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Patriotismus : China greift Unternehmen wegen Landkarten an

Umstrittene Inseln: Die Japaner nennen sie Senkaku, die Chinesen Diaoyu Bild: REUTERS

Marriott, Zara, Muji – ausländische Unternehmen müssen sich in China für Länderbezeichnungen und Landkarten entschuldigen, die der Regierung nicht gefallen.

          Nun hat es in China auch Muji erwischt. Weil die japanische Kette für Haushaltswaren, Möbel und Krimskrams in einem ihrer chinesischen Kataloge eine Landkarte mit Standorten abgedruckt hat, die nicht die Inseln mit dem Namen Diaoyu (der japanische Name lautet Senkaku) abgedruckt hat, hat das Pekinger Außenministerium den Konzern harsch kritisiert.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Die Diaoyu- oder Senkaku-Inseln liegen im Ostchinesischen Meer und werden sowohl von Japan als auch China beansprucht. Vor ein paar Jahren war der Streit um die Inselgruppe so sehr hochgekocht, dass es in China zu antijapanischen Demonstrationen gekommen war. Chinesische Parteizeitungen hatten die Gunst der Stunde genutzt und erinnerten in langen Artikeln an Gräueltaten der japanischen Armee im einst besetzten China.

          Und immer wieder Taiwan

          Nun sind die Inseln wieder zum Spielball politischer Interessen geworden, und die japanische Muji-Kette ebenfalls. Ausländische Unternehmen sollten „Chinas Souveränität respektieren“, teilte das Pekinger Außenministerium am Mittwoch mit. Eine Regierungsbehörde hatte beklagt, dass die Landkarte in dem Muji-Katalog auch in Bezug auf die Insel Taiwan „schwerwiegende Fehler“ beinhalte. China sieht das unabhängige Taiwan als abtrünnige Provinz an.

          Vor Muji waren im Januar auch andere ausländische Unternehmen wegen angeblicher Verfehlungen bei Ländernamen und Landkarten ins Fadenkreuz der Regierung geraten. So wurde die Webseite der Hotelkette Marriott gesperrt, weil sie in einem Fragebogen Tibet, Hongkong, Macau und Taiwan als eigenständige Staaten aufgeführt hatte. All diese Gebiete werden von China beansprucht.

          Die spanische Modekette Zara und der amerikanische Medizingerätehersteller Medtronic wurden ebenfalls von Regierungsstellten verwarnt, nachdem sie Taiwan als unabhängiges Land auf ihren Internetseiten aufgelistet hatten. Die amerikanische Fluglinie Delta bekam Ärger, nachdem sie Taiwan und Tibet im Internet als „Länder“ geführt hatte.

          Der Falsche liket das Falsche

           „Der Respekt von Chinas Kerninteressen ist das Entscheidende für Unternehmen“, schrieb Pekings amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Sämtliche Unternehmen haben sich seitdem öffentlich dafür entschuldigt, die umstrittenen Gebiete als eigenständige Länder aufgeführt zu haben. Marriott entschuldigte sich gar gleich fünf Mal, bekam aber trotzdem neue Probleme, nachdem ein Angestellter im Twitter-Konto des Unternehmens den Eintrag einer tibetischen Unabhängigkeitsbewegung „geliket“ hatte. Daraufhin riefen chinesische Internetnutzer zum Boykott der Kette auf, weil diese „Separatisten“ unterstütze.

          Auf Pekings jüngsten Angriff auf Muji hat sich inzwischen Japans Regierung schützend vor das Unternehmen gestellt. Die Senkaku-Inseln gehörten aus historischen Gründen zu Japan, sagte Kabinettssekretär Yoshihide Suga am Mittwoch in Tokio. Das Vorgehen gegen Muji könne sich negativ auf das Investitionsverhalten japanischer Unternehmen in China auswirken.

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