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Konjunkturabkühlung : Chinas Wirtschaft wächst schwächer

Hafen im chinesischen Qingdao Bild: dpa

Chinas Bruttoinlandsprodukt ist im ersten Quartal um 7,4 Prozent gestiegen. Das ist besser als erwartet. Und da sich die Beschäftigung robust zeigt, wird es wohl kein größeres Konjunkturpaket geben.

          China ist noch einmal davongekommen, mit einem blauen Auge gewissermaßen. Die Wirtschaft ist im ersten Quartal um 7,4 Prozent gewachsen, wie das Nationale Statistikbüro in Peking mitgeteilt hat.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Das war zwar der schwächste Wert seit sechs Quartalen; im Vorquartal waren noch 7,7 Prozent gemessen worden. Auch liegt die Zunahme unterhalb des Regierungsziels für das Gesamtjahr von 7,5 Prozent. Aber die März-Rate überstieg die Erwartungen der Bankfachleute, von denen die meisten lediglich 7,3 Prozent vorhergesagt hatten. Schwarzseher wie die Volkswirte der Société Générale prognostizierten sogar noch weniger.

          Eigentlich zeigen die Daten eine Abkühlung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt an, was an den Finanzmärkten Kursabschläge würde erwarten lassen. Da aber die Abschwächung geringer ausgefallen ist als befürchtet, sind auch Gewinne möglich.

          Geringe Chance auf starke Gegenmaßnahmen

          Skeptiker sagen andererseits, dass mit dem unerwartet milden Wachstumsrückgang die Chance für die Neuauflage eines Konjunkturpakets und für eine lockerere Geldpolitik geschwunden sei. Darauf hatten die Investoren gehofft. Einige sind deshalb jetzt verschreckt und verkaufen.
          Genau diese widerstreitenden Interpretationen zeigen sich im frühen Handel: In den asiatischen Märkten steigen die Kurse, weil die Neuigkeiten aus Peking besser sind als befürchtet. In China selbst aber geben die Indizes nach, weil die Werte an sich eben doch enttäuschen.

          Finanzexperten zeigten sich gefasst und positiv überrascht. „Das chinesische Wachstum hat sich im ersten Quartal besser gehalten als erwartet“, urteilt Julian Evans-Pritchard, China-Ökonom von Capital Economics in Singapur. „Es gibt Anzeichen dafür, dass sich der Abwärtsdruck auf das Wachstum etwas abgemildert hat.“

          Evans-Pritchard weist darauf hin, dass die offiziellen chinesischen Wirtschaftskennziffern nicht immer akkurat seien. Doch auch wenn man sich der BIP-Entwicklung auf indirekte Weise nähere -  etwa über den Energieverbrauch oder das Frachtaufkommen, wie es der „China Activity Proxy“ von Capital Economics versucht – ergebe sich ein ähnlich robustes Bild.

          Löhne steigen stark

          Zentralbank und Regierung haben mehrfach erklärt, dass sie mit einem schwächeren Wachstum von 7,2 bis 7,5 Prozent gut leben könnten. Erst wenn die Arbeitslosigkeit stark steige, werde man die Wirtschaft  fiskal- oder geldpolitisch ankurbeln.

          Die Zahlen von heute Morgen zeigen, dass die Löhne stärker wachsen als der Industrieausstoß. Mithin werden also Arbeitskräfte eher gesucht als entlassen. Evans-Pritchard glaubt deshalb nicht, dass die Verantwortlichen in Peking den Geldhahn aufdrehen werden, um die Wirtschaft künstlich anzuregen.

          Bei der Vorstellung der neuen Daten verwies ein Sprecher des Statistikamts auf die „komplizierte und ernste Lage der Wirtschaft zuhause und im Ausland“. Trotzdem habe die chinesische Wirtschaft einen „stabilen und gesunden Start hingelegt“.

          Den Angaben zufolge haben sich die Geschäftsaktivitäten vor allem im März wieder gefangen. So war das Wachstum in der Industrieproduktion mit 8,8 Prozent stärker als in den beiden Vormonaten. Gleiches galt für die Zunahme des Einzelhandelsumsatzes im März um 12,2 Prozent. Hingegen schwächte sich das Wachstum in den Anlageninvestitionen auf 17,4 Prozent ab.

          Lu Ting, der China-Ökonom der Bank of America in Hongkong, sprach deshalb von „guten und schlechten Neuigkeiten“. Für das zweite Quartal erwarten er und andere Analysten eine weitere Erholung mit einem BIP-Wachstum von 7,5 Prozent.

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