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Nach Dammbruch : Minenkonzernen droht Milliardenstrafe in Brasilien

Eine Mine des Vale-Konzerns in Brasilien. Bild: dpa

Die Aktien von BHP Billiton und Vale fallen deutlich, nachdem eine Klageschrift über fast 40 Milliarden Euro veröffentlicht wird.

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          Das könnte teuer werden: In Brasilien ist nun eine Zivilklage gegen die beiden Bodenschatzkonzerne BHP Billiton und Vale über 155 Milliarden  Real (39 Milliarden Euro) eingereicht worden. Damit sollen die Schäden und Reinigungsarbeiten für den Dammbruch der gemeinschaftliche betriebenen Mine Samarco Mineração S.A beglichen werden. Die Staatsanwälte von Minas Gerais, wo die Betreibergemeinschaft ihren Sitz hat, und vom Nachbarstaat Espírito Santo erklärten in ihrer 359seitigen Klageschrift, die Summe ergäbe sich aus den Reinigungskosten für den Ölkonzern BP, nachdem seine Bohrinsel Deepwater Horizon 2010 den Golf von Mexiko verschmutzte. Ein Gericht muss nun über die Annahme des Falls entscheiden.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die Staatsanwälte nehmen kein Blatt vor den Mund: „Vorläufige Untersuchungen haben gezeigt, dass die menschlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Folgen des Dammbruchs wenigstens dem entsprechen, was im Golf von Mexiko festgestellt wurde. Es erscheint weder technisch noch moralisch nachvollziehbar, dass  menschliche, kulturelle oder ökologische Werte in Brasilien weniger zählen sollen als in anderen Ländern“, heißt es in ihrer Erklärung. 

          Auch wenn Brasilien für hohe Forderungen zur Wiedergutmachung bekannt ist, wurden die beiden Unternehmen frontal getroffen. Die Anrechte auf Aktien des brasilianischen Erzkonzerns Vale verloren im Handel in New York fast 8 Prozent. Die Aktie des australischen Weltmarktführers BHP Billiton gab im Handel in Sydney am Mittwochmorgen 7,8 Prozent nach.

          Beide Unternehmen hatten sich im März mit der brasilianischen Regierung auf eine Ausgleichszahlung von 20 Milliarden Real über 15 Jahre geeinigt. Die Staatsanwälte bezeichneten dies als „Ausverkauf“. Beide Unternehmen erklärten, sie hätten die Klageschrift noch nicht erhalten. BHP Billiton fügte an, das Unternehmen bleibe „entschlossen, Samarco dabei beizustehen, die Ortsgemeinschaft wieder aufzubauen und die Umwelt von den Folgen des Dammbruchs zu reinigen.“ Auch dieses zwischen den Unternehmen und verschiedenen staatlichen Institutionen geschlossene Abkommen muss noch gerichtlich bestätigt werden.

          Bei der Katastrophe Anfang November verloren mindestens 17 Menschen ihr Leben, mehr als 700 wurden obdachlos. Eine Schlammwelle verschmutzte den Fluss Rio Doce auf hunderte von Kilometern. Über die Belastung des Wassers in der Region mit Schadstoffen gibt es unterschiedliche Aussagen. Einige Angehörige drohen mit weiteren Klagen. Die Polizei prüft Strafanzeigen gegen Manager von Samarco. Das Unternehmer hatte erklärt, seinen Schürfbetrieb im vierten Quartal wieder aufnehmen zu wollen.

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