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Buy America : Was Google mit Motorola verloren hat

Bild: dpa

Der Verkauf des Handyherstellers Motorola an Lenovo eröffnet zwei Fragen: Sind das die ausländischen Investitionen, von denen Präsident Obama träumt? Und wie viel hat Google bei dem Geschäft verloren?

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          Manchmal kommt es anders und schneller als man denkt. Noch am Dienstagabend hatte der amerikanische Präsident Barack Obama sich in seiner Rede zur Lage der Nation bemüht, die Vereinigten Staaten als attraktives Land für ausländische Investoren darzustellen. Am Tag danach überraschte Google die Nation mit der Nachricht, es gedenke, den Mobiltelefonhersteller Motorola für 2,9 Milliarden Dollar an den chinesischen Elektronikkonzern Lenovo zu verkaufen. Erst eine Woche zuvor hatte Lenovo angekündigt, für 2,3 Milliarden Dollar das Netzwerkserver-Geschäft von IBM für zu kaufen. Schon 2004 hatte Lenovo die PC-Sparte von IBM übernommen. Sind die chinesischen Übernahmen die ausländischen Direktinvestitionen, von denen Obama träumt?

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          In den achtziger Jahren, als japanische Unternehmen in Amerika groß zukauften und als „gelbe Gefahr“ gebrandmarkt wurden, gab es eine böse Karikatur. Eine Demonstration von Amerikanern zog darin mit Schildern durch die Straße, auf denen sie unter dem Motto „Buy american!“ zum Kauf amerikanischer Produkte aufrufen. Am Schluss des Demonstrationszugs lief ein vereinzelter Japaner, der gleichfalls ein Schild trug. Darauf stand nicht „Buy american“, sondern: „Buy America“ – Kaufe Amerika!

          Noch sind solche Karikaturen nicht wieder zu sehen. Die Lenovo-Transaktion wird jedenfalls regulär vom amerikanischen Committee on Foreign Investment geprüft werden müssen, das bei Investoren aus China aus Sicherheitsgründen besonders kritisch schaut. Vor allem chinesische Mitwirkung in der Telekommunikationsinfrastruktur ist den amerikanischen Behörden schon seit langen ein Dorn im Auge. Seit den Enthüllungen zur NSA-Spionage weiß man, weshalb die Amerikaner chinesisches technisches Gerät nicht im amerikanischen Telefonnetz sehen wollen.

          Hat Google mit Motorola fast 10 Milliarden Dollar verloren?

          Dringender stellt sich vorerst eine andere, betriebswirtschaftliche Frage. Wie viel hat Google bei dem Geschäft verloren? Der Internet-Gigant kaufte den angeschlagenen Handy-Hersteller Motorola 2012 zum stolzen Preis von 12,5 Milliarden Dollar. Und nun bekommt Google nur 2,9 Milliarden Dollar für das Unternehmen? Sollte das Minus tatsächlich fast 10 Milliarden Dollar betragen?

          Ganz so einfach ist die Sache natürlich nicht. Hier ist eine grobe Kalkulation. Google zahlte 12,5 Milliarden Dollar für Motorola, erhielt aber zugleich Motorolas Barbestände von rund 3 Milliarden Dollar. Seither hat Google das Motorola-Geschäft mit digitalen Fernsehempfängern (Set-Top-Boxen) für 2,35 Milliarden Dollar verkauft. Nun gibt es 2,9 Milliarden Dollar für die Handy-Sparte von Motorola und einige Patente. Damit sind wir bei etwa 4,25 Milliarden Dollar. Google hat andererseits seit dem Kauf nach manchen Schätzungen rund 2 Milliarden Dollar Verluste von Motorola geschluckt, wobei die damit verbundenen Steuererleichterungen noch nicht berücksichtigt sind.

          Google behält das Gros der Patente von Motorola, um sein Betriebssystem Android im Patentkrieg der Technologieunternehmen abzusichern. Die entscheidende Frage ist nun: Sind die Tausende Patente, die Google behält, 4 Milliarden Dollar oder mehr wert? Dann könnte der originale Motorola-Zukauf sich für Google gelohnt haben. Sonst wäre es ein gewaltiges Verlustgeschäft gewesen.

          2012 bezifferte Google den Wert der Motorola-Patente und -Technologie auf 5,5 Milliarden Dollar. Diese Zahl könnte deutlich zu hoch gegriffen sein. Im vergangenen Jahr verlor Google gegen Microsoft in einem Gerichtsverfahren um Lizenzzahlungen für Standardpatente. Das Gericht setzte die Lizenzzahlungen auf etwa 1,8 Millionen Dollar im Jahr an. Google hatte 4 Milliarden Dollar verlangt.

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