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Auf Einkaufstour im Ausland : China ist bereits der zweitgrößte Auslandsinvestor

Der chinesische Hausgerätehersteller Midea hat mehr als 90 Prozent der Kuka-Aktien übernommen. Bild: 20160714

Noch sind Unternehmen aus den Vereinigten Staaten die größten Auslandsinvestoren. Doch die Volksrepublik holt schnell auf. Im laufenden Jahr könnte Chinas Einkaufstour allerdings an Fahrt verlieren.

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          Der größte Aktionär der Deutschen Bank ist neuerdings der chinesische Mischkonzern HNA. Der Augsburger Roboterhersteller Kuka gehört seit vergangenem Jahr dem Midea-Konzern aus Chinas Süden. Und für die HSH Nordbank, Air Berlin und andere Unternehmen gelten chinesische Firmen als mögliche Käufer.

          Hendrik Ankenbrand
          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Chinas Wirtschaft ist auf Einkaufstour im Ausland – und zwar im großen Stil. Die direkten Auslandsinvestitionen chinesischer Unternehmen haben im vergangenen Jahr um 44 Prozent zugelegt, hat die Konferenz für Handel und Entwicklung (Unctad) der Vereinten Nationen am Mittwoch in Genf berichtet. In absoluten Zahlen ausgedrückt waren es 183 Milliarden Dollar, die aus dem Reich der Mitte in Investitionen im Ausland flossen.

          Der größte Auslandsinvestor sind zwar immer noch die Vereinigten Staaten. China jedoch holt auf, und das sehr schnell. Im vergangenen Jahr lag die Volksrepublik in der Rangliste bereits auf dem zweiten Platz. Im Vorjahr hatte sie noch den fünften Platz belegt.

          Chinas Regierung hat die Unternehmen im Land explizit dazu aufgefordert, überall in der Welt zu investieren. „Going Global“ heißt diese Strategie. In vielen Branchen will die Pekinger Führung in möglichst kurzer Zeit wettbewerbsfähige Produkte auf den Weltmarkt bringen, die dann mit Angeboten aus dem Westen konkurrieren sollen. Weil die nötige Technologie dafür in den eigenen Unternehmen oft fehlt, sollen diese auf Geheiß Pekings die Technik im Ausland einkaufen – wie etwa den Roboterhersteller Kuka aus Augsburg.

          Hohe Kapitalabflüsse könnten Renminbi schwächen

          Besonders an europäischen Unternehmen ist China interessiert. Laut einer Studie der Rhodium-Gruppe haben chinesische Unternehmen allein in Deutschland im vergangenen Jahr 11 Milliarden Euro investiert. Damit war die Bundesrepublik in der Europäischen Union das beliebteste Ziel für das Kapital aus China. Großbritannien folgte auf Platz zwei.

          Die große Frage ist aber, ob die Einkaufstour im laufenden Jahr anhalten wird. Denn Chinas Regierung ist besorgt, dass die hohen Kapitalabflüsse die heimische Währung Renminbi, die auch Yuan genannt wird, schwächen könnte. Die Folge könnte eine Abwärtsspirale sein, bei der der Yuan immer weiter an Wert verliert, woraufhin Chinas Sparer ihr Geld vermehrt ins Ausland zu bringen versuchen.

          Peking hat deshalb im vergangenen Herbst vielen Einkaufsplänen chinesischer Unternehmen im Ausland eine Absage erteilt und angekündigt, Auslandsinvestitionen stärker zu prüfen und gegebenenfalls auch zu verhindern. Die Wanda-Gruppe aus Peking hat das bereits Anfang des laufenden Jahres zu spüren bekommen, als die Behörden eine geplante Akquisition eines Fernsehproduktionsstudios in Amerika verhinderten.

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