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Casinos : Chinas Zocker-Krise

Gespieltes Glück. Eine Privatanlegerin im chinesischen Wuhan vor bunten Kurstafeln Bild: AFP

In China leiden die Casinos: Die Regierung will Glücksspiel und Geldwäsche eindämmen. Das kostet die Besitzer der Casinos mehr als 100 Milliarden Dollar.

          2 Min.

          Die Krise in China lässt sich auf dem Frankfurter Börsenparkett genauso spüren wie in New York. Viel früher aber war sie auf dem weichen Teppichboden im Spielsaal des Sands China auf Macau zu fühlen: Chinas Probleme sind vielleicht am deutlichsten auf der Zockerinsel vor Hongkong abzulesen. Die Casinos dort sind letztlich ein Frühindikator. Die Festlandchinesen haben Angst zu zocken, seit die Regierung den Kampf gegen Korruption und Schwarzgeld ausgerufen hat. Und sie haben weniger Geld. Also versagen sie sich den Ausflug auf die Spaß-Insel.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Deshalb haben die fünf in New York börsennotierten Betreiber der riesigen Casinos auf der Insel innerhalb von nur zwei Jahren mehr als 100 Milliarden Dollar ihres Börsenwertes verloren. Allein Melco Crown, das börsennotierte Gemeinschaftsunternehmen des australischen Milliardärs James Packer mit Lawrence Ho, büßte 60 Prozent seines Marktwertes ein. Lawrence Vater, der Hongkonger Spielkönig Stanley Ho, verlor noch mehr: Sein Unternehmen SJM Holdings gab an der Börse um 78 Prozent nach. Sands China, kontrolliert vom amerikanischen Milliardär Sheldon Adelson, konnte 58 Prozent Börsenwert innerhalb von zwei Jahren abschreiben. Und Wynn Macau, geführt vom Amerikaner Steve Wynn, gab satte 73 Prozent nach.

          Der Grund dafür liegt in der chinesischen Politik, die die Betreiber zunächst über Jahre reich gemacht hatte. Doch fiel der Umsatz der edlen Spielhöllen im vergangenen Jahr um satte 34 Prozent auf nur noch knapp 40 Milliarden Dollar. Es war das zweite Jahr mit Verlusten. Zuvor hatte die Regierung in Peking der Geldwäsche und der Bestechung den Kampf angesagt. So genehmigte sie beispielsweise für das neue Studio-Casino von Melco, das rund 4 Milliarden Dollar kostete, nun nur noch einen Bruchteil der beantragten Spiel-Tische.

          Neue Milliarden-Investitionen

          Damit beendete sie ein gutes Jahrzehnt des Feuerwerk-Kapitalismus: Seit 2002, als das Monopol des Hongkonger Milliardärs Ho für Glücksspiel auf Macau aufgeweicht wurde, drängten Las-Vegas-Größen wie Wynn oder Adelson mit Edel-Casinos auf die Insel. Zeitgleich entstanden auch in umliegenden Ländern wie Singapur, Burma (Myanmar) oder Kambodscha große Spielcasinos, die wohlbetuchten Chinesen eine Alternative bieten.

          Das „Venetian“ in Macau sieht seinem Konterpart aus Las Vegas recht ähnlich.
          Das „Venetian“ in Macau sieht seinem Konterpart aus Las Vegas recht ähnlich. : Bild: Reuters

          Allein im vergangenen Dezember aber lagen die Umsätze der Casino-Gruppen noch einmal gut 21 Prozent unter denjenigen des Vorjahres. Zwar war dies der geringste monatliche Rückgang seit Januar 2015. Doch bleibt es eine rasante Talfahrt: Noch 2013 wurden in Macaus Casinos 45 Milliarden Dollar umgesetzt, damals ein Zuwachs von 19 Prozent im Jahresvergleich. Damit machten die Spielhallen auf der Chinesen-Insel siebenmal mehr Geld, als Las Vegas.

          Bange machen aber gilt auch heute für die Zocker-Milliardäre nicht: Zusammengenommen werden Melco, Galaxy, MGM China, Wynn Macau und Sands China weitere mehr als 20 Milliarden Dollar investieren. Damit sollen die sogenannten „integrierten Casino Resorts“ – Hotels mit Spielsalons – auf dem dem Meer abgerungenen Cotai Streifen entlang der Küste entstehen. Mit dem Fokus auf Hotels wollen die Zocker-Könige, so wie sie es etwa schon auf den Philippinen und in Singapur vormachten, weg vom Schmuddel-Image, mehr Familien als Kunden gewinnen und damit Peking befrieden – auch wenn Papa abends noch eine Runde zocken geht.

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