https://www.faz.net/-gqe-7ytsk

Bodenschatzkonzerne : Erz-Giganten wollen Markt unter sich aufteilen

Eine Erzmine von Rio Tinto im Westen Australiens Bild: Reuters

Der Preis fällt, trotzdem weiten die großen Bodenschatzkonzerne die Fördermenge aus: So sollen kleinere Bergwerke in China aus dem Markt gedrängt werden.

          2 Min.

          Obwohl die Preise immer weiter fallen, wollen die großen Bodenschatzkonzerne in diesem Jahr noch mehr Eisenerz fördern. Rio Tinto, der zweitgrößte Produzent weltweit plant, den Ausstoß seiner australischen Bergwerke um 18 Prozent im Jahresvergleich zu erhöhen. Sein Konkurrent BHP Billiton will den Ausstoß um 11 Prozent erhöhen. Da auch die anderen großen Förderer in Australien weiter zulegen wollen, dürfte die Ausfuhr von Erz dort in diesem Jahr um rund 100 Millionen Tonnen steigen. Dies wird enormen Druck auf den Markt ausüben. Denn Chinas Wirtschaftswachstum schwächt sich mit nur noch 7,3 Prozent im vergangenen Quartal weiter ab. Die Volksrepublik aber ist der wichtigste Abnehmer für das australische Erz. So wollen die großen Unternehmen wie Rio Tinto, BHP Billiton, Fortescue Metals Group oder Roy Hill von Australiens Minenmilliardärin Gina Rinehart die Kleinen und insbesondere die chinesischen Förderer aus dem Markt drängen. Sie nämlich können bei einem Erzpreis um die 60 Dollar je Tonne nicht kostendeckend fördern.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Rio Tinto hat im vergangenen Jahr den Erz-Ausstoß von 266 auf 295,4 Millionen Tonnen hochgefahren. In diesem Jahr sollen es 330 Millionen Tonnen werden. 2017 will der australisch-britische Konzern 370 Millionen Tonnen Erz in Australien fördern. BHP Billition erhöhte ihn in der zweiten Jahreshälfte um 16 Prozent auf 113 Millionen Tonnen. In diesem Berichtsjahr (30. Juni) sollen es 225 Millionen Tonnen Erz werden, nach 204 im vergangenen Jahr. Konkurrent Vale aus Brasilien will 2015 rund 340 Millionen Tonnen Erz produzieren. Gina Rineharts neue Mine in Westaustralien soll noch 2015 mit der Förderung von 55 Millionen Tonnen Erz beginnen. Das Hochfahren der Produktion können sich nur die Branchenriesen leisten, die noch bei Förderpreisen unter 50 Dollar je Tonne profitabel arbeiten. Kleinere Bergwerke müssen längst geschlossen werden. Die Branche erlebt damit eine bislang ungeahnte Konzentration auf wenige Anbieter, die die Fördermenge und damit die Preise bestimmen können.

          Im vergangenen Jahr ist der Preis für Eisenerz um 47 Prozent gefallen. Die Bank UBS warnt, das Überangebot werde von 35 Millionen Tonnen 2014 auf nun gut 200 Millionen Tonnen steigen. Die Analysten erwarten einen mittleren Preis von 66 Dollar je Tonne für 2015. Im vierten Quartal hatte der Preis für Erz, das nach China ausgeführt wird, bei 76,50 Dollar je Tonne gelegen; im Jahr zuvor waren es noch 135 Dollar gewesen. Analysten schätzen, dass die aggressive Förder- und Preispolitik der Konzerne dazu geführt hat, dass im vergangenen Jahr schon Minen mit einem Volumen von rund 100 Millionen Tonnen Erz schließen mussten. Besonders betroffen sind neben den chinesischen Bergwerken diejenigen in Afrika, die zu höheren Preisen als in Australien fördern.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.