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Blick auf den Finanzmarkt : Deutsche Aktien verzeichnen Verluste

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Der anhaltende Streit um den richtigen Weg zur Lösung der Schuldenkrise schickt die europäischen Aktienmärkte auf Talfahrt. Auch der Euro steht unter Druck und kostet mit 1,3705 Dollar rund einen amerikanischen Cent weniger als zum New Yorker Freitagsschluss.

          Der deutsche Aktienmarkt startet schwach in die neue Woche. Der Dax verliert 1,7 Prozent auf 5481 Punkte. Der marktbreite FAZ-Index gibt 2,1 Prozent auf 1242 Punkte nach.

          Händler sprechen von einem Rückschlag. „Die Abgaben an Asiens Börsen sowie die deutlichen Verluste des Euro drücken auf die Kurse“, so ein Händler. Der Markt sei bis Freitag auch durch den großen Verfallstermin an der Terminbörse Eurex unterstützt worden, und diese Unterstützung falle nun weg. „Damit rückt die Schuldenkrise in der Eurozone wieder in den Vordergrund“, so ein Marktteilnehmer.

          Finanzminister Schäuble hat Griechenland abermals mit Zahlungsstopp gedroht, sollte das Land seinen Verpflichtungen nicht nachkommen. Begründet wird die abnehmende Risikobereitschaft auch mit dem ergebnislosen Treffen der EU-Finanzminister vom
          Wochenende.

          Im Handel geht man von einer Fortsetzung des schwankungsanfälligen Geschäfts aus, das vor allem vom Makroumfeld geprägt sein dürfte. Wichtige Unternehmensnachrichten gebe es zu Wochenbeginn nicht zu verarbeiten. Einige Marktteilnehmer hoffen auf die amerikanische Notenbank, die am Dienstag und Mittwoch zur Geldpolitik tagt. Am Markt heißt es, möglicherweise könnte die Notenbank versuchen, nach den kurzen Leitzinsen auch die langen Zinsen am Anleihenmarkt nach unten zu drücken.

          Unter der Schuldenkrise leiden laut Händlern abermals die europäischen Finanzwerte. „Auch wenn die Notenbanken die erwarteten Liquiditätsengpässe gelöst haben, das Problem einer möglichen Unterkapitalisierung besteht weiterhin“, so ein Marktteilnehmer mit Blick auf die Bestände an Staatsanleihen in den Bankenportfolios.

          Im frühen Handel fallen Deutsche Bank um 3,7 Prozent auf 24,175 Euro und Commerzbank um 3,5 Prozent auf 1,704 Euro. VW verlieren 3,7 Prozent auf 110,75 Euro, nachdem der Kurs zum Handelsschluss am Freitag wegen der Aufnahme in den Euro-Stoxx-50 stark gestiegen war. Relativ gut halten sich einige defensive Werte wie Fresenius mit einem Minus von 0,2 Prozent.

          SMA Solar fallen um 4,7 Prozent auf 53,30 Euro, nachdem die Analysten des Unicredit die Aktien auf Verkauf heruntergestuft haben.

          Rentenmärkte starten fester

          Die wieder in den Fokus gerückte Staatsschuldenkrise im Euroraum lässt den deutschen Rentenmarkt am Montag kräftige Kursgewinne verzeichnen. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, gewinnt 72 Basispunkte auf 137,37 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future 35 Basispunkte auf 122,53 Prozent.

          Das Treffen der EU-Finanzminister in Polen ist faktisch ohne Ergebnis geblieben, darüber hinaus stützt die sich abzeichnende Zitterpartie um frische Hilfsgelder für Athen die deutschen Renten-Futures. „Niemand sollte sich Illusionen machen: Ohne eine positive Feststellung der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds, dass Griechenland seinen Verpflichtungen nachkommt, kann die nächste Tranche nicht ausgezahlt werden“, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble der „Bild am Sonntag“.

          Im Zentrum der Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer steht allerdings bereits die Entscheidung der amerikanischen Notenbank. Die Währungshüter um Federal-Reserve-Chairman Ben Bernanke werden am Dienstag und Mittwoch über ihren geldpolitischen Kurs beraten. Beobachter gehen davon aus, dass der Offenmarktausschuss dabei eine Verlängerung der Restlaufzeit der von der Federal Reserve gehaltenen Staatsanleihen beschließen wird.

          Alleine im Rahmen ihrer zweiten Runde quantitativer Lockerungen hat die amerikanische Notenbank bis Ende Juni dieses Jahres 600 Milliarden Dollar in Schuldtitel investiert. „Sollte die Federal Reserve einen verstärkten Ankauf langlaufender Staatsanleihen beschließen, könnte dies auch unterstützend auf den deutschen Markt wirken“, sagt Viola Stork von der Landesbank Hessen Thüringen.

          Charttechnisch sieht sie die nächsten Widerstände für die Bund-Futures auf den Niveaus von 138,28 Prozent und 138,91 Prozent. Unterstützungen macht sie in den Bereichen von 135,61 Prozent und 135,12 Prozent aus.

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