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Drohnen-Hersteller DJI : Chinas Regierung bekommt Zugriff auf unsere Drohnen-Bilder

Sollten die Fotos und Videos fliegender DJI-Drohnen in Amerika (oder auch in Deutschland) am Ende bei Chinas Regierung landen, dürfte das Fragen der ausländischen Behörden und Parlamentarier nach den Geschäftsaktivitäten von DJI aufwerfen. Dass die Drohnen-Bilder etwa von anti-chinesischen Protesten in Hongkong ebenfalls in Peking landen und dort für eine Verfolgung von Oppositionsbewegungen führen könnten, dürfte viele Nutzer ebenfalls interessieren.

Das Unternehmen DJI wurde 2006 gegründet und hat seitdem ein bemerkenswertes Wachstum hingelegt. Im Jahr 2012 betrug der Umsatz bereits 200 Millionen Yuan (27 Millionen Dollar). DJI sammelte Dutzende Millionen Dollar Risikokapital von Investoren ein. Der Umsatz kletterte auf eine halbe Milliarde Dollar, wovon sagenhafte 120 Millionen Dollar als Gewinn hängen blieben. Die Beratungsgesellschaft Frost & Sullivan schätzte, dass DJI 70 Prozent des Markts für Drohnen beherrscht – und zwar weltweit.

DJI-Gründer Frank Wang gilt als öffentlichkeitsscheu

Die amerikanische Geschäftswelt hingegen ist von DJI begeistert. Kalifornische Investoren, die im vergangenen Jahr beim chinesischen Unternehmen eingestiegen sind, haben DJI mit 8 Milliarden Dollar bewertet. Denn mit dem Verkauf von Drohnen wird Schätzungen zufolge bald mehr Geld verdient werden als mit militärischem und zivilem Verteidigungsgerät.

Eine Marktforschungsstudie überschlägt sich in ihren Vorhersagen nach der anderen. Zuletzt veranschlagte BI Intelligence (das zum Newsportal Business Insider gehört, dessen Eigentümer wiederum seit Neustem der Berliner Axel Springer Verlag ist) das Potential im Jahr 2021 auf einen Wert jährlich verkaufter Drohnen von 12 Milliarden Dollar.

DJI-Gründer und Vorstandschef Frank Wang (der mit chinesischem Namen Wang Tao heißt), ist 35 Jahre alt und gilt als öffentlichkeitsscheu. Ihm gehört 45 Prozent des Unternehmens. Geboren und aufgewachsen in der südchinesischen Stadt Hangzhou nahe Schanghai als Sohn einer Lehrerin und eines Ingenieurs, studierte einst in Hongkong Elektrotechnik.

Im Studentenwohnheim bastelte er Steuerungen für Modellhubschrauber. Heute führt er einen Konzern mit 3500 Mitarbeitern. Die Schanghaier Reichenliste „Hurun-Report“ schätzte das Vermögen von Frank Wang im Herbst auf 3,4 Milliarden Dollar, womit der Drohnen-König einer von sechs jungen „Selfmade-Milliardären“ Chinas ist, die in den 80er Jahren geboren wurden, nachdem die marktwirtschaftliche Öffnung des Landes bereits begonnen hatte.

Angesichts der verschärften Kontrolle, mit der Chinas Regierung die Herrschaft über Staat und Wirtschaft in jüngster Zeit wieder ausbaut und dabei auch Privatunternehmer ohne Angaben von Gründen vorübergehend verschwinden lässt, steht es aller Wahrscheinlichkeit nach außer Frage, dass sich DJI-Gründer Wang dem Zugriff der chinesischen Behörden auf die Daten seiner Kunden beugen muss. Bereits im Dezember hatte DJI vor einer Kommission der Zentralen Militärkommission Chinas und des Staatsrats seinen Willen zur Regulierung bekundet.

Die DJI-Manager präsentierten dabei ein Überwachungssystem, bei dem auf fünf großen Monitoren Daten und Bilder in Echtzeit von Drohnen gezeigt wurden, die über einem Fußballfeld in Shenzen kreisten. An dem Überwachungssystem hatten über 100 Entwickler von DJI ein halbes Jahr gearbeitet. Laut dem chinesischen Nachrichtenportal „Sina“, das sich auf Unternehmensangaben beruft, soll das Überwachungssystem drei Gruppen von Menschen dienen: „1. den Nutzern; 2. den Regulatoren, die die Luftraumüberwachung aus Gründen der Verkehrssicherheit überpüfen wollten; 3. den Strafverfolgungsbehörden, die die aus den Drohnen gewonnen Daten als Beweis bei der Strafverfolgung nutzen wollen.“

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