Jahr gesunken ist.

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