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China : Die Rückkehr der Vogelgrippe

Bild: dpa

Weitere Todesfälle in China schüren die Angst vor einer Ausbreitung der Krankheit. Noch ist die Lage, wie an den Aktienmärkten, unter Kontrolle. Aber Vorsicht kann hier wie dort nicht schaden. Deshalb fallen die Kurse.

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          In China sind sechs weitere Personen an der Vogelgrippe erkrankt. An ihnen sei der Erreger H7N9 nachgewiesen worden, teilte die Weltgesundheitsorganisation WHO mit. Einer der Patienten sei gestorben, drei weitere befänden sich im Krankenhaus, ihr Zustand sei ernst bis kritisch. Die beiden übrigen zeigten bisher nur leichte Symptome.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Fachleuten zufolge demonstrieren die neuen Fälle, dass die Krankheit noch nicht besiegt ist. Das Wiederaufflammen nährt Befürchtungen, dass sich die Infektion in ähnlicher Weise ausbreiten könnte wie früheren Formen der Vogelgrippe, die vor allem in Asien gewütet hatten. Damals hatte der Erreger H5N1 650 Menschen  befallen und 390 von ihnen getötet, die meisten in Indonesien.
          Die neue Variante H7N9 wurde erstmals im vergangenen Jahr in China nachgewiesen. Bisher sind dort sowie in Taiwan und Hongkong 150 Ansteckungen und 46 Todesfälle bekannt geworden.

          Zehn Tage vom Krankheitsausbruch bis zum Tod

          Das Virus tötet schnell: Das bisher letzte Opfer, ein 38 Jahre alter Mann aus Chinas Südostprovinz Fujian, erkrankte am 3. Januar. Nur zehn Tage später verstarb er. Von zwei weiteren Todesfällen in der Südwestprovinz Guizhou sowie in Hongkong berichten offizielle Medien und Regierungsvertreter. Doch hat die WHO diese bisher nicht bestätigt.

          Für die Gesundheitswächter ist die Lage nicht einfach. Einerseits müssen sie zur Wachsamkeit aufrufen, andererseits eine Panik vermeiden. Sie versichern, dass es bisher keinen Beweis für die Ansteckung zwischen Menschen gebe. Auch sei unklar, wie der Erreger vom Geflügel auf die Erkrankten übertragen worden sei.
          Wissenschaftler haben herausgefunden, dass das Virus mehrfach mutieren müsste, um von einer Person direkt zu einer anderen gelangen zu können. Ausgeschlossen ist das aber nicht, wie vergleichbare frühere Fälle gezeigt haben.

          Die WHO versicherte, es sei zu früh, um vorsorglich Reisenden von und nach China zu untersuchen. Die Organisation spricht sich auch gegen Reise- oder Handelseinschränkungen aus. Dergleichen würde das Land hart treffen, es ist die größte Außenhandelsnation der Welt, und kein anderes Volk reist häufiger ins Ausland als die Chinesen.

          Asiens Börsen drehen nach schlechten Vorgaben aus Amerika ins Minus

          Ansteckungen gibt es auch an den internationalen Aktienmärkten. Die asiatischen Börsen leiden heute unter den schwache Vorgaben aus den Vereinigten Staaten. Der Regionalindex MSCI Asia Pacific verliert 0,9 Prozent an Wert, nachdem er in den zwei Tagen zuvor 1,2 Prozent hinzugewonnen hatte.

          Am Vortag hatte der amerikanische Index S&P500 1,3 Prozent eingebüßt. Damit summieren sich seine Verluste auf den schlechtesten Jahresbeginn seit dem Krisenjahr 2009. Das Vorjahr hatte er mit einem Plus von 30 Prozent abgeschlossen, so viel wie seit 1997 nicht.

          Die Kurse belastet zum einen die Aussicht auf ein Ende der superlockeren Geldpolitik in den Vereinigten Staaten. Zum anderen fragen sich die Anleger vor Beginn der Berichtssaison, ob die Gewinne der Unternehmen das halten, was die starken Kurssteigerungen versprochen haben. Viele Investoren sind sich da nicht sicher, auch in Asien nicht.

          Noch ist die Lage, wie bei der Vogelgrippe, unter Kontrolle. Aber es kann ja nicht schaden, lieber so vorsichtig wie möglich zu sein.

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