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Umweltverschmutzung : Chinas Ackerland ist verseucht

Chinas Bauern haben es schwer Bild: dpa

Mehr als 40 Prozent des chinesischen Ackerlandes ist nach offiziellen Angaben versauert und unfruchtbar. Die Bauern können nicht mehr genügend Nahrungsmittel produzieren. Jetzt will die Regierung einschreiten.

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          Statistische Angaben chinesischer Regierungsbehörden sind mit Vorsicht zu genießen. Und so überrascht auch, dass die Verseuchung chinesischen Ackerlands offenbar unglaublich rasant voranschreitet. Das Agrarministerium teilte noch im vergangenen April mit, 20 Prozent des Ackerlandes sei verseucht und könnten nicht mehr für den Anbau von Nahrungsmitteln verwendet werden. Das war eine Fläche so groß wie Belgien. Ein halbes Jahr später teilt dieselbe Behörde nun mit, es sei die doppelte Fläche verseucht: 40 Prozent des Ackerlands. Wie kann das sein?

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Ganz offensichtlich will die Regierung die Alarmglocke für ein Problem läuten, das man in der aufstrebenden Volkswirtschaft, der zweitgrößten der Welt, so nicht vermutet hätte: eine drohende Lebensmittelknappheit, wenn nicht gar eine Hungersnot. Bereits 2010 warnten die Vereinten Nationen, wenn die Umweltverschmutzung in der Volksrepublik weiter so schnell voranschreite, werde das Land Probleme bekommen, seine 1,3 Milliarden Einwohner ausreichend zu ernähren. Bereits jetzt ist China Netto-Importeur von Reis aus umliegenden asiatischen Staaten wie etwa Kambodscha, der in den Supermärkten von Schanghai zu erstaunlich hohen Preisen angeboten wird.

          Stahl und Zement statt Reis

          Von Chinas gesamter Fläche ist geschätzt nur ein Zehntel überhaupt fruchtbarer Boden zum Anbau von Getreide und anderem geeignet – oder verfügbar. Denn neben der Tatsache, dass ein Großteil des Landes aus bergigem Gebiet und Wüste besteht, hat die rasant fortschreitende Urbanisierung ihre Spuren hinterlassen. Gerade um den Aufstieg zur wohlhabenden Industrienation zu schaffen, wird ei Bevölkerung angehalten, vom Land in die Städte zu siedeln – ein Schritt, der aus volkswirtschaftlicher Sicht durchaus richtig ist.

          Doch die Ausbreitung der Städte bleibt nicht ohne Konsequenzen. So werde in der Provinz Heilongjiang im Nordosten der Volksrepublik der fruchtbare Boden dünner, während im Süden des Landes viele Felder versauert seien, schreibt Chinas amtliche Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf das Agrarministerium. Ackerland kann auch etwa durch Erosion oder Umweltverschmutzung geschädigt werden. Die Entwicklung bereitet der Staatsführung berechtigte Sorgen. Das Ackerland sei von der raschen Urbanisierung mit Stahl und Zement regelrecht „aufgefressen“ worden, lässt sich der zuständige Landwirtschaftsminister zitieren.

          Die große Acker-Offensive

          Nun will Peking handeln und Gesetze erlassen, mit denen Böden besser geschützt werden könnten. Experten zufolge ist dies bislang schwierig, weil Umweltverschmutzer nur schwer zur Rechenschaft gezogen werden können. Vor allem aber will die Regierung bis zum Jahr 2020 große, zusammenhängende Ackerflächen schaffen. Sie sollen gegen Dürren und Überschwemmungen widerstandsfähiger sein. Ackerland im Umfeld der Städte soll als solches gekennzeichnet werden und nur noch für die Landwirtschaft nutzbar sein – das wird Chinas mächtigen Immobilienentwicklern nicht gefallen. Die Reform soll fürs erste in 14 großen Städten greifen, darunter Peking, Schanghai und Guangzhou. Ab 2016 sollen die weiteren chinesischen Großstädte dazukommen.

          Dass sie künftig auf den Flächen am Rande der Städte keine Hochhaussiedlungen mehr hochziehen können, wird ohne Zweifel den Widerstand der Immobilienkonzerne hervorrufen. Diese haben für eine Verwässerung des ambitionierten Reformprojekts Argumente, die bei Chinas Regierung für gewöhnlich auf offene Ohren stoßen: Arbeitsplätze. Rechnet man sämtliche am Hausbau beteiligten Industrien mit ein, zeichnet die Immobilienwirtschaft für ein Fünftel der chinesischen Wirtschaftsleistung verantwortlich.

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