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Maglev : China baut eigenen Transrapid

Noch ist der chinesische „Maglev“ eher ein Bummelzug. Bild: dpa

In Schanghai fährt immer noch der deutsche Transrapid, ist aber wenig erfolgreich. Jetzt will China im großen Stil eigene Magnetschwebebahnen bauen – und diese exportieren.

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          Er war einst das Aushängeschild für technologischen Fortschritt made in Germany: am 31. Dezember 2002 startete mit der 30 Kilometer langen Strecke von einem Außenbezirk Schanghais bis zum Flughafen Pudong der erste kommerzielle Einsatz der Magnetschwebahn Transrapid.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Einer der ersten Fahrgäste war der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Gut sieben Minuten benötigt der Zug für die Fahrt und erreicht dabei eine Geschwindigkeit von 430 Kilometern in der Stunde. Durchgesetzt hat er sich bei Chinesen und ausländischen Geschäftsleuten nie – zu teuer und unpraktisch ist die Fahrt vom Flughafen zur Haltestelle weit weg vom Zentrum der Wirtschaftsmetropole, zu billig und bequem der Transport mit dem Taxi.

          Weuterentwicklung deutscher Technik

          14 Jahre nach dem ersten Einsatz der deutschen Hochtechnologie in China macht sich das Land auf, nun selbst im großen Stil in das Geschäft mit der Schwebetechnik einzusteigen. Beim Bau des Transrapid in Schanghai war ein Technologietransfer vereinbart worden, der den Chinesen genau dies ermöglichen sollte. Während das Transrapid-Werk in Kassel von Thyssen längst geschlossen wurde, startete vergangenen Mai ein Testlauf eines vollständig von Chinesen gebauten Magnetschwebezugs samt Strecke, in China „Maglev“ genannt (magnetic levitation), in der im Süden gelegenen Stadt Changsha.

          Jetzt investiert Chinas größter staatlicher Eisenbahnkonzern China Railway Construction Corpioration (CRCC) zwei Milliarden Yuan (270 Millionen Euro) in ein neues Unternehmen, das in der zentralchinesischen Stadt Wuhan angesiedelt ist und die Entwicklung von Chinas eigener Magnetschwebe-Industrie vorantreiben soll.

          Noch ein Bummelzug

          Die erste selbst gebaute Maglev-Strecke in Changsha kann mit dem Schanghaier Vorbild noch nicht mithalten: dort zuckelt der Schwebezug gerade einmal mit einer Geschwindigkeit von einhundert Stundenkilometern durch die Landschaft. Für die 18,5 Kilometer benötigt der Fahrgast stolze 19,5 Minuten. 1,2 Millionen Menschen soll der Zug den Angaben des Betreibers zufolge bis heute transportiert haben. Die Kosten für das Projekt liegen demnach bei rund 4,3 Milliarden Yuan (580 Millionen Euro).

          Die vergleichsweise geringe Investitionssumme für Chinas neues Maglev-Unternehmen in Wuhan könnte bei ersten Erfolgen schnell aufgestockt werden. Schließlich ist die Entwicklung international wettbewerbsfähiger Eisenbahntechnologie ein wichtiges Ziel von Pekings Wirtschaftsplan „China 2025“, in dem die Volksrepublik in kurzer Zeit die Eroberung ganzer Industriezweige gelobt.

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          Einem Bericht der Zeitung „China Daily“ zufolge soll sich die Entwicklung der Magnetschwebetechnik Made in China auf zwei Klassen konzentrieren: auf einen Zug mit mittlerer Geschwindigkeit von rund 200 Stundenkilometern, worunter auch eine bereits in Peking im Bau befindliche Maglev-Strecke fallen dürfte, die bereits Ende des laufenden Jahres in Betrieb gehen soll.

          Darüber hinaus will China eine Hochgeschwindigkeitsbahn bauen, die mit 600 Stundenkilometern noch einmal deutlich schneller wäre als das deutsche Vorbild in Schanghai. Zehn Städte in China, so der Bericht, seien an einem Einsatz interessiert. 

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