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China : Charmeoffensive und Konkurrenz unter den First Ladys

Chinas neuer starker Mann, der jetzige Partei-, Staats- und Militärchef Xi Jinping, tritt gern mit seiner Frau auf. Bild: AFP

Nach Staatspräsident Xi Jinping nimmt jetzt auch Regierungschef Li Keqiang seine Gemahlin auf Reisen mit. Es ist klug, im In- und Ausland gut Wetter zu machen, denn der heimischen Wirtschaft geht es mäßig.

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          Bis zum Amtsantritt der jetzigen Führung spielten die Partnerinnen der chinesischen Spitzenpolitiker in der Öffentlichkeit kaum eine Rolle. Das mochte an den gemischten Erfahrungen mit dem Staatsgründer Mao Tse-tung gelegen haben, der viermal verheiratet war und dessen Ehefrauen sehr unterschiedliche Wertschätzung genossen: Die vorletzte Gemahlin He Zizhen galt als sehr beliebt, während ihre Nachfolgerin Jiang Qing in der Partei und im Volk äußerst umstritten war.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Als Mitglied der so genannten Viererbande wurde sie nach Maos Tod für die Exzesse der Kulturrevolution mitverantwortlich gemacht und zum Tode verurteilt. Die Strafe wurde später in lebenslange Haft umgewandelt. Nur zehn Tage nach ihrer Entlassung aus gesundheitlichen Gründen verübte Jiang Qing 1991 Selbstmord.
          Im Gegensatz zu seinen Vorgängern tritt Chinas neuer starker Mann, der jetzige Partei-, Staats- und Militärchef Xi  Jinping, gern mit seiner Frau auf. Zu verstecken ist Peng Liyuan ohnehin nicht, denn sie gehört zu den beliebtesten Sängerinnen des Landes. Besonders bekannt sind ihre „roten Lieder“, vaterländische, kommunistische und militärische Gassenhauer.

          Peng leitet das „Gesangs- und Tanzensemble der Allgemeinen Politischen Abteilung der Volksbefreiungsarmee“ und hat den Rang eines Generalmajors inne. Sie tritt im Fernsehen auf, lehrt als Professorin am Pekinger Konservatorium und ist Mitglied des nationalen Beraterparlaments, der Konsultativkonferenz. An der Seite ihres Mannes reist sie um die Welt und empfängt zuhause auch eigenständig berühmte Gäste, zuletzt Michelle Obama mit ihren Töchtern.
          Peng Liyuan ist gewissermaßen Teil des „chinesischen Traums“, den ihr Mann zum Leitbild seiner Amtszeit erhoben hat. Sie dient als Identifikationsfigur im Innern und Aushängeschild im Äußern. Gekleidet in heimische Mode, ist sie eine adrette Exponentin der „soft power“, mit der das Land seinen Wiederaufstieg zur Weltmacht garniert.
          Neben der First Lady tritt immer häufiger auch Chinas Second Lady in Erscheinung. Cheng Hong ist die Ehefrau von Regierungschef Li Keqiang, dem zweiten Mann in der Pekinger Machthierarchie. Neuerdings begleitet sie ihren Mann auf Reisen, derzeit quer durch Afrika.

          Die Propagandamaschinerie rückt sie systematisch in den Fokus des in- und ausländischen Interesses. Die heutige Ausgabe der englischsprachigen Staatszeitung „China Daily“ widmet ihr an prominentester Stelle Texte und Fotos, auf der ersten und auf der dritten Seite. Daraus erfahren wir, dass die Siebenundfünfzigjährige als Englischprofessorin an der Hauptstadtuniversität für Volks- und Betriebswirtschaft tätig ist. Spezialisiert ist sie auf Werke zu amerikanischen Naturschilderungen, von denen sie einige ins Chinesische übersetzt hat. Erwartungsgemäß überschlagen sich die von der Zeitung befragten Fachleute im Lob über ihre Fähigkeiten.

          Cheng Hong stammt aus der Zentralprovinz Henan, wo ihre Mutter als Journalistin für die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua arbeitete. Ihr Vater stand dort der Kommunistischen Jugendliga vor. Nach einem Arbeitseinsatz auf dem Land während der Kulturrevolution studierte sie Englisch an der Peking-Universität. Dort lernte sie den Volkswirt Li Keqiang kennen, der die Jugendliga an der Hochschule führte. Nach der Hochzeit kam eine Tochter zur Welt.

          Die Politiker Li Keqiang und Xi Jinping werden als Partner des chinesischen Reform-Tandems beschrieben, aber auch als Rivalen. Auffällig ist, dass Li dem Beispiel des anderen folgt, die Familie ins Spiel zu bringen und damit seine Arbeit zu vermenschlichen, ja volksnäher zu machen. Xi hat damit großen Erfolg, er gilt als der beliebteste Führer seit langem. Li braucht dringend solche Erfolge, und er braucht den Rückhalt der Bevölkerung. Er ist für die Ökonomie der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt zuständig, und um die steht es nicht zum Besten: Das Wachstum könnte im laufenden Jahr auf den schwächsten Wert seit fast einem Vierteljahrhundert fallen.

          Li hat sich dennoch dagegen ausgesprochen, die Konjunktur fiskal- oder geldpolitisch anzufachen. Er nimmt die geringere Expansion in Kauf, weil er die Kredit- und Staatsabhängigkeit der Wirtschaft verringern will. Das ist zwar vernünftig, kommt aber im In- und Ausland nicht überall gut an. Schließlich hatte China in der Finanzkrise nach 2008 mit einem riesigen Konjunktur- und Kreditprogramm nicht nur den heimischen Wohlstand gesichert, sondern auch die Weltwirtschaft vor dem Schlimmsten bewahrt. Viele wünschen sich etwas Ähnliches jetzt, wo die Lage abermals schwierig ist.

          Heute setzt es in China neue negative Nachrichten: Der endgültige Einkaufsmanagerindex der Großbank HSBC für April ist nicht nur schlechter ausgefallen als zunächst berechnet, sondern auch als von Analysten erwartet. Der jetzige Stand von 48,1 Punkten signalisiert, dass sich das Verarbeitende Gewerbe in der größten Industrienation der Welt weiter abkühlt. Konsequenterweise fallen die Aktienkurse in Asien weiter. Der Regionalindex MSCI Asia Pacific ohne Japan sinkt heute Vormittag um 0,3 Prozent. Er hatte schon die vergangenen drei Wochen Verluste ausgewiesen. „Die Abschwächung ist noch nicht vorbei“, sagte Yao Wei, die China-Ökonomin der Bank Société Générale in Hongkong gegenüber der Finanzagentur Bloomberg. Daran werden zwar auch Chinas Politiker-Damen nichts ändern können. Aber vielleicht machen sie die Abkühlung und die von ihren Ehemännern eingeleiteten Reformen etwas erträglicher.

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