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Schwellenländer : China könnte die nächste Weltwirtschaftskrise entfachen

Die Arbeitslosigkeit in China könnte ebenfalls zum noch größeren Problem werden Bild: AFP

Die Bank Société Générale skizziert ein Horrorszenario: Die Gefahr, dass 2014 in China eine Krise droht, beträgt 20 Prozent. Das würde das globale Wachstum halbieren.

          Nach den wirtschaftlichen Verwerfungen in Amerika, Europa und den Schwellenländern droht jetzt auch eine Krise in China. Weil das Land den mit Abstand wichtigsten Beitrag zum globalen Wachstum leistet, könnte die Weltwirtschaft darunter enorm leiden. Das jedenfalls legt eine Analyse der französischen Großbank Société Générale nahe, die an diesem Montagmorgen veröffentlicht worden ist.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Das Bankhaus gehört zu den größten Schwarzsehern mit Bezug auf China: Es erwartet für 2014 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 6,9 Prozent. Das wäre ein drastischer Rückgang: 2013 und 2012 waren es noch je 7,7 Prozent, und schon das bedeutete die schlechtesten Werte seit dem Jahr 1999.

          Noch mehr erschreckt, dass die zuständige China-Expertin Michala Marcussen die Wahrscheinlichkeit, dass das Wirtschaftswachstum auf weniger als 5 Prozent fällt, mit einem Fünftel berechnet hat. Das wäre dann eine „harte Landung“ und eine ausgemachte Krise.

          „Wir haben das in ein Modell über die globalen Auswirkungen einbezogen und herausgefunden, dass dieser Effekt das Weltwirtschaftswachstum im ersten Jahr nach dem Schock etwa 1,5 Prozentpunkte kosten würde“, schreibt Marcussen. Das wäre etwa die Hälfte der gesamten Zunahme der internationalen Wirtschaft in einem Jahr!

          Chinas Überschuldung wächst

          Besonders hart würde der Absturz die Schwellen- und Entwicklungsländer treffen. Zum einen über ihre direkten Wirtschaftsbeziehungen zu China, der größten Handelsmacht auf dem Planeten und dem führenden Investor in der Dritten Welt. Zum anderen über die fallenden Preise für Rohstoffe, von denen kein anderes Land mehr einkauft als die Volksrepublik. Drittens schließlich wären auch die negativen Auswirkungen an den Finanzmärkten verheerend.

          Wir sollten nicht vergessen, dass selbst die Pessimisten der Bank dieses Szenario zu 80 Prozent für unwahrscheinlich halten. Aber gerade die letzten Finanzdaten aus China stimmen in der Tat nachdenklich. Denn sie belegen, dass Chinas Schuldenproblem noch lange nicht gelöst ist und dass weitere Zahlungsausfälle von Unternehmen und Finanzeinrichtungen drohen.

          Am Wochenende erst teilte die Zentralbank in Peking mit, dass die Bankkredite im Januar unerwartet stark gestiegen sind, im Jahresvergleich um 14,3 Prozent auf 1320 Milliarden Yuan (160 Milliarden Euro). Damit hat sich die Ausweitung im Vergleich zum Vormonat beschleunigt, statt sich abzuschwächen. Auch übersteigt der neue Wert – der höchste seit vier Jahren - die Erwartungen der Volkswirte um 20 Prozent.

          Marode Schattenbanken?

          Die so genannte Gesamtfinanzierung in der Gesellschaft (TSF), welche neben den Banken auch den grauen Kapitalmarkt berücksichtigt, legte im Januar sogar um 18,5 Prozent auf 2580 Milliarden Yuan (310 Milliarden Euro) zu. Das waren 36 Prozent mehr als vorhergesagt.

          Zuvor war schon bekannt geworden, dass die uneinbringlichen Bankkredite auf das höchste Niveau seit der Finanzkrise 2008 geklettert sind. Hinzu kommen Berichte von weiteren Treuhandfonds (Trusts) aus dem Schattenbankenwesen, die vor der Zahlungsunfähigkeit stehen sollen.

          Bisher sieht es also so aus, also ob die Anstrengungen von Regierung und Zentralbank wenig fruchten, Chinas Wirtschaftsexpansion auf Pump zurückzufahren. Hohe Schulden haben, wie wir wissen, schon Finanzkrisen in vielen anderen großen und kleinen Ländern ausgelöst, zuletzt in Europa und Nordamerika.

          Man kann die neuen Kreditdaten freilich auch positiv werten, und das tun derzeit die Aktienmärkte. Höhere Neukreditvergaben deuten auf steigende Geschäftsaktivitäten hin, weshalb die Kurse vieler Wertpapiere heute steigen.

          Der Regionalindex MSCI Asia Pacific legt um 0,7 Prozent zu, vergangene Woche war er bereits um 1,6 Prozent geklettert. Auch an den meisten Länderbörsen geht es bergauf. Nur in Japan schwanken die Indizes zwischen Plus und Minus. Denn dort ist gemäß einem Vorbericht das BIP im vierten Quartal 2013 geringer gewachsen als erwartet.

          Das wäre natürlich quasi der wirtschaftliche GAU: wenn sich weder China noch Japan wirklich berappelten. Schließlich sind die beiden Länder die zweit- und die drittgrößte Volkswirtschaft der Erde.

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