https://www.faz.net/-gqe-96jum

Handelsstreit : China bezichtigt Trump der Doppelmoral

Damals im November 2017 wurde in Peking noch eine begeisterte, fähnchenschwenkende Kinderschar organisiert, als Präsident Trump zu Besuch kam. Jetzt wird gestritten. Bild: EPA

Nach der Rede des amerikanischen Präsidenten Trump in Davos schlägt Peking zurück: Amerika habe vom Freihandel profitiert – und wolle diesen jetzt abschaffen, weil es nun angeblich verliere.

          1 Min.

          Im Handelsstreit zwischen Amerika und China werden die Töne zunehmend unversöhnlicher. Nachdem Amerikas Präsident Donald Trump am Freitag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos den Protektionismus seiner „Amerika zuerst“-Politik verteidigt und China erneut indirekt angegriffen hatte, wurden seine Worte am Sonntag von einem offiziellen Sprachrohr der chinesischen Regierung deutlich kritisiert.

          Hendrik Ankenbrand
          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Pekings amtliche Nachrichtenagentur Xinhua warf den Vereinigten Staaten indirekt Doppelmoral vor. Unter der Flagge des Freihandels sei Amerika einst für diesen eingetreten und habe alle daraus entstandenen Vorteile genutzt. In der heutigen Zeit des Aufstiegs der Schwellenländer wende sich Washington von diesem Prinzip ab, verfolge eine Handelspolitik nach dem Prinzip „Amerika zuerst“ und ignoriere seine internationale Verantwortung.

          China hat viel zu verlieren

          Dass die offiziellen Medien der Kommunistischen Partei Chinas im seit Trumps Wahlkampf um die amerikanische Präsidentschaft schwelenden Streit um das amerikanische Defizit im Handel mit dem Reich der Mitte die „Amerika zuerst“-Politik kritisieren, ist nicht neu. China hätte bei weiteren hohen Strafzöllen in Amerika viel zu verlieren, hat die Exportnation doch von ihrem Beitritt zur Welthandelsorganisation und dem Wegfall von Handelsschranken für chinesische Waren doch so stark profitiert wie kein anderes Land auf der Welt.

          Überraschend ist hingegen, wie offen Peking mittlerweile die Vereinigten Staaten einen Verlierer im weltweiten Wettkampf um Wohlstand nennt. Amerika sei „wie ein Boxer, der gelobe, die Regeln zu beachten, solange er den Kampf dominiere“, schreibt die Nachrichtenagentur Xinhua in ihrem Kommentar. „Sobald er jedoch verliert, verlangt er, die Regeln zu ändern.“

          Zwischen „Amerika zuerst“ und Freihandel

          Das Parteisprachrohr machte abermals deutlich, wie Peking auf die Bedrohung reagieren will: Wer mit einem Land Handel betreiben wolle, dass als Priorität der eigenen Politik eine „Ich zuerst“-Mentalität gewählt habe, „schießt sich selbst ins Bein“, schreibt Xinhua.

          Schon vor dem Auftritt Trumps in Davos hatte die Nachrichtenagentur geschrieben, die Welt müsse sich zwischen „zwei völlig unterschiedlichen Perspektiven“ für den Welthandel entscheiden - dem „Amerika zuerst“ von Donald Trump und dem vor einem Jahr gegebenen Versprechen des chinesischen Präsidenten Xi Jinpings. Dieser hatte seinerzeit in Davos angekündigt, für den Freihandel einzutreten. Inwieweit Peking dieses Versprechen allerdings wahrmacht, steht auf einem anderen Blatt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Mittwoch in Brüssel

          Verteidigungsplanung der NATO : Die Kunst flexibler Abschreckung

          Die NATO richtet ihre Verteidigung auf hybride Kriegsführung aus. Nun wird ermittelt, was die Mitglieder dafür können müssen. Das ist auch für die nächste Bundesregierung von Bedeutung.
          IWF-Chefökonomin Gita Gopinath

          Führungswechsel : Chefvolkswirtin verlässt den IWF

          Gita Gopinath geht zurück an die Harvard-Universität. Ihr Rücktritt erfolgt in einer Zeit, in der die Chefin des Währungsfonds in der Kritik steht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.